Super League
Erich Hänzi, der Young Boys-Fussballgott – Er hat mit YB schon einiges erlebt

Bei YB wurde er zum Fussballgott. Noch heute liebt Erich Hänzi den Verein und freut sich auf den Meistertitel. Der 53-Jährige bestritt 470 Spiele für YB, wurde 1987 Cupsieger, war Aufstiegscaptain und ist heute Talentmanager.

Markus Brütsch
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Immer volle Pulle und mit wehendem Haar: Erich Hänzi (r.) ging keinem Zweikampf aus dem Weg.

Immer volle Pulle und mit wehendem Haar: Erich Hänzi (r.) ging keinem Zweikampf aus dem Weg.

Keystone

Was gibt es Schöneres, als mit einem Fussballgott über Fussball zu sprechen? Nur: Wo beginnen und wann aufhören, wenn der Fussballgott seit 32 Jahren am Ball ist und so viel zu erzählen hat, dass man ihm problemlos einen Tag lang zuhören könnte?

Man muss sich nur vor Augen führen: Als Erich Hänzi 1986 als 21-Jähriger vom FC Lengnau zu den Young Boys kam, gab es noch keine Handys, waren die Fussballschuhe noch schwarz und erhielt man für den Sieg noch zwei Punkte und nicht drei.

So ist es ein Glück, dass der Fussballgott gerade etwas Zeit hat. «Es ist mein freier Nachmittag», sagt Hänzi, als er sich an diesem wunderbaren Frühlingstag vor dem Stade de Suisse an einen Tisch setzt und einen Kaffee bestellt. Eigentlich würde der Sonnenschein ja perfekt zum Höhenflug der Young Boys und zum spannenden Berufsleben Hänzis passen.

«YB – das ist mein Verein und meine ganz grosse Liebe.»

«YB – das ist mein Verein und meine ganz grosse Liebe.»

Keystone

Weil am Vorabend aber der generöse Klub- und Stadionbesitzer Andy Rihs nach langer Krankheit gestorben ist, liegt ein Schatten über Bern. «Er war ein Rettungsanker», sagt Hänzi. «Dank den Gebrüdern Rihs, Andy und Hans-Ueli, haben wir bei YB zum Glück sehr stabile Verhältnisse.»

Am Morgen ist Hänzi in Fribourg gewesen, um sich mit dem Lehrmeister eines YB-Juniors auszutauschen, der in der Romandie drauf und dran war, sein Talent zu vergeuden und auf die schiefe Bahn zu geraten. «Er hat sich glücklicherweise aufgefangen», sagt Hänzi, «er kann ein Grosser werden, wenn er den Willen hat.»

Mit YB identifizieren

Vertrauen aufbauen und dafür sorgen, dass sich die Spieler mit YB identifizieren, dies ist eine der Aufgaben, die er von Christoph Spycher übernommen hat, als dieser 2016 zum Sportchef aufstieg. «Die aktuellen Erfolge von YB helfen mir dabei sehr», sagt Hänzi. Als Talentmanager betreut er eine Gruppe von 20 besonders begabten Fussballern im Alter von 16 bis 18 Jahren.

Er trainiert mit ihnen individuell, kümmert sich um ihre schulische Ausbildung und pflegt den Kontakt zu den Eltern und Lehrern. «Ich begleite sie auf dem Weg zum Profi», sagt Hänzi. In den unzähligen Gesprächen bekommt er oft zu spüren, wie die die sozialen Medien dafür sorgen, dass viele Junge zu reden verlernen.

Bevor der Fussballgott 2013 zum dritten Mal zu YB kam, war er fünf Jahre als Assistenztrainer beim FC Zürich tätig gewesen. Challandes, Fischer, Fringer und Meier waren seine Chefs. Es war eine gute Zeit, aber Hänzi spürte, dass er nicht der Typ für den heutigen Profifussball ist, er sich nicht gerne in einem Haifischbecken tummelt. «Als Talentmanager kann ich mehr Einfluss nehmen und etwas bewegen», sagt Hänzi. Der Job ist ihm auf den Leib geschneidert.

Aber wissen seine Teenager überhaupt, wen sie da vor sich haben? Dass dieser Mann gegen 500 Pflichtspiele auf dem Buckel hat und zum «Fussballgott» wurde, als er YB 2001 als Captain zum Wiederaufstieg führte? «Das wissen die Jungs wohl nicht», sagt Hänzi, «aber sie merken schon, dass ich einen Background habe.»

Andere waren Götter

Als Hänzi vor 32 Jahren nach Bern kam, hatte er die Handelsschule und das Militär hinter sich, war aber noch weit davon entfernt, ein Fussballgott zu sein. YB war soeben Meister geworden und die Götter hiessen Robert Prytz und Lars Lunde.

Aber Hänzi setzt sich durch und schon im zweiten Jahr wird er mit YB Cupsieger. Der Linksverteidiger wird zum Dauerbrenner, der nach sieben Jahren unverschämterweise 200 Franken mehr Lohn verlangt. Als YB Nein sagt, nimmt Hänzi das Angebot von Lausanne an, wird erstmals Vollprofi und gewinnt mit den Waadtländern zweimal den Cup.

Nach sieben Jahren, Hänzi ist nun 35 und YB in der NLB, kehrt er nach Bern zurück und erlebt im familiären Neufeld eine seiner besten Zeiten. Dank seiner Bodenständigkeit und dem Kampfgeist wird er für die Fans zum Fussballgott. «Das freut mich noch heute», sagt Hänzi. Die Bandmitglieder von Züri West nennen sich «Friends of Hänzi».

Versöhnung mit Gelb-Schwarz

Als er mit 38 dann Schluss macht, verweigert YB dem verdienten Spieler den vereinbarten Anschlussvertrag als Nachwuchstrainer. Gerichte kümmern sich um den Fall, und Hänzi ist fünf Jahre lang weg vom Fussball.

Doch Sportchef Fredy Bickel lotst ihn viele Jahre später zurück in den Schoss der YB-Familie und Hänzi versöhnt sich mit Gelb-Schwarz. «Das ist mein Verein, meine Liebe», sagt Hänzi, der in Krauchthal lebt und seine 10-jährige Tochter längst mit dem YB-Virus infiziert hat.

Jetzt fiebern beide dem Augenblick entgegen, an dem YB nach 32 Jahren endlich wieder Meister ist. «Ich verspüre eine seltsame Nervosität», sagt Hänzi. Der Fussballgott ist zu einem grossen Fan der ersten Mannschaft geworden. «Er beobachtet, wie ihm immer mehr Leute zuwinken, wenn er mit seinem YB-Auto unterwegs ist. Erfolg ist eben sexy. Aber macht YB auch glücklich? «Natürlich, im Moment ganz sicher», sagt Hänzi.