Am 22. Juni 1996 passiert Historisches: England gewinnt den Viertelfinal der Heim-EM gegen Spanien mit 4:2 nach Elfmeterschiessen. Historisch erstens, weil Englands erster Sieg in einem K.o.-Duell bei einer Europameisterschaft auch der vorerst letzte bleibt und zweitens, weil es das einzige Penaltyschiessen überhaupt ist, welches das Mutterland des Fussballs für sich entscheiden kann.

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Ginge es nach den Engländern, hätte das Psychoduell vom Punkt längst abgeschafft werden müssen. Insgesamt unfassbare sechs Mal (1990, 1996, 1998, 2004, 2006, 2012) scheiterten die Mannen von der Insel in den letzten 26 Jahren im Elfmeterschiessen. Die Elfer-Ausscheid-Quote beträgt in diesem Zeitraum 55%. Die beispielslose Erfolgslosigkeit an grossen Turnieren, die mit dem Vorrundenaus bei der WM in Brasilien gipfelte, soll in Frankreich endlich beendet werden.

Enttäuschte Engländer nach dem Vorrunden-Aus an der WM 2014.

Enttäuschte Engländer nach dem Vorrunden-Aus an der WM 2014.

Eine junge, hungrige Truppe will den Fluch der Vergangenheit endlich abschütteln und England zurück in Europas Elite katapultieren. Die alten Eisen Terry, Lampard und Gerard sucht man in Roy Hodgsons EM-Aufgebot vergeblich. Stattdessen heissen die neuen Hoffnungsträger nun Dele Alli, Harry Kane (beide Tottenham), Raheem Sterling (Manchester City), Jamie Vardy (Leicester) oder Marcus Rashford (Manchester United). Sie werden in Frankreich von Captain und Rekordtorschütze (51 Länderspieltreffer) Wayne Rooney angeführt.

Er ist der Shootingstar der Saison: Manchester Uniteds 18-jähriger Stürmer Marcus Rashford

Er ist der Shootingstar der Saison: Manchester Uniteds 18-jähriger Stürmer Marcus Rashford

Die jungen Wilden waren bei den ersten Penalyty-Pleiten noch gar nicht geboren und gehen völlig unverbraucht an die Sache ran. Der 18-jährige Shootingstar Rashford benötigte bei seinem Nationalelfdebüt für die Three Lions am vergangenen Wochenende beispielsweise nur drei Minuten, ehe seinen ersten Länderspieltreffer erzielte.

Englands Nationalcoach Roy Hodgson gartuliert Dele Alli nach dem 3:2 gegen Deutschland.

Englands Nationalcoach Roy Hodgson gartuliert Dele Alli nach dem 3:2 gegen Deutschland.

Auch die Ergebnisse der makellosen Qualifikation stimmen zuversichtlich. Die Power der Engländer - zehn Siege in zehn Quali-Spielen -  bekamen unlängst auch die Schweizer zu spüren, die sich in beiden Quali-Duellen mit 0:2 geschlagen geben mussten. Auch die Siege in den Freundschaftsspielen gegen Frankreich und Deutschland im März sorgen dafür, dass England seit lange wieder einmal zum Kreis der EM-Favoriten gehört.

In einer Gruppe mit Russland, Wales und der Slowakei ist das Weiterkommen Pflicht. Und dadurch, dass zum ersten Mal bei einer EM auch ein Achtelfinal gespielt wird, steigen die Chancen, dass England in Frankreich zum zweiten Mal ein K.o.-Duell an einer EM gewinnen kann. Und dabei soll es nicht bleiben.

England trifft in Gruppe B auf Russland, Wales und die Slowakei.

England trifft in Gruppe B auf Russland, Wales und die Slowakei.