Der SCB ist der erste Meister, der die Playoffs verpasst. Wir dürfen also in der Analyse ein wenig in historische Dimensionen abschweifen.

Der SC Bern des Frühjahres 2014 hat etwas mit dem alten Bern des Frühjahres 1798 zu tun. So wie damals einer der reichsten und mächtigsten Stadtstaaten Europas dem Ansturm einer neuen Zeit nicht gewachsen war, so ist nun eines der mächtigsten und reichsten Hockeyunternehmen untergegangen.

Und wie 1798 die Macht des alten Bern, so ist 2014 die Schlagkraft des alten SCB aufgrund der Resultate in den letzten Jahren überschätzt worden. Noch vor der Saison hatten alle dem SCB eine erfolgreiche Titelverteidigung zugetraut.

Jetzt, im Rückblick, wenn alle klüger sind, erkennen wir, warum der SCB der «neuen Zeit» nicht mehr gewachsen ist. Die letzten grossen Investitionen waren jene in Christian Dubé (2002) und Martin Plüss (2008).

Der SCB machte beide zu den zu diesem Zeitpunkt bestverdienenden Schweizer Spielern. Die Investitionen zinsten in mehreren Titeln.

Seither hat der SCB so wenig in die Mannschaft investiert, wie das alte Bern einst in seine Armee. Und wie die gnädigen Herren des alten Bern hat SCB-General Marc Lüthi die Kosten für die Rüstung (für die Verstärkung des Teams) heruntergefahren und dafür die Nebengeschäfte erfolgreich ausgebaut.

Der Hockey-Konzern SC Bern macht heute nicht einmal mehr die Hälfte seines Gesamtumsatzes (rund 50 Millionen) direkt mit dem Hockeybusiness.

Im letzten Frühjahr hatten die Berner dank Erfahrung, Schlauheit und viel Glück die Meisterschaft gewonnen. Dass es das letzte Hurra der Leitwölfe Roche, Ritchie, Rüthemann, Plüss, Gardner und Bührer sein würde, war nicht vorauszusehen. Die Investitionen unterblieben erneut.

Das Scheitern der Berner ist also nicht so einfach zu personifizieren, und personelle Konsequenzen zu fordern, ist billige Polemik. Das antiautoritäre Experiment mit Antti Törmänen hatte im letzten Frühjahr noch einmal die Mobilisation aller Energien und den Titel ermöglicht, aber zugleich das Management in die Irre geführt und die Leistungskultur nachhaltig ruiniert.

Ausländer-, Spieler- und Trainerwechsel vermochten den Lauf der Dinge kurzfristig nicht mehr zu ändern. Die Sparsamkeit Marc Lüthis, der seinem Sportchef beim Budget enge Grenzen setzt, hat zuletzt nur noch Zweitklass-Transfers ermöglicht. Die Energie und die spielerische Substanz für den Alltag, um sich durch die 50 Spiele der Qualifikation in die Playoffs zu retten, ist im natürlichen Alterungsprozess verloren gegangen.

Der Untergang des SCB ist nicht einfach ein «Betriebsunfall». Es ist das Ende einer Mannschaft, die in diesem Jahrhundert von allen Spitzenteams das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hatte. Der SCB zahlt nur einem Schweizer brutto über 500 000 Franken. Die ZSC Lions, die neue Macht der Liga, löhnt vier oder fünf «Salär-Halbmillionäre».

Will der SCB in den nächsten zehn Jahren eine dominierende Rolle spielen, kommt Marc Lüthi nicht darum herum, mehr Geld zu investieren. Gern wird erzählt, der SCB habe zuletzt keine grossen Transfers mehr gemacht, weil die Spieler wegen des zu grossen Erwartungsdruckes oder fehlender Teamromantik halt nicht nach Bern kommen wollen. Das ist barer Unsinn. Am Ende des Tages zählt die Summe im Vertrag.

In einem ersten Schritt kann der SCB das Team erst auf den Ausländerpositionen umbauen. Vier neue ausländische Stars plus die Verabschiedung des bisherigen Personals mit weiterlaufenden Verträgen kostet gut und gerne drei Millionen.

Entweder ist Lüthi bereit, den Tresor zu öffnen. Oder er muss in den nächsten Jahren mit Mittelmass leben lernen. Im Winter 2001/02 hat der SCB-Manager nach fünf Jahren und bloss einem Halbfinal persönlich den Transfer von Christian Dubé orchestriert und das damals wahnwitzige Salär (brutto über eine halbe Million) verantwortet.

Weil er wusste: Der SCB muss als Sportunternehmen in den Sport investieren. Jetzt braucht er erneut diesen Mut und diese Risikobereitschaft. Der SCB steht wieder dort, wo er 2002 stand.