EM zum Saisonstart
Wie die Goldhelden von Rio: Diese Ruderboote sollen in diesem Olympiajahr für Edelmetall sorgen

An den Olympischen Spielen schickt die Schweiz gleich mehrere mögliche Medaillenboote aufs Wasser. An der Europameisterschaft in Varese möchten sie sich schon mal mit Edelmetall vertraut machen.

Raphael Gutzwiller
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Der Zyklus der Ruderer ist auf vier Jahre ausgelegt. Dann stehen die Olympischen Spielen an, das grosse Highlight. Diesmal gab es durch die Verschiebung eine Extraschlaufe. Mit den Europameisterschaften im italienischen Varese starten die Ruderer in ihr Olympiajahr. Ein Überblick über die Schweizer Ruderboote mit grösseren und kleineren Medaillenchancen.

Männer-Doppelzweier: Roman Röösli und Barnabé Delarze

Gehören zu den weltschnellsten im Doppelzweier: Barnabé Delarze und Roman Röösli.

Gehören zu den weltschnellsten im Doppelzweier: Barnabé Delarze und Roman Röösli.

Bild: EPA

Diese Mischung im Doppelzweier ist ideal: Da ist Barnabé Delarze, Waadtländer, 100 Kilogramm schwer, pure Muskelmasse. Da ist Roman Röösli, Luzerner, 84 Kilogramm schwer, physisch auch gut, aber vor allem auf dem Wasser brillant. Kein anderer Schweizer Ruderer hat so ein gutes Gefühl wie er. Die Kombinationen zwischen der Maschine Delarze und dem Techniker Röösli: Sie ist schnell.

An den letzten drei Europameisterschaften reichte es stets für eine Medaille: Zweimal für Silber, einmal für Bronze, dazu kommt noch Silber an der WM 2018. Das Ziel ist also klar: Gold. «Doch wo wir schon stehen, können wir jetzt noch nicht einschätzen», sagt Röösli. «Wir wissen aber, dass wir auf dem Ergometer unsere Bestwerte verbessern konnten. Physisch sind wir nochmals besser, wir sind auf einem guten Weg.» Klar ist bei den Medaillenkandidaten auch: Die EM ist das Vorgeplänkel. «Wir haben die ganze Trainingsplanung auf die Olympischen Spielen ausgelegt. Bis dahin möchten wir aber so viel wie möglich gewinnen», so Röösli.

Frauen-Skiff: Jeannine Gmelin

Ist nach dem Wintertraining guten Mutes: Jeannine Gmelin.

Ist nach dem Wintertraining guten Mutes: Jeannine Gmelin.

Bild: EPA

Jeanine Gmelin, die Skifferin, die sich vom Verband gelöst hat, blieb in diesem Winter zum ersten Mal seit zehn Jahren in der Schweiz – wegen Corona. «Es war eine Umstellung, aber ich konnte gut trainieren», sagt sie. Sie habe viel im Kanton Obwalden gerudert und stand auch auf den Langlaufskis. Auch die Zürcherin kann noch nicht ganz abschätzen, wo sie derzeit steht. «Natürlich bleibt mein Ziel der Olympiasieg. Aber es geht für mich auch darum, meine Bestleistung abzurufen», so Gmelin. Wozu reicht es an der EM? «Die EM ist ein Titelwettkampf. Doch man muss auch den Kontext sehen. Der Fokus liegt auf den Olympischen Spielen.»

Männer-Vierer ohne Steuermann: Joel Schürch, Paul Jacquot, Markus Kessler und Andrin Gulich

Der Vierer ohne Steuermann (von links): Joel Schürch, Nicolas Kamber, Paul Jacquot und Markus Kessler. Kamber, der eine Rückenverletzung hatte, wurde von Andrin Gulich ersetzt.

Der Vierer ohne Steuermann (von links): Joel Schürch, Nicolas Kamber, Paul Jacquot und Markus Kessler. Kamber, der eine Rückenverletzung hatte, wurde von Andrin Gulich ersetzt.

Jean-Michel Billy

Auch der Vierer ohne Steuermann hat die Olympiaqualifikation seit 2019 in der Tasche. Während die anderen qualifizierten Boote von Olympiagold träumen, wäre für das Mannschaftsboot bereits das A-Final ein Erfolg. Noch jung ist das Team, die Konstellation wurde in diesem Olympiazyklus mehrfach verändert. Derzeit sitzt neben Joel Schürch, Paul Jacquot und Markus Kessler neu auch Andrin Gulich im Boot. Der 22-jährige Zürcher stiess im Oktober hinzu, nachdem er einen Studienaufenthalt an der Elite-Universität in Yale in den USA absolvierte. «Andrin hat frischen Wind ins Team gebracht», erzählt Kessler. Das zusätzliche Jahr war für das junge Team wichtig. «Dadurch konnten wir konstanter werden.»

Frauen-Doppelzweier Leichtgewicht: Patricia Merz und Frédérique Rol

Patricia Merz (rechts) und die derzeit verletzte Frédérique Rol.

Patricia Merz (rechts) und die derzeit verletzte Frédérique Rol.

Bild: EPA

Mit schlechten Vorzeichen startet der leichte Doppelzweier der Frauen ins Olympiajahr. Patricia Merz und Frédérique Rol sind eigentlich auf dem Papier das drittbeste Schweizer Boot. Doch an der EM starten sie nicht. Fréderique Rol hat sich verletzt. Der Fokus ist auf die finale Olympiaqualifikationsregatta vom 15.  bis 17. Mai auf dem Luzerner Rotsee gelegt, die besonders für Leichtgewichtsboote besonders happig ist. «Im Moment versuche ich möglichst viel Fortschritte zu machen, damit wir im Sommer diese Qualifikation schaffen können», sagt Merz.

Doppelzweier Männer, Leichtgewicht: Andri Struzina und Jan Schäuble

Die beiden Innerschweizer Jan Schäuble (vorne) und Andri Struzina.

Die beiden Innerschweizer Jan Schäuble (vorne) und Andri Struzina.

Bild: Keystone

Im leichten Doppelzweier der Männer sitzen die beiden Innerschweizer Andri Struzina und Jan Schäuble. Sie sind noch weniger erfahren als ihre weiblichen Pendants Merz/Rol. Das Ziel ist aber dasselbe: Die Qualifikation für Tokio. Schäuble sagt: «Unser Saisonhöhepunkt ist die Qualifikationsregatta. Darauf freuen wir uns sehr.»

Frauen-Einer Leichtgewicht: Sofia Meakin

Silberjubel an der EM 2020: Sofia Meakin strahlt.

Silberjubel an der EM 2020: Sofia Meakin strahlt.

Bild: EPA

Sie war mit der Silbermedaille an der letzten EM die positive Überraschung: Sofia Meakin. Sie tritt im leichten Skiff, einer nicht-olympischen Disziplin, an. «Ich habe nochmals weitere Fortschritte gemacht und freue mich sehr auf die EM», sagt die 23-jährige Genferin.

Doppelvierer-Frauen

Der Doppelvierer an der EM 2020 in Poznan: Salome Ulrich, Ella Von der Schulenburg, Lisa Loetscher and Pascale Walker. Inzwischen hat sich auch die Ersatzfrau Fabienne Schweizer einen Platz gesichert.

Der Doppelvierer an der EM 2020 in Poznan: Salome Ulrich, Ella Von der Schulenburg, Lisa Loetscher and Pascale Walker. Inzwischen hat sich auch die Ersatzfrau Fabienne Schweizer einen Platz gesichert.

Bild: EPA

Als mögliche Hoffnung für die Zukunft gilt der Doppelvierer der Frauen. Neu im Boot sitzt die letztjährige Ersatzfrau Fabienne Schweizer. Daneben sind Pascale Walker, Ella von Schulenberg und Lisa Lötscher im Boot. Ziel ist, sich für die Olympischen Spielen zu qualifizieren. «Wir haben alle an uns arbeiten können und sind auf gutem Weg», so Walker.