EM-Kolumne
Und dann kommentiert der «Blick» beleidigt: «Was erlaubt sich dieser unbedarfte Jungjournalist einer Regionalzeitung?»

Lieber spät als nie: Ottmar Hitzfeld hat ein grosses Lob verdient. Warum? Die Geschichte der emotionalen WM 2014 der Schweizer in Brasilien klärt auf.

Etienne Wuillemin aus Rom
Etienne Wuillemin aus Rom
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Und dann gelingt es ihm, die Schweiz wieder aufzurichten: Ottmar Hitzfeld.

Und dann gelingt es ihm, die Schweiz wieder aufzurichten: Ottmar Hitzfeld.

Keystone

Nach dem 0:3 der Schweiz gegen Italien erreicht mich in Rom eine Warnung. Sie tönt dramatisch: «Bitte nicht wieder so schlecht schreiben über die Nati – du weisst, was 2014 passiert ist!»

2014? WM in Brasilien, die Nati spielt beim 2:5 gegen Frankreich in der Vorrunde katastrophal. Am Tag darauf schreibe ich einen kritischen Text über die Art, wie Ottmar Hitzfeld Fussball spielen lässt. Titel: «Fussball aus der Vergangenheit». Es sind kritische, aber passende Worte. Der «Blick» ist derart beleidigt, dass es jemand wagt, «seinen» Hitzfeld (er ist bei Ringier unter Vertrag) zu kritisieren, dass er in einem Kommentar fragt, was sich dieser «unbedarfte Jungjournalist einer Regionalzeitung» erlaube.

Und wieder ein Gegentor: Die Schweiz verliert gegen Frankreich an der WM 2014 mit 2:5. Doch die Schweiz kommt trotz der schlimmen Niederlage noch in den Achtelfinal, spielt dort heroisch gegen Argentinien.

Und wieder ein Gegentor: Die Schweiz verliert gegen Frankreich an der WM 2014 mit 2:5. Doch die Schweiz kommt trotz der schlimmen Niederlage noch in den Achtelfinal, spielt dort heroisch gegen Argentinien.

Keystone

Hitzfeld aber reagiert, wie es ein grosser Trainer eben tut: Er lässt sich von der Kritik nicht beeindrucken. Er bleibt gelassen. Er redet dem Team Mut zu. Er nimmt die Schuld auf sich. Und es gelingt ihm, Feuer und Leidenschaft zu entfachen. Die Schweiz ist gegen Honduras (letztes Gruppenspiel, 3:0) und Argentinien (Achtelfinal, 0:1 nach Verlängerung) plötzlich um Welten besser. Für diese Leistung gebührt Hitzfeld ein grosses Lob – lieber spät als nie.

Und nun, sieben Jahre später? Wiederholt sich die Geschichte? Findet die Nati nach dem 0:3 gegen Italien doch noch rechtzeitig in die Spur? Ich habe den Titel unseres EM-Chats im Büro geändert. Er heisst jetzt: «Viertelfinal».