Leichtathletik
EM-Starter Jan Hochstrasser: Das Rudeltier wird zum Platzhirsch

Morgen startet der Safenwiler Jan Hochstrasser seinen 1500m-EM-Lauf – sein Jugendtrainer erinnert sich an Hochstrassers erste Gehversuche im Sport.

Fabian Sanginés
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Will über 1500 Meter überzeugen: Der Safenwiler Jan Hochstrasser

Will über 1500 Meter überzeugen: Der Safenwiler Jan Hochstrasser

Zur Verfuegung gestellt (ZVG)

Dass Jan Hochstrasser morgen an der Leichtathletik-EM über 1500 Meter startet, grenzt an eine kleine Sensation. Denn eigentlich ist der 25-Jährige ausgewiesener Spezialist über 800 Meter. Eine Entzündung am Knie zwang Hochstrasser das Training umzustellen, worauf er die 700 Meter längere Strecke für sich entdeckte. Marco Hochuli, Juniorentrainer des EM-Teilnehmers erinnert sich an die Verletzung seines ehemaligen Schützlings: „Ich habe ihn in dieser Zeit als sehr niedergeschlagen erlebt. Das tat mir sehr leid für ihn.“

Der Jüngste und Zielstrebigste

Dass sich doch noch alles zum Guten gewendet hat, liegt nicht zuletzt an Hochstrassers positivem Naturell. „Jan war immer ein äusserst optimistischer Mensch, der die Dinge immer positiv anschauen konnte“, sagt Hochuli. Er muss es wissen, sechs Jahre lang war Hochuli Trainer von Jan Hochstrasser. Der TV-Zofingen-Trainer erinnert sich: „Im Jahr 2001 kam Jan mit seiner Safenwiler-Clique, der auch sein älterer Bruder angehörte, das erste Mal zu uns nach Zofingen. Er war der Jüngste, aber auch der Zielstrebigste der Gruppe.“ Schon da war Hochstrassers Potenzial zu sehen – doch sein grösstes Merkmal war die Akribie. „Jan wusste die Zeiten und Bestwerte aller seiner Konkurrenten auswendig und wollte unbedingt besser sein“, sagt Hochuli und lacht. Wie es für Leichtathleten üblich ist, hat sich Hochstrasser mit 17 Jahren, also im 2005, für seine Disziplin entschieden – die Mittelstrecke. „Da er der einzige Mittelstrecken-Läufer hier in Zofingen war, musste uns Jan leider in Richtung BTV Aarau verlassen“, blickt Hochuli etwas wehmütig zurück.

Die Wurzeln nie vergessen

Für den ehemaligen Sprinter war Hochstrassers Zeit in Zofingen aber nicht nur eine Findungsphase: „Ich bin froh, konnte ich ihm meine Erfahrung im Sprint weitergeben. Das ist für die Mittelstrecke ein guter Aufbau und kann auf den letzten Metern entscheidend sein.“ Auch der EM-Teilnehmer hat nicht vergessen, wo er herkommt. „Jan besucht uns noch heute regelmässig auf der Trinermatten, trainiert manchmal auch da“, sagt Hochuli nicht ohne Stolz.

Hochuli wird morgen im Letzigrund sitzen und seinen ehemaligen Schützling anfeuern. Schliesslich war er dabei, als Hochstrasser den Grundstein dafür legte, als erster Schweizer seit 10 Jahren 1500 Meter unter 3:40 Minuten zurückzulegen. Die Clique von früher ist nach wie vor zusammengeblieben, aber Jan Hochstrasser hat sich zum Schweizer Platzhirschen über 1500 Meter gemausert. Hochuli, der ihm immer eine EM-Qualifikation zugetraut hat meint dazu: „Keiner hat das mehr verdient und härter dafür gearbeitet als Jan.“