Eishockey

Endlich wieder Taktik statt Folklore – Nationaltrainer Patrick Fischer besinnt sich beim Deutschland-Cup auf das Erbe Ralph Kruegers

Patrick Fischer nimmt das bestmögliche Aufgebot mit an den Deutschland-Cup.

Patrick Fischer nimmt das bestmögliche Aufgebot mit an den Deutschland-Cup.

Am Freitag beginnt für die Schweizer Eishockeynati der Deutschland-Cup mit der Partie gegen Kanada. Erstmals unter Patrick Fischer reisen die Schweizer mit dem bestmöglichen Aufgebot dorthin.

Unter Ralph Krueger (1997 bis Olympia 2010) machte jedes Länderspiel-Aufgebot Sinn. Er war ein Nationaltrainer, der das Eishockey in alle Einzelteile zerlegte und wieder zusammenfügte. So war jedes Einzelteil ein ganz besonderer Spielertyp.

Bei jedem Aufgebot testete er für jede Position verschiedene Spieler – bis er den richtigen Kandidaten gefunden hatte. Wenn er schliesslich zur WM reiste, hatte er jede Position richtig besetzt. Er musste für die WM nur noch die NHL-Profis ins Team einbauen. So ist die Schweiz ab 1998 wieder in die Weltklasse zurückgekehrt und unsere «Nati» war taktisch die beste der Welt.

Unter Ralph Krueger ging es mit der Schweizer Eishockey-Nati stets nach oben.

Unter Ralph Krueger ging es mit der Schweizer Eishockey-Nati stets nach oben.

Ralph Kruegers Nachfolger Sean Simpson (ab WM 2010) war auch ein guter Taktiker. Aber nicht mehr ganz so auf Detailarbeit versessen, nicht mehr so kompromisslos im Durchsetzen
seiner Forderungen gegenüber den Klubs und mehr Opportunist als Rebell. Seit dem WM-Finale von 2013 ist diese akribische taktische Arbeit vernachlässigt und unter Simpsons Nachfolger Glen Hanlon und Patrick Fischer gänzlich aufgegeben worden.

Die taktische Kultur ging verloren

Deshalb reiste die Nationalmannschaft zuletzt bloss noch mit einem «Larifari-Team» zum Deutschland-Cup. Mit einem konzeptlosen Aufgebot. Als seien die Plätze verlost worden. Eine Berufung in die Nationalmannschaft zwischen November und dem Beginn der WM-Vorbereitung hatte ihren Wert verloren.

Bereits Sean Simpson berücksichtigte bei den Aufgeboten immer mehr die Sonderwünsche der Klubs, und unter Glen Hanlon und Patrick Fischer sind die November-, Dezember- und Februartermine zur Folklore verkommen. Wir haben «Operetten-Nationalspieler» produziert.

Die logische Folge: Ralph Kruegers Erbe, diese hochentwickelte taktische Kultur, ist verloren gegangen. Zuletzt hat unsere Nationalmannschaft bei der WM 2016 nur noch «Pausenplatz-Hockey» gespielt und die Viertelfinals verpasst. Kein anderer WM-Finalist ist je so schnell so tief gefallen wie die Schweiz.

Diese verhängnisvolle Entwicklung soll nun gestoppt werden. Erstmals seit der «Ära Krueger» reisen die Schweizer mit dem bestmöglichen Aufgebot zur traditionellen Nationalmannschaft-Saisoneröffnung nach Deutschland – die Nordamerika-Profis ausgenommen.

Patrick Fischer betonte bei seiner offiziellen Präsentation am letzten Dienstag, Kompromisse gebe es nur mit den Stars aus den in der Champions Hockey League engagierten Teams. Sie reisten erst am Mittwoch, einen Tag nach den übrigen Spielern, nach Augsburg und bestreiten dort lediglich zwei der drei Partien.

Fischer während der Pressekonferenz.

Fischer während der Pressekonferenz.

Die Besten sollen spielen

Wer jetzt fit ist, in der Liga sein bestes Hockey spielt und trotzdem kein Aufgebot bekommen hat, wird also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch bei der WM in Paris nicht dabei sein. Auch beim Heimturnier im Dezember (in Biel) will Patrick Fischer wieder mit der bestmöglichen Mannschaft antreten.

Nur bei den Februar-Länderspielen in der Slowakei ist ein «U23-Team» vorgesehen. Der Nationaltrainer sagt, es sei denkbar, dass die Besten aus dem U20-WM-Team bereits eine Chance erhalten werden.

Und nun also erst einmal der Deutschland-Cup in Augsburg mit den Partien gegen Kanada (Freitag, 16.00 Uhr), Deutschland (Samstag, 19.30 Uhr) und die Slowakei (Sonntag, 13.00 Uhr). Niemand wird im Frühjahr nach der WM 2017 in Paris noch an den Deutschland-Cup 2016 denken. Aber wir werden bereits bei diesem Turnier sehen, ob die Schweizer immer noch «Pausenplatz-Hockey» spielen oder ob bereits die taktische Handschrift von Patrick Fischers neuem Assistenten, dem defensiven schwedischen Hexenmeister Tommy Albelin, zu sehen ist.

Die Langnauer haben unter Scott Beattie ja auch «Pausenplatz-Hockey» gespielt, und nach der Entlassung des Kanadiers war die taktische Handschrift des defensiven Magiers Heinz Ehlers bereits im zweiten Spiel zu sehen. Das Ziel der Schweizer muss also sein, ab dem zweiten Spiel in Augsburg taktisch einen guten Eindruck zu machen und mindestens zwei der drei Partien zu gewinnen.

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