EM-Qualifikation
Wie bitter! Die Schweizer belohnen sich nicht für eine heroische Leistung gegen die Handball-Supermacht Dänemark

Die Schweizer Handballer führen gegen den amtierenden Weltmeister und Olympiasieger phasenweise mit fünf Toren Vorsprung - verlieren aber trotz zwölf Toren von Andy Schmid mit 29:30.

François Schmid-Bechtel
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12 Tore gegen Weltmeister Dänemark: Andy Schmid ist einmal mehr der beste Akteur auf der Platte

12 Tore gegen Weltmeister Dänemark: Andy Schmid ist einmal mehr der beste Akteur auf der Platte

Marc Schumacher / freshfocus

Vielleicht sind es die besten 20 Minuten einer Schweizer Handball-Nationalmannschaft seit Jahrzehnten, die wir am Mittwoch gesehen haben. Ausnahmekönner Andy Schmid sagt: «Wir waren deutlich besser. Aber wir haben zur Pause zu knapp geführt.» 17:14 liegt die Schweiz vorne. Nicht gegen irgendeine Mannschaft. Nein. Gegen Dänemark. Eine Handball-Supermacht. Amtierender Olympiasieger und Weltmeister.

Es ist in der Tat berauschend, wie die Schweizer in dieses zweitletzte EM-Qualifikationsspiel steigen. Hohes Tempo, grosser Spielwitz, variable Angriffe, eine perfekt funktionierende Defensive. Da ist kein zaudern auszumachen. Dafür ist in jeder Situation der absolute Wille erkennbar, diesen Abend in einen unvergesslichen Abend zu verwandeln.

Ja, wir sehen selbst Dinge, die wir selten zu sehen bekommen von diesem Team. Beispielsweise schnelle Gegenstoss-Tore, was keine Schweizer Kernkompetenz ist. Alles scheint zu funktionieren. Alles greift ineinander. Das Team von Michael Suter agiert auf allerhöchstem Niveau.

Phänomenal: Der Schweizer Torhüter Nikola Portner wehrt sieben der ersten 14 Abschlüsse ab.

Phänomenal: Der Schweizer Torhüter Nikola Portner wehrt sieben der ersten 14 Abschlüsse ab.

Marc Schumacher / freshfocus

Allen voran Torhüter Nikola Portner, der sieben der ersten 14 Abschlüsse pariert. Und natürlich Andy Schmid, der bis zur Pause acht Tore erzielt. Aber auch ein Nicolas Raemy, an der WM nicht immer überzeugend, beeindruckt mit Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen. Es scheint, als sei die Schweiz selbst für den Weltmeister von 2019 und 2021 eine Nummer zu gross.

Dänemark ohne Trainer und ohne seine Welthandballer

Dänemark reist zwar ohne seinen Trainer Nikolaj Jacobsen (Knieoperation) und ohne seine hochdekorierten Top-Stars Mikkel Hansen und Niklas Landin in die Schweiz. Aber sie treten nicht mit der Absicht in Winterthur an, der Schweiz zwei Punkte zu schenken. «Bei Dänemark können zehn Spieler fehlen und die sind immer noch Weltklasse», sagte Trainer Suter vor dem Spiel. Und er bekommt recht.

Dänemark wechselt den Torhüter, forciert die Routiniers Morten Olsen und Mads Mensah und die Schweiz bekundet zusehends Probleme. Einerseits, weil Portner nicht mehr alles hält, was er halten kann. Andererseits, weil Schmid im Angriff immer weniger Unterstützung erhält. In der 47. Minute gehen die Dänen durch Magnus Landin erstmals in Führung (23:22).

Die Schweizer wanken, aber sie fallen. Es spricht einmal mehr für die herausragende Mentalität diese Teams, wie es sich gegen die Widrigkeiten auflehnt, wie es wegen der eigenen Unzulänglichkeiten, die vermehrt auftreten, nicht verzagt und wie es ob der Effizienz des Gegners nicht resigniert. Es ist die Phase, in der die Schweiz nicht nur gegen Dänemark, sondern auch gegen sich selbst kämpft. Und diesen Kampf gewinnt sie.

Schmid: «Ich spüre, dass die Mannschaft langsam ungeduldig wird»

«Natürlich könnten wir uns jetzt in den Armen liegen und uns einmal mehr für eine mega Leistung feiern», sagt Andy Schmid. «Oder wir können enttäuscht sein und uns ehrlich eingestehen, dass es halt noch etwas mehr braucht, um eine Mannschaft wie Dänemark zu schlagen.» Nicht nur Schmid plädiert für letztere Reaktion. Denn er sagt: «Ich spüre, dass die Mannschaft langsam ungeduldig wird, diesen letzten kleinen Schritt endlich zu realisieren.»

Klar, ein Sieg gegen Dänemark hätte die Qualifikation für die EM 2022 bedeutet. Trotz des bitteren Ausgangs gegen den Weltmeister überwiegt die Zuversicht, das EM-Ticket am Sonntag im letzten Spiel zu lösen. «Ich bin überzeugt, dass wir in Nordmazedonien erfolgreich sein werden», sagt Schmid.