Test-Länderspiel
Erschreckend einfallslos: Die Schweiz unterliegt Irland in einer enttäuschenden Partie

Gelingt wenigstens noch der Ausgleich? Nein. Es bleibt beim 1:0 für die Iren. Die Schweiz beginnt das Länderspieljahr mit einer Niederlage. Es gibt noch viel zu tun bis zum Startspiel an der Europameisterschaft gegen Albanien am 11. Juni.

Etienne Wuillemin (Text) und Mira Güntert (Liveticker)
Merken
Drucken
Teilen
Testspiel, Irland - Schweiz, 25.03.2016
3 Bilder
Es war definitiv nicht sein Spiel: Ricardo Rodriguez kam nie richtig auf Touren und wurde in der 78. MInute für François Moubandje ausgewechselt.
Haris Seferovic wurde von Trainer Petkovic an die Sturmspitze gesetzt.

Testspiel, Irland - Schweiz, 25.03.2016

Keystone

Es ist kein grosser Abend an der Lansdowne Road in Dublin. Weder spielerisch. Noch wegen der Spannung. Ein typisches Testspiel eben. Frei von jeglicher Dramatik. Nicht so wie 2002 oder 2005, als die Schweizer zuletzt hier spielten. Einmal gewannen sie auf dem Weg an die EM 2004 2:1 dank Fabio Celestinis spätem Tor. Einmal vergab Alex Frei in der Schlussminute alleine vor dem Tor den Sieg, weil er den Ball nicht zu Streller spielte – nur darum wurde die legendäre Barrage gegen die Türkei für die WM 2006 möglich. Mit solchen Erinnerungen musste man sich den Abend schönen. Und das sagt schon alles über dieses Aufeinandertreffen am Karfreitag.

Eine neue Zeitrechnung

Schweiz gegen Irland, das ist trotzdem mehr als ein Spiel. Es könnte der Beginn einer neuen Zeitrechnung sein. Erstmals unter Petkovic ist Gökhan Inler nicht mit dabei. Petkovic schmerzte es, auf seinen Captain zu verzichten. Aber er hat es getan, weil er zu allen Spielern korrekt sein will. Inlers Bonus ist aufgebraucht. Die fehlende Spielpraxis fällt zu stark ins Gewicht. Gleichwohl ist Inler weiterhin ein bisschen in Petkovics Herz präsent. «Gökhan ist seelisch bei uns – auch wenn er es körperlich nicht ist.» Dieser gefühlvolle Satz gelang Petkovic in seiner Erklärung unter der Woche.

Natürlich, Inler war auch schon nur Ersatz. Gegen Slowenien in der EM-Qualifikation. Aber immerhin war er auf der Bank. Und durfte vier Tage später wieder eingreifen. Diesmal ist alles anders. Diesmal muss er 350 Kilometer östlich von Dublin, in Leicester, per Fernseher oder Internet verfolgen, wie sich die Schweiz ohne ihn schlägt.

Vor allem für einen ist Inlers Fehlen eine grosse Chance zur Befreiung. Granit Xhaka. Nun darf er endlich sein, was er immer wollte: der Chef des Teams auf dem Platz. Dass er es kann, hat er in Mönchengladbach hinlänglich bewiesen. Aber jetzt, im Nationalteam? Die Situation kann auch belastend sein. Weil Xhaka weiss, dass die Augen nun auf ihn gerichtet sind.

Gegentor schon nach 117 Sekunden

Xhaka ist bemüht. Versucht, das Spiel an sich zu reissen. Läuft viel. Er erobert da und dort einen Ball, begeht dafür da und dort einen Fehlpass oder kommt beim Tackling zu spät. Der Xhaka der besten Tage ist er definitiv noch nicht.

Doch das liegt gewiss auch daran, was die Mitspieler aus seinen Zuspielen machen. Nicht viel nämlich. Dzemaili vergibt auch die nächste Chance, einen Stammplatz zu rechtfertigen. Mehmedi und Seferovic versuchen einiges, erfolglos. Irgendwie hätte man Embolo am ehesten noch etwas zugetraut. Und natürlich vermissen die Schweizer den angeschlagenen Shaqiri. Es bleibt dabei: Er ist, in Höchstform, unverzichtbar.

Das Spiel hätte nicht schlechter beginnen können. Nach 117 Sekunden führt Irland bereits. Timm Klose verschläft einen Eckball. Clark darf ganz alleine einköpfeln. Nach Klose kommt auch sein Partner in der Innenverteidigung, Fabian Schär, einmal zu spät. Long trifft per Kopf aber nur die Latte.

Die Wechelorgie

Und die Schweiz? Erschreckend einfallslos. So geht das immer weiter.

Nach 70 Minuten beginnt die Wechselorgie. Petkovic verschafft Shani Tarashaj sein Länderspieldebüt. Immerhin kommt dieser noch zu einer Chance. Sein Schuss geht knapp daneben.

In Irland sind dieser Tage die Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Osteraufstände das dominierende Thema. Ganz Dublin ist geschmückt mit Erinnerungen an die Helden von 1916, deren Kampf letztlich am Ursprung der irischen Unabhängigkeit fünf Jahre später stand.
Im Sommer wollen die irischen Fussballer ihr Volk wieder auf dem Rasen entzücken. Vier Jahre nach dem Trauma der EM 2012 (drei Spiele, drei Niederlagen, 1:9 Tore) ist die Überzeugung gross, dass die Mannschaft diesmal besser abschneidet. Das gestrige Spiel hat die Hoffnungen zumindest nicht geschmälert. Für die Schweiz muss es eine deutliche Warnung sein.

Irland - Schweiz 1:0

Dublin. – 35 000 Zuschauer. – SR Zelinka (CZE). – Tor: 2. Clark (Duffy) 1:0.

Irland: Randolph; Coleman, Duffy, Clark, Brady; Judge, Meyler (61. O’Kane), Quinn (61. McCarthy), McGeady (61. Hayes); Long (84. McClean), Doyle (27. Murphy, 79. Hoolahan).

Schweiz: Sommer; Lang (82. Widmer), Schär, Klose, Rodriguez (78. Moubandje); Behrami (71. Fernandes), Xhaka; Embolo, Dzemaili (71. Kasami), Mehmedi (71. Tarashaj); Seferovic (62. Steffen).

Bemerkungen: Irland ohne Given, Keane, Hendrick, Walters und O’Shea (alle verletzt), Schweiz ohne Lichtsteiner, Shaqiri (beide angeschlagen/geschont) und Djourou (verletzt) sowie Elvedi (U21). 27. Doyle mit Knöchelverletzung ausgeschieden. 37. Lattenkopfball von Long. Verwarnungen: 40. Dzemaili (Unsportlichkeit). 60. Xhaka (Foul).

Lesen Sie hier die Partie in unserem Liveticker nach: