Nichts ist mehr wie vor einem Jahr. Der Eishockey-WM 2018 taumelte das Schweizer Nationalteam nach dem Fiasko von Pyeongchang angeschlagen entgegen. Das Silber von Kopenhagen veränderte alles: Noch nie startete die Schweiz derart zuversichtlich in eine WM.

Früher hiess es, das Erreichen der Viertelfinals sei schwierig und deshalb als Erfolg zu werten. Vor den Titelkämpfen in Bratislava posaunt Nationalcoach Patrick Fischer aber andere Töne. Er zeichnet ein grosses Bild, in dem die Schweizer dereinst mit umgehängten Goldmedaillen dastehen.

«Wir müssen diese Goldmedaille endlich holen», sagt Fischer. «Es kann nicht unser Anspruch sein, nur alle fünf, sechs Jahre einen Ausreisser nach oben zu haben - und dann wieder die Viertelfinals zu verpassen.»

Durchwachsene Bilanz

Der Nationalcoach beweist mit seinen Aussagen grossen Mut. Seit der sensationellen Silbermedaille an der WM 2013 in Stockholm, wo Patrick Fischer als Assistent von Sean Simpson bereits mit von der Partie gewesen war, erreichte die Schweiz bis zum letztjährigen Höhenflug in Kopenhagen in zwei von vier Fällen die Viertelfinals. Der Blick in die Vergangenheit zeigt deutlich: Auf jeden Ausreisser nach oben folgte umgehend die Ernüchterung.

Vor 27 Jahren qualifizierte sich die Schweiz in Bratislava und Prag unter John Slettvoll und Bill Gilligan erstmals in der Neuzeit sensationell für die Halbfinals. Ein Jahr später folgte unter dem gleichen Trainer-Duo der schmähliche Abstieg in die B-Gruppe.

1998 standen die Schweizer mit Ralph Krueger an der Bande an der Heim-WM in Zürich und Basel wieder in den Halbfinals. Ein Jahr später folgte die Ernüchterung in Form von Kanterniederlagen gegen alle grossen Gegner (damals gab es keine Viertelfinals).

Lektion gelernt?

Auf das «Wunder von St. Petersburg» im Jahr 2000 folgte das Verpassen der Viertelfinals ein Jahr später in Deutschland. Und auf die Silbermedaille von Stockholm folgte ein chaotisches 2014 mit Eskapaden um den damaligen Nationalcoach Sean Simpson und verpassten Viertelfinals sowohl in Sotschi (Olympia) wie Minsk (WM).

Es gibt Anzeichen, wonach es ein Jahr nach der knapp verpassten Goldmedaille von Kopenhagen (Finalniederlage gegen Schweden im Penaltyschiessen) diesmal keinen Absturz gibt.

Die Spieler glauben, ihre Lektion gelernt zu haben. Nach 2013 sei die Schweiz zu hoch geflogen, sagte etwa Berns Captain Simon Moser, der bei beiden Silbermedaillengewinnen mit von der Partie gewesen war und auch jetzt wieder eine Hauptrolle spielen soll.

Die Basis legen

Fischer ergänzte: «Das waren damals andere Mannschaften und andere Konstellationen. Wir waren vor fünf Jahren noch nicht parat wie jetzt. Klar ist jetzt Erfolgsdruck da - aber den lieben wir.»

Die Basis zu einer erfolgreichen Weltmeisterschaft können die Schweizer übers Wochenende in den ersten Spielen legen - mit Siegen am Samstagmittag gegen Italien (12.15 Uhr) und am Sonntagabend gegen Lettland (20.15).

Zum fünften Mal hintereinander eröffnet die Schweiz eine WM gegen einen Aufsteiger. Schaffen die Schweizer endlich im ersten Spiel erstmals das Punktemaximum?

Schlüssel zum Sieg gegen Italien: Disziplin

«In den letzten Jahren brachten wir uns in den Eröffnungsspielen stets selber in Schieflage», erinnert sich Patrick Fischer und denkt dabei an Strafen und Undiszipliniertheiten. Am Freitagabend thematisierte Fischer das Eröffnungsspiel nochmals vor der Mannschaft und appellierte an eine disziplinierte Spielweise.

Die Schweizer meldeten beim internationalen Verband IIHF vorerst das Minimum von 18 Akteuren (drei Torhüter) an. In die Partie gegen Italien werden die Schweizer aber am Samstagmittag mit 20 Feldspielern steigen.

Fragezeichen ranken sich um den Zuger Verteidiger Raphael Diaz, der Anfang Woche krank war und erst am Donnerstag dem Team in die Slowakei nachreiste. Sein Einsatz gegen Italien ist noch nicht gesichert. Sven Andrighetto, der am Sonntag in der Slowakei eintrifft, wird erst am Dienstag erstmals eingesetzt.