EM in Budapest
Seine Krankheit soll kein Hindernis sein – der Aargauer Yannick Käser startet trotz Krebsbefund an der Europameisterschaft

Der Fricktaler Schwimmer Yannick Käser startet an den Schwimm-Europameisterschaften in Budapest – trotz einer kürzlich diagnostizierten Hodenkrebserkrankung. Er sagt, dass er seinen Fokus nach anfänglichen Schwierigkeiten gefunden habe.

Leandro De Mori
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Yannick Käser startet an den Europameisterschaften in Budapest.

Yannick Käser startet an den Europameisterschaften in Budapest.

Tamas Kovacs / EPA

«Manchmal erkennen wir, dass wir nicht über alle Ereignisse in unserem Leben Kontrolle haben.» Es waren bewegende Tage für Yannick Käser. Anfang Mai gab der 29-jährige Schwimmer auf Instagram bekannt, dass bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert wurde. Nach einer Antidoping-Urinprobe wurden auffällige Werte festgestellt. Weitere Untersuchungen ergaben dann die schockierende Nachricht des Krebsbefundes.

«Glücklicherweise ist der Tumorbefund sehr früh nachgewiesen worden, so dass meine Chancen auf eine schnelle und vollständige Genesung sehr intakt sind», sagt Käser. Trotz der schwierigen Situation hat sich der Aargauer dazu entschieden, an den Europameisterschaften in Budapest teilzunehmen. Auch, weil er sich dabei im Einzel und in der Lagen-Staffel für die olympischen Sommerspiele qualifizieren kann und sich damit die Optionen für die Zukunft offen lassen will.

Uneingeschränkt und ohne Risiken an die EM

Vor dem Turnier fühlt sich Käser körperlich und psychisch fit, um zu starten: «Am Anfang habe ich mich immer wieder vom Krebsbefund ablenken lassen, nun habe ich wieder zu meinem Fokus gefunden. Im Hinblick auf die Europameisterschaften war es mir enorm wichtig, dass ich mit dieser Belastung keine gesundheitlichen Gefahren eingehe. Ich habe alles mit meinen Ärzten abgeklärt und fühle mich bereit, um in Budapest zu starten.»

Yannick Käser (r.) mit Teamkollege Jérémy Desplanches.

Yannick Käser (r.) mit Teamkollege Jérémy Desplanches.

Patrick B. Kraemer / EPA

Reelle Chancen auf die Olympia-Teilnahme rechnet sich Käser vor allem mit der Lagen-Staffel aus: «Die Staffel hat eine hohe Priorität, weil wir vor zwei Jahren an den Weltmeisterschaften zuletzt zusammen geschwommen sind. Ich glaube aber, dass wir eine gute Chance auf die Qualifikation haben. Die Europameisterschaften sind unsere letzte Chance, uns für Olympia zu empfehlen. Diese gilt es nun unbedingt zu nutzen.»

Zielsetzung Olympia

Auch im Einzel hat sich der Aargauer zum Ziel gesetzt, sich für die Olympischen Sommerspiele zu qualifizieren. Hierbei gilt es, seine Bestzeit von 1:01,66 zu unterbieten, welche er an den Schweizer Meisterschaften vor rund einem Monat geschwommen ist.

Ob er schlussendlich an die Sommerspiele reisen kann, ist aufgrund des Krebsbefundes jedoch noch unklar: «Mit der jetzigen Situation kann ich noch nicht fest für die Zukunft planen. Mein Ziel ist es aber sicher, mich für Olympia zu qualifizieren und mir damit alle Optionen offen zu lassen.»

Zwar glaubt Käser an die mögliche Qualifikation für die olympischen Spiele, eine Medaillenchance rechnet er sich allerdings nicht aus. «In den letzten Monaten haben praktisch keine Wettkämpfe stattgefunden. Die Gegner sind allerdings sehr stark und ich kenne ihre Form nicht. Deswegen rechne ich eher nicht mit einer Medaille», erklärt Käser.

Schwierige Tage nach der Diagnose

Sobald der 29-Jährgie von den Europameisterschaften aus Budapest zurückkehrt, wird er sich der notwendigen Operation unterziehen. In den kommenden Tagen gilt sein Fokus aber voll und ganz dem Schwimmsport. «Natürlich denke ich immer wieder daran, wie meine Zukunft aussehen wird», sagt Käser.

Der Fricktaler Schwimmer brauchte ein paar Tage Zeit, um mit der neuen Situation klar zu kommen.

Der Fricktaler Schwimmer brauchte ein paar Tage Zeit, um mit der neuen Situation klar zu kommen.

Marc Fischer

«Im Sport kommt es jedoch immer wieder zu solchen Rückschlägen, sei es eine solche Diagnose oder eine Verletzung, wie zum Beispiel ein Kreuzbandriss. Das Wichtige daran ist, dass man fokussiert bleibt und seine Ziele weiterhin verfolgen kann. Ich denke, dass ich in den wichtigen Momenten stark genug dazu bin.»

Vor allem die ersten Tage nach der Diagnose waren für Käser enorm schwierig. Es dauerte ein paar Tage, bis er sich mit der Situation abgefunden hatte. Umso wichtiger war es für ihn, dass er auf sein Umfeld vertrauen konnte. «Meine Familie, meine Freundin und meine Coaches haben mich gut aufgefangen», sagt Käser.

«In den ersten Tagen habe ich mir viele Fragen gestellt, ich war sehr schockiert. Wieso trifft es genau mich? Wieso muss dieser Schicksalsschlag genau zu diesem Zeitpunkt eintreffen? Nun hat sich die Situation jedoch etwas beruhigt. Ich lebe Tag für Tag und versuche, mich nicht ablenken zu lassen. Es ist so wie es ist, ich kann die Situation nicht ändern.»