EM-Kolumne
So Regenbogen ist die Uefa

Europas Fussballregierung hat den Plänen des Münchner Oberbürgermeisters einen Riegel geschoben. Dieser wollte die Allianz Arena für das Spiel Deutschland - Ungarn in Regenbogenfarben beleuchten.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Welch ein Regenbogen: Vor der Allianz Arena und vor dem Spiel Deutschland gegen Ungarn.

Welch ein Regenbogen: Vor der Allianz Arena und vor dem Spiel Deutschland gegen Ungarn.

Lukas Barth-Tuttas / EPA

Die Empörung war gross, als der europäische Fussballverband Uefa den Vorschlag des Münchner Oberbürgermeisters abgeschmettert hatte, die Allianz Arena in Regenbogenfarben zu beleuchten. Natürlich versteckte sich die Uefa in ihrer Begründung hinter den Statuten. Dort ist festgehalten, dass es sich um eine «politisch und religiös neutrale Organisation» handelt. Bleibt die Frage: Ist der Regenbogen tatsächlich ein politisches Statement? Oder nicht eher ein gesellschaftliches? Oder ist der Regenbogen politisch, weil ihn die ungarische Politik mit ihrer Hetze gegen Homosexuelle auf die politische Agenda gesetzt haben?

Aber da war auch noch was anderes, wo die Uefa interessanterweise beide Augen zudrückte. Und zwar beim Spiel Schweiz - Türkei in Baku. Da war an prominenter Stelle ein Transparent zu sehen mit den Flaggen der Türkei und Aserbaidschans. Dazwischen der Text: «Eine Nation zwei Staaten». Hintergrund der Verbrüderung: Die Türkei war das erste Land, das Aserbaidschan als unabhängigen Staat anerkannte. Und: Recep Tayyip Erdogan versprach seinen Brüdern im kriegerischen Konflikt mit Armenien, «mit allen Mitteln zur Seite zu stehen». Es blieb nicht bei leeren Worten Erdogans.

Nicht 2021, sondern 2016: Die Allianz Arena in Regenbogenfarben.

Nicht 2021, sondern 2016: Die Allianz Arena in Regenbogenfarben.

Tobias Hase / dpa

Zurück zum Regenbogen von München. Einerseits gibt sich die Uefa mit ihrer willkürlichen scheinenden Einschätzung, was denn politisch ist und was nicht, ein Stück weit der Lächerlichkeit preis. Andererseits hat das Verbot dazu geführt, dass die Geschichte viel grössere Dimensionen angenommen hat, als wenn das Münchner Stadion regenbogenfarben geleuchtet hätte.

Aber vielleicht unterschätzen wir die Uefa auch. Vielleicht wollte man eben bezwecken, dass die Geschichte durch ein Verbot riesig wird, dem Regenbogen eine grössere Publizität beschert. Etwas, dass die Uefa mit ihren Kampagnen wie «Respect» oder «Sign for an Equal Game» nicht schafft. Aber trotzdem ist immer noch unklar, ob der Regenbogen nun politisch ist oder nicht.