EM-Grafiken
Junge Türkei, favorisierte Schweiz: Dies sind die Zahlen und Grafiken zum entscheidenden Nati-Gruppenspiel

Heute um 18 Uhr treffen jene beiden Teams aufeinander, die in der Gruppe A bisher enttäuscht haben – sowohl was das Spielerische wie auch was die Leidenschaft angeht. Umso mehr stehen die beiden unter Druck. Wer hat im Spiel von heute Abend statistisch gesehen die besseren Karten? Folgende Zahlen geben zumindest einen Hinweis.

Ralf Streule
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Die zwei Captains: Der Schweizer Granit Xhaka und Burak Yilmaz, der einzige Ü30-Feldspieler der Türken.

Die zwei Captains: Der Schweizer Granit Xhaka und Burak Yilmaz, der einzige Ü30-Feldspieler der Türken.

Bild: Freshfocus

Schweiz gegen die Türkei: Vor der Begegnung der beiden bisherigen Enttäuschungen an der EM lassen wir einige Zahlen sprechen. Zu Alter, Marktwerten, Wettquoten und bisherigen Leistungsdaten.

Bei der Türkei fällt in der Grafik die Jugendlichkeit des Teams auf: Nur zwei Spieler sind älter als 27 Jahre. Einerseits Ersatzgoalie Mert Günok, anderseits der 35-jährige Captain Burak Yilmaz.

Tatsächlich stellt die Türkei das jüngste EM-Team. Was immer ein Segen, aber auch ein Fluch sein kann. Die Frische und Unbekümmertheit müsste da sein, die Erfahrung fehlt. Hier ist die Durchmischung bei der Schweiz etwas besser, wie die Grafik zeigt. Wobei von den vier jüngsten Schweizern erst Ruben Vargas (22) zu einem Teileinsatz gekommen ist. Becir Omeragic (19), Jordan Lotomba (22) und Eray Cömert (23) sassen stets auf der Bank.

Caglar Söyüncü im Spiel gegen Wales.

Caglar Söyüncü im Spiel gegen Wales.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

In Sachen Marktwerte hat die Türkei leicht die Nase vorn. Verteidiger Caglar Söyüncü von Leicester ist mit gegen 45 Mio. Euro der wertvollste Spieler der heutigen Begegnung. Gefolgt von Hakan Calhanoglu vom AC Milan. Der Gesamtwert des türkischen Kaders beträgt 325 Millionen Euro, jenes der Schweizer 284 Millionen - zumindest gemäss den Schätzungen der Fussballplattform transfermarkt.com.

Das Wettbüro setzt deutlich auf die Schweiz

Dennoch wird die Schweiz von Wettbüros deutlich favorisiert - auch wenn die Nati vor allem im Spiel gegen Italien schlecht aussah und einen wenig inspirierten Eindruck machte. Wer bei einem der grossen Wettanbieter auf die Schweiz setzt, erhält nur das 1,7-fache des Einsatzes zurück. Ein türkischer Sieg wäre das 4.75-fache Wert, wird also als weit weniger wahrscheinlich eingestuft.

Ein Unentschieden bringt eine Gewinnquote von 4. Ein Remis ist tatsächlich ein wenig wahrscheinliches Resultat, weil beide Teams auf Sieg spielen müssen. Die Türkei hielte sich mit einem Sieg eine minime Chance auf eine Achtelfinalqualifikation offen. Die Schweiz wäre mit einem Sieg nahe an der Qualifikation - mit einem Unentschieden aber mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschieden.

Die Vergleiche der Spiele gegen die anderen Gruppengegner

Ein statistischer Direktvergleich lässt sich am ehesten über die bisher gespielten Partien machen. Was leisteten die Teams gegen Italien und Wales? Ausser den geholten Punkten (Türkei 0, Schweiz 1) und dem Torverhältnis (Türkei 0:5, Schweiz 1:3) lassen sich hier noch andere Vergleiche ziehen:

Gegen Wales nahmen beide Teams das Heft in die Hand und brachten es auf mehr Ballbesitz, mehr Eckbälle sowie mehr Abschlussversuche als der Gegner. Hauptunterschied: Die Türken zeigten gegen Wales eine stärkere Laufleistung als die Schweizer. Was aber wohl auch damit zu tun hat, dass Wales gegen die Schweiz ebenso weniger weite Wege ging, das Spiel also insgesamt statischer war als jenes der Türken gegen Wales.

Unterschiede zeigen sich stärker in den jeweiligen Partien gegen Italien. Während hier die Türkei das Spiel von Beginn weg den Italienern überliess, versuchte die Schweiz, den Ball selber zu kontrollieren (siehe Ballbesitz in der Grafik). Beides ging bekanntlich gleich schlecht aus. Immerhin: Die Schweiz musste etwas weniger Abschlussversuche der Italiener hinnehmen. Deutlich wird, dass sowohl die Türkei wie auch die Schweiz gegen die überdurchschnittliche Laufleistung der Italiener nicht ankam.

Schnelle Schweizer, lauffreudiger Calhanoglu

Apropos Laufleistungen: Hier haben die Schweizer immerhin in einer Disziplin gegenüber den Türken die Nase vorn. Was den Top-Speed anbetrifft, bringen sie an dieser EM bisher zwei Spieler in die Top-Ten. Breel Embolo (32,8 km/h) steht auf dem siebten und Kevin Mbabu (32,4 km/h) auf dem elften Platz. Der erste Türke, Cangiz Ünder, folgt auf dem 18. Platz.

Spitzenreiter in der Speed-Rangliste? Ist natürlich ein Italiener: Der linke Aussenverteidiger Leonardo Spinazzola kam einmal auf 33,8 km/h. Was Kevin Mbabus Probleme auf der rechten Seite gegen Spinazzola immerhin etwas relativiert. Auch der Zweitplatzierte stammt übrigens aus der Gruppe A: Es ist der walisische Aussenläufer Daniel James.

Zwei der Schnellsten unter sich: Kevin Mbabu und der Italiener Leonardo Spinazzola.

Zwei der Schnellsten unter sich: Kevin Mbabu und der Italiener Leonardo Spinazzola.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Was die zurückgelegten Distanzen anbelangt, dominiert hingegen der Russe Aleksandr Golovin (25,1 km in zwei Partien). Hier findet sich der erste Türke mit Calhanoglu auf Rang 20 (21 km), die ersten Schweizer mit Granit Xhaka und Remo Freuler auf Platz 38 (20,2 km).

So viel zur Statistik. Was nicht statistisch erfassbar ist: Leidenschaft und Glück. Zutaten, welche heute Abend beide Teams brauchen, um sich doch noch Chancen auf die Achtelfinalqualifikation ausrechnen zu können.

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