EM-Kolumne
Liebe Uefa, erlöse uns von dieser Rechnerei: Wir hätten da eine Alternative, die allen gefällt

Das mit den vier Gruppendritten, die an der EM doch noch ins Achtelfinale dürfen, ist ein Ärgernis. Höchste Zeit für eine Modusänderung. Sportredaktor Jakob Weber hat einen Vorschlag, an dem auch die geldgierige Uefa nichts zu mäkeln hätte.

Jakob Weber
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Granit Xhaka nervt sich hier über ein hartes Einsteigen des Gegners. Die Fussballfans in Europa nerven sich über den EM-Modus, bei dem vier von sechs Gruppendritten ins Achtelfinale kommen.

Granit Xhaka nervt sich hier über ein hartes Einsteigen des Gegners. Die Fussballfans in Europa nerven sich über den EM-Modus, bei dem vier von sechs Gruppendritten ins Achtelfinale kommen.

Jean-Christophe Bott / EPA

Ich habe mit Fussballtabellen das Lesen gelernt und kurz darauf auch das Rechnen. Den Samstagnachmittag habe ich damit verbracht, Bundesligakonferenz im Radio zu hören und nach jedem Tor die aktuelle Blitztabelle zu berechnen und aufzuschreiben.

Auch heute noch rechne ich gerne vor, was passieren muss, damit etwas Bestimmtes eintrifft. Meinen Amateurfussballkollegen erkläre ich, was in den drei Nachholspielen der Konkurrenz alles falsch laufen muss, damit wir am letzten Spieltag doch noch unter den Strich rutschen könnten. Und auch nach dem Schweizer Spiel gegen die Türkei richte ich zuerst den Blick auf die Tabellen der anderen Gruppen und lese meinen Sofa-Kumpanen die Szenarien vor, von denen zwei nicht eintreffen dürfen, damit die Schweiz mit vier Punkten weiterkommt.

Doch obwohl ich mich gerne mit Daten aller Art beschäftige, kann ich mich mit dem Gerechne an der EM nicht anfreunden. Es ist ein Nachteil für die früher Spielenden und darum nicht im Sinne des Sports. Ausserdem will ich an einem grossen Turnier vorausblicken und mich auf mögliche Gegner freuen. Wie im Tennis, der Fussball-WM oder früher an der EM, bevor die Uefa die Veranstaltung von 16 auf 24 Teams erweitert hat. Aber wenn sich wie seit 2016 vier von sechs Gruppendritten qualifizieren, dann ist das selbst für mich viel zu viel Konjunktiv dabei.

Warum nicht gleich eine EM mit allen 55 Mitgliederverbänden?

Der Uefa geht es bekanntlich um Geld, darum hat sie das Teilnehmerfeld aufgeblasen. Mehr Spiele, mehr TV-Geld, mehr Merchandise und so weiter. Da frage ich mich: Warum nicht gleich eine EM mit allen 55 Mitgliederverbänden? Auch hier scheint es mit dem Modus kompliziert, doch es gibt eine Lösung, die von Beginn an Spannung verspricht:

Der Gastgeber und die acht Viertelfinalisten der letzten EM haben in der ersten Runde ein Freilos. Die anderen 46 Uefa-Verbände spielen ein Playoff mit – je nach Weltranglistenplatzierung – gesetzten und ungesetzten Teams. Einmal David gegen Goliath für alle quasi. Anschliessend spielen die 23 Sieger und die 9 Teams, die in der ersten Runde ein Freilos hatten, eine weiteren K.o.-Runde. Durch dieses Playoff-Finale werden aus 32 Teams 16 und dann kann eine traditionelle EM mit Vierergruppen, zwei Weiterkommenden und einem vorgegebenen Turnierbaum gespielt werden. Ich bin sicher, dieser Modus würde allen gefallen.

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