Der Tempel heisst «Hall of Fame». Ruhmeshalle. In Nordamerika leistet sich jede Sportart, die etwas auf sich hält, eine «Hall of Fame».

Einer der ganz grossen Unterschiede zwischen dem nordamerikanischen und helvetischen Sport ist der Respekt vor der eigenen Geschichte. Nur wer weiss, woher er kommt und was er eigentlich ist, kann auch in der Gegenwart selbstsicher auftreten. Je ernster ein Sport seine Vergangenheit und seine alten Helden nimmt, desto mächtiger und wichtiger wird ein Sport.

In der Schweiz gibt es solche Tempel bisher noch nicht. Es gibt keine mit Nordamerika vergleichbare Pflege der Hockeykultur, der eigenen Vergangenheit, der eigenen Wichtigkeit. Nun sagt Verbands-Kommunikationsgeneral Janos Kick: «Wir sind in der Geschäftsleitung zurzeit an der Evaluationsphase und werden das Ding bis WM 2020 zum Fliegen bringen.»

Grosse Worte unspektakulär ausgesprochen. Der Beschluss, im Hinblick auf die WM 2020 eine solche «Hall of Fame» für unser Hockey zu schaffen, ist wichtig und richtig. Und er wird uns grosse Unterhaltung bescheren. Weil es so viele Kompromisse braucht, so viele Eitelkeiten zu befriedigen sind und schliesslich auch noch viel Geld ausgegeben werden muss. Oder sollte.

Die unterhaltsamsten Diskussionen wird es um mehrere Punkte geben.

1. Der Standort

Eigentlich dürfte es zu diesem Thema gar keine Diskussion, sondern nur einen raschen Beschluss des Verbands-Verwaltungsrates geben.

Klar ist: Bern ist der einzige Ort, der einer «Hall of Fame» würdig ist und als Standort dieser Hockey-Ruhmeshalle in Frage kommen darf. Warum nicht auf dem Gelände des SCB-Hockeytempels?

Bern liegt an der Kulturgrenze zwischen Welsch und Deutsch, ist verkehrstechnisch perfekt gelegen und die wichtigste Hockeystadt der Schweiz.

Kommt die Schweizer «Hall of Fame» in der Berner Arena unter?

Kommt die Schweizer «Hall of Fame» in der Berner Arena unter?

2. Die Geehrten

Kommen, wie in Kanada, neben Spielern auch Funktionäre, Politiker, Manager, Schiedsrichter oder Chronisten in die «Hall of Fame»? Und werden auch Erinnerungsstücke darin verwahrt und wird eine Bibliothek eröffnet?

Klar ist: Wenn eine «Hall of Fame», dann richtig mit allem Drum und Dran inkl. Museum und Bibliothek nach dem Vorbild der Kanadier.

Zwingend müsste die Sammlung von Jürg Wymann in ein Museum integriert werden. Der Berner bewahrt mehr als tausend Gegenstände der Hockeygeschichte in seiner Sammlung auf.

Klar ist: Die «Hall of Fame» muss für Spieler, Funktionäre, Manager, Schiedsrichter und Chronisten offen sein. Und zwar für Frauen und Männer. Oft wird vergessen, dass wir schon vor dem Frauenstimmrecht in unserem Hockey Frauen hatten, die Geschichte schrieben – wie Jeanine Potin, die Architektin der ruhmreichen Meisterjahre des HC Villars in den 1960er Jahren.

Auch Frauen gehören in die «Hall of Fame».

Auch Frauen gehören in die «Hall of Fame».

3. Die Bestimmer

Gibt es eine Kommission, und wenn es eine Kommission gibt, wer darf darin Einsitz nehmen? Ach, wird das ein Geschacher um die Sitze in dieser Kommission!

Klar ist: Es bedarf klarer Regelungen und einer breit abgestützten Kommission. Abänderungen der Vorgaben, wie es gerade passt, wie bei den SCB-Ehrungen darf es nicht geben.

4. Die Kosten

Soll eine Liegenschaft erworben oder eine Immobilie bloss gemietet werden? Wer bezahlt für die laufenden Kosten? Sind die Klubs einverstanden, wenn der Verband von den TV-Millionen etwas für die «Hall of Fame» beiseitelegt und nicht an die Klubs weitergibt?

Klar ist: Der Wert einer «Hall of Fame» ist für unsere Hockey-Kultur von unschätzbarem Wert. Eigentlich müssten siebenstellige Beträge für den Kauf einer Liegenschaft in Bern gesprochen werden – was ja bei jährlichen Einnahmen von mehr als 30 Millionen alleine aus den TV-Verträgen möglich sein sollte.

5. Der Zeitrahmen

Nehmen wir auch Helden aus der Vergangenheit, aus den 1920er Jahren, auf wie Bibi Torriani? Oder beschränken wir uns auf die Helden der Gegenwart? Und wann beginnt diese Gegenwart?

Klar ist: Eine Aufnahme der Helden seit Anbeginn der Zeiten wie in Kanada ist ein Muss.

Das Erfolgsgeheimnis unseres Landes ist die Kunst, einen Kompromiss zu finden. Wenn wir aber bei der Erschaffung der «Hall of Fame» zu viele Kompromisse machen, dann kommt am Ende kein Hockey-Tempel dabei heraus. Sondern ein Flickwerk.

Bis 2020 soll das Projekt «Hall of Fame» stehen. Das ist in zwei Jahren! Wenig Zeit für eine so grosse Kiste mit einer so grossen politischen Bedeutung.

Klar ist: Gelingt das Vorhaben, dann gehört dem dafür verantwortlichen Projektleiter ein Platz in der «Hall of Fame».