Tennis
Er ist wieder da: Rafael Nadal und der lange Leidensweg zurück auf die grosse Bühne

Nach Roger Federer schafft es ein weiterer Tennis-Oldie ins Final der Australian Open. Rafael Nadal ist wieder an der Spitze angekommen. Der Weg war aber lang und hart. Eine Phase der Erfolgslosigkeit und Verletzungen liegt hinter Nadal.

Petra Philippsen, Melbourne
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Erleichterung, Fassungslosigkeit, Freude. Nadal schafft den Einzug ins Final der Australian Open.

Erleichterung, Fassungslosigkeit, Freude. Nadal schafft den Einzug ins Final der Australian Open.

Keystone

Im vergangenen Mai war Rafael Nadal am Tiefpunkt angekommen. Er hatte im Pressekonferenzsaal von Roland Garros gesessen, das linke Handgelenk in eine Manschette verpackt. Nadal musste aufgeben, noch vor der dritten Runde. Aus der Traum von der zehnten Trophäe, und das bei seinem Turnier. «Das war ein ganz schwerer Moment für mich», sagt Nadal später.

Auf der Rückfahrt ins Hotel weint er. Wie oft schon hatten ihn Verletzungen in seiner Karriere ausgebremst? Er konnte es nicht mehr zählen. Und die Zeit arbeitete gnadenlos gegen ihn, mit inzwischen 30 Jahren. Auf Wimbledon musste er verzichten, danach quälte sich Nadal bei den Spielen in Rio über die Runden und zu olympischem Gold im Doppel. Das schien ihm die Tortur am Ende wert.

Bei den US Open sah es so aus, als habe Nadal das Schlimmste überstanden. Er erreichte immerhin das Achtelfinale. Doch danach ging nichts mehr. «Meine Hand war nicht mehr dieselbe», sagte Nadal: «Ich musste die Saison abbrechen, das war keine leichte Entscheidung.» Nadal zog sich zuhause zurück, in Manacor. Und er wusste, dass er etwas ändern musste.

Dabei mag er Veränderungen nicht sonderlich. Sein Handgelenk würde wieder heilen, das sagte man ihm. Aber würde auch sein Spiel wieder genesen? Schliesslich hatte Nadal seit Paris 2014 keinen Grand-Slam-Titel mehr gewonnen. All diese Gedanken an die vergangenen Monate schwirrten Nadal gestern Abend durch den Kopf, in dem Moment, als er nach fast fünf Stunden Spielzeit Grigor Dimitrov mit 6:3, 5:7, 7:6, 6:7 und 6:4 niedergerungen hatte und bäuchlings auf den Boden sank.

Der entscheidende Schub

Der Final bei den Australian Open. Nie hätte er daran geglaubt, dass er den erreichen könnte. Nicht nach diesen letzten Monaten. In seiner Box lagen sie sich in den Armen, sein Trainer Onkel Toni, sein Vater, seine Freundin – und Carlos Moya.

Und vielleicht war es gerade diese kleine, für Nadal jedoch sehr grosse Veränderung, die den entscheidenden Schub auf den Weg gebracht hatte. Seinen Mentor und engen Freund Moya als zusätzlichen Trainer und Ratgeber in sein Team zu holen, scheint auf Anhieb gefruchtet zu haben. «Ich bin eine zusätzliche Stimme, ohne dass sich gleich seine ganze Welt um ihn herum ändert», sagte Moya.

Australian Open 2017: Halbfinals
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Musste sich im Halbfinal gegen Nadal nach fast fünf Stunden geschlagen geben: Der Bulgare Grigor Dimitrov.
Im dritten Satz gelang Rafa zwar das Break, er kassierte aber postwendend das Rebreak
Der hart umkämpfte zweite Satz gingt an den Bulgaren Grigor Dimitrov.
Rafael Nadal gab sich im ersten Satz gegen Grigor Dimitrov keine Blösse.
Der Spanier gewann den ersten Durchgang mit 6:3
Dimitrov wusste gar nicht, wie ihm geschieht. Rafa spielte aber auch wie von einem anderen Stern.
Nadal holte sich das frühe Break zum 3:1 im ersten Satz
Rafael Nadal kämpft am Freitagmorgen gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov um den Finaleinzug.
Roger Federer kommt zurück und steht in seinem 28. Grand-Slam-Final. In Australien gewann er bisher viermal, zuletzt 2010.
Roger Federer beim Platzinterview: «Ich hatte die ganze Woche Beinprobleme. Normalerweise nehme ich nie Medical Time-outs. Aber ich dachte: Stan nahm seines, ich nehme meines auch.»
Stan Wawrinka «verschenkte» den letzten Satz.
Das eine Break reichte: Federer beendet die Partie mit dem ersten von drei Matchbällen.
Wawrinka hat beim Stand von 3:2 einen Totalausfall und wird gebreakt.
Es läuft zu Beginn nicht ganz nach seinem Geschmack, aber Roger Federer legt im fünften Satz 3:2 vor.
Der fünfte Satz ist von Beginn weg hart umkämpft.
Wawrinka reicht ein Break und schafft den Satzausgleich.
Beim Stand von 4:4 gibt Roger sein Aufschlagspiel ab.
Federer bringt sein Aufschlagsspiel zum 2:1 nach drei Breaks in Serie wieder durch – und dies souverän.
Dann rappelt sich der Maestro auf und antwortet mit dem sofortigen Rebreak
Roger Federer ist auch zu Beginn des vierten Satzes komplett von der Rolle.
Stan breakt Roger auch zum Auftakt des vierten Satzes.
Wawrinka holt sich den dritten Satz im Eiltempo mit 6:1
Federer scheint geistig in der Kabine geblieben zu sein – es passte nichts mehr, vor allem auf der Vorhand.
Vor dem dritten Satz nimmt Wawrinka ein Medical Timout.
Tränen unter dem Tuch.
Unter Tränen verlässt Stan den Court.
Wenig später kommt er mit einer Bandage unter dem rechten Knie wieder aus der Kabine.
Federer holt sich das Break zum 4:2 und bringt danach auch den zweiten Satz mit 6:3 nach Hause.
Wawrinka lässt derweil sein Racket sprechen...
und schmettert es zu Boden.
Hier spricht der Furst.
Der erste Satz war ein Kampf auf Augenhöhe.
Federer holt sich den ersten Satz mi 7:5.
Wawrinka spielt nach 50 Minuten eine Vorhand ins Netz und...
... gibt damit den Startsatz ab.
Schenken sich nichts im ersten Satz: Roger Federer und Stan Wawrinka.
Die beiden Schweizer zeigen grossartiges Tennis in der Rod Laver Arena.
Noch kein Break zwischen Federer und Wawrinka im ersten Satz beim Stand von 5:5.
Nach Roger kommt auch Stan zu zwei Breakbällen, ...
... aber auch Roger kann diese abwehren und legt zum 3:2 vor.
Bei Wawrinkas zweitem Aufschlagspiel vergibt Federer drei Breakbälle.
Wawrinka erkämpft sich sein zweites Aufschlagspiel...
...und gleicht im ersten Satz zum 2:2 aus.
Ausgeglichener Start: Federer und Wawrinka gewinnen ihre Aufschlagspiel zum Auftakt ungefährdet.
Stan Wawrinka und Roger Federer: Welcher Schweizer zieht in den Final der Australian Open 2017 ein?

Australian Open 2017: Halbfinals

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Schon seit Nadals ersten Schritten im Profitennis ist der inzwischen 40-jährige Mallorquiner in seinem Leben präsent. «Für mich ist Rafa einer der mental stärksten Sportler der Welt», schwärmt Moya, «dieser absolute Siegeswille, diese Art, den Druck auszuhalten: Michael Jordan hat das, Tiger Woods hat das und Rafa hat das. Im Tiebreak, im entscheidenden Satz – ich würde immer auf ihn setzen.»

In diesem Halbfinal, im Flutlicht der Rod-Laver-Arena, da hatte Nadal genau diese Qualitäten wieder gezeigt. Er hatte sich gestemmt gegen das Aus, mit dem letzten Tropfen, den er noch im Tank hatte. In diesem Thriller blieb er im letzten Moment cool. Moya war schon vom Teenager Nadal beeindruckt, doch dieses Comeback war die Krönung. «Es ist unglaublich, wie er es immer wieder schafft, sich nach Verletzungen noch stärker zurückzumelden», staunt Moya, und er glaubt, Nadals Stärke sei, seine Gefühle und Schwächen offen zu zeigen.

«Das macht ihn noch stärker», sagt Moya, «und weil er weiss, dass es wichtigere Dinge im Leben als Tennis gibt.» Manchmal vergesse Nadal das jedoch, wenn er auf dem Platz steht und das Adrenalin rauscht. Da ist er dann oft zu hart zu sich selbst, dann will er es erzwingen. Moyas Ratschläge scheinen anzukommen, Nadal hört auf ihn. Das hat er schon immer getan. Moya ist einer seiner engsten Vertrauten, und Vertrauen brauchte Nadal am dringendsten in den vergangenen Monaten der Verunsicherung. Auch diese Verletzung hat Nadal überstanden, sich ein Stück weit wieder selbst neu erfunden. Und so geht es in die nächste Runde, das Duell um den besten Spieler ihrer Generation.

Rafael Nadal liegt nach fünf Stunden Tennis am Boden. Die Mühe hat sich aber gelohnt. Der Spanier steht im Final.
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Das Final heisst: Roger Federer vs. Rafael Nadal.
Der Bulgare Grigor Dimitrov scheidet aus dem Halbfinal der Australian Open aus.
Ein enttäuschter Stan Wawrinka gratuliert Federer zum Sieg.
Roger Federer gewinnt das Duell gegen Stan Wawrinka und zieht in das Final der Australian Open ein.
Nach Venus Williams qualifiziert sich auch ihre Schwester Serena (im Bild) für das Halbfinal der Australian Open und macht somit das Schwesternduell perfekt.
Rafael Nadal kann es selber noch nicht fassen: Der 30-jähriger Spanier steht im Halbfinal der Australian Open.
Das Tippen mit dem Zeigefinger an die Schläfte ist eine typische Pose Wawrinkas: «Es spielt sich alles im Kopf ab.»
Federer zeigt in der Partie gegen den Deutschen Mischa Zverev Entschlossenheit.
Was sieht er dort? Der 29-jährige Zverev nach der Niederlage gegen Federer.
Einmal rundherum: Federer und sein Schläger.
Nein, es gereicht: Rafael Nadal ist im Viertefinal der Australian Open.
Achtung verdrehter Fuss: Nadals Gegner Gael Monfils ist äusserst beweglich.
Nadal ist zurück: Der verletzungsgeplagte Spanier jubelt, als hätte er das Turnier schon gewonnen.
Auch Federer jubelt ausgelassen nach seinem Sieg über Kei Nishikori.
Nishikori wirft das Handtuch: Der Japaner unterliegt Federer nach fünf Sätzen.
Ein Heiligenschein?
Sie hat die Haare schön: Serena Williams steht im Viertelfinal des Australian Opens.
Andy Murray zeigt die Zähne. Der Brite scheidet gegen den Deutschen Alexander Zverev aus.
Der hohe Materialverschliess von Zverev hat sich gelohnt.
Die Weltranglistenerste Angelique Kerber verliert gegen die Amerikanerin Coco Vandeweghe.
Stan Wawrinka im Match gegen Andreas Seppi.
Tennischläger-Verpackung mit Ansage.
Die Balljungen- und Mädchen trocknen mit vereinten Kräften den Tennisplatz.
Trotz grossem Kampf musste Timea Bacsinszky sich der Australierin Daria Gavrilova mit 6:3, 5:7, 6:4 geschlagen geben.
Milos Raonic während der Partie in der 3. Runde gegen Gilles Simon, die er mit 6:2, 7:6, 3:6, 6:3 gewinnen konnte.
Blick über die Sportanlage bei Sonnenuntergang.
Schattenspiel in Melbourne.
Roger Federer schlägt auf.
Von Federers Verletzung ist nichts mehr zu spüren.
Roger Federer am Return.
Der Maestro spürt den Erwartungsdruck in Melbourne.
Denis Istomins lässt seinen Emotionen freien Lauf nach dem überraschenden Sieg gegen Novak Djokovic.
Auf der anderen Seite des Gefühlsspekrtums: Der gescheiterte Favorit Djokovic.
Hohe Körperspannung: Stan Wawrinka gibt vollen Einsatz.
Wawrinkas Schatten.
«Stan the man» ist hochkonzentriert.
Sogar Ritter gibt es in Melbourne: Zwei Briten unterstützen Andy Murray.
Timea Bacsinszky freut sich über den Punktgewinn.
Belinda Bencic streckt sich, um Serena Williams Schlag zu erwischen.
Stefanie Vögele fixiert den Ball.
Viktorija Golubic schlägt auf.

Rafael Nadal liegt nach fünf Stunden Tennis am Boden. Die Mühe hat sich aber gelohnt. Der Spanier steht im Final.

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