EM-Kolumne
Die Angst vor dem weissen Blatt - und was das mit Michelle Hunziker und Yann Sommer zu tun hat

Wir Journalisten sitzen an der EM alle im selben Boot. Oder vielleicht neben Francesco Totti? Und ist die Schweiz eine sympathische Mannschaft?

Christian Brägger
Christian Brägger
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Michelle Hunziker, die Ex-Fraun von Eros Ramazotti.

Michelle Hunziker, die Ex-Fraun von Eros Ramazotti.

Bild: Daniele Venturelli/ Getty Images Europe

Wir Journalisten sitzen in Rom, Baku oder bald Bukarest alle im selben Boot. Wir fliegen gemeinsam durch die Tage und Nächte, steigen in denselben Hotels ab, sehen uns am Frühstücksbuffet. Wir erleben in der Mixed Zone die gleichen Gesichter, bearbeiten dieselben Geschichten und sind stets auf der Suche nach der besten. Insofern ist unsere Blase ein wenig vergleichbar mit jener der Fussballer. Im Gegensatz zu ihnen dürfen wir uns aber frei bewegen und alles tun, was wir wollen (also nicht ganz alles).

Wir können abends unserem Alltag entfliehen und versuchen, bei einem feinen Essen die kleinen und grossen Sorgen zu vergessen. Da kann es dann passieren, dass Michelle Hunziker und die Frau von Francesco Totti in Rom im selben Lokal speisen, wir aber zu gedankenverloren sind, als dass wir das Duo erspähten.

Es kann auch passieren, dass der Chef einer Anti-Terror-Einheit der italienischen Staatspolizei, der für die Sicherheit der Schweizer Nati zuständig ist, in einem Gespräch diese Dinge erzählt: Sie sei die angenehmste Mannschaft, die er je erlebt habe, ohne jegliche Allüren. Er muss es wissen, zählen Lazio Rom und bei Europacupspielen Gästeteams wie Barcelona und englische Topklubs auf seinen Bewacherinstinkt. Wir können seine Worte nachvollziehen, wenn wir an frühere Ausgaben der Nati denken oder an Lionel Messi (reist mit eigenem Sicherheitsteam), selbst wenn das manche wohl nicht gerne hören wollen.

Dennoch liegen Geschichten, die für eine Kolumne wie diese herhalten, nicht immer auf der Hand. Als wären wir betriebsblind, sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Und allzu viel erleben wir dann doch nicht. In Schreibberufen geht manchmal die Angst vor dem weissen Blatt um. Nun, bei uns ist es eher der Computerbildschirm, der nach einer gewissen Zeit in den Standby-Modus fällt. Grosszügig ins Englische übersetzt entspricht das weisse Blatt einem «clean sheet» und bedeutet: kein Gegentor. Goalie Yann Sommer hatte an der EM noch keines – es wird höchste Zeit! Gut, ist der Schreibstau weg.