Die ZSC Lions gegen Zug. Eine Kollision der Welten. Der «wahre Arno» trat am Freitag im Hallenstadion zum ersten Mal gegen den «neuen Arno» an. In einem dramatischen Finale triumphierte der «wahre Arno» mit wildem, energiegeladenem, vorwärtsdrängenden, stürmischen Rock’n’Roll-Hockey (einer Hockey-Antwort auf «Kick and Rush» im Fussball) in der Verlängerung gegen das taktisch schlauere, gut strukturierte Designer-Hockey seines Herausforderers aus Zug 4:3. Das ZSC-Spiel hat wieder Kohlensäure.

Die Parallelen zwischen ZSC-Trainer Arno Del Curto, 62, und Zugs Coach Dan Tangnes, 39, sind nicht zu übersehen. Beiden ist keine grosse Karriere als Spieler vergönnt (Verletzungspech). Beide haben in jungen Jahren den Hang zur Rebellion. Beide begaben sich mit 26 zum ersten Mal an die Bande. Und stehen fast im gleichen Alter vor der grössten Herausforderung. Arno del Curto wird 1996 mit 40 Cheftrainer in Davos, Dan Tangnes hat mit 39 in Zug seinen ersten Job ausserhalb von Skandinavien bekommen.

Der Norweger ist im vergangenen Sommer mit ähnlicher Reputation aus der höchsten schwedischen Liga nach Zug gekommen wie Arno Del Curto einst nach Davos: jung, dynamisch, hohe Sozialkompetenz und Prophet des modernen, schnellen, direkten Hockeys. Er hat sich in Zug nicht beworben. Sportchef Reto Kläy beobachtete vergangene Saison in Schweden Linköpings Amerikaner Garret Roe, war vom Spektakel angetan und wurde auf den Trainer aufmerksam. Auf Dan Tangnes. «Wir haben uns dann zum ersten Mal in einer Bar getroffen und geplaudert und sind in Kontakt geblieben.» Die norwegische Herkunft spiele keine Rolle, Dan Tangnes sei ja im schwedischen Hockey gross geworden. «Die Kompetenz zählt, nicht der Pass. Ist ein Trainer gut, kann er von mir aus auch Pakistani sein.»

In Zug rocken die Alten und die Jungen

Eigentlich hatte Zug mit Harold Kreis, 60, noch einen Trainer mit Vertrag bis 2019. Aber er konnte den Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. Es ging nicht allein um die Resultate. Sondern um die Umsetzung der Philosophie: Die jungen Spieler sollen gefördert werden. Reto Kläy sagt: «Es ist nicht so, dass Harold Kreis die Jungen nie gebracht hat. Aber er hat sie nicht aus Überzeugung eingesetzt. Sondern weil wir es ihm befohlen haben.»

So musste Harold Kreis im vergangenen Frühjahr gehen. Nun rocken in Zug die Alten und die Jungen. Reto Kläy ist mit dem neuen Trainer sehr zufrieden. Er habe eine hohe Sozialkompetenz, komme gut mit den Spielern aus, sei aber im Einzelgespräch direkt und fordernd. Und suche nie Ausreden. «Wir haben mit ziemlicher Sicherheit am meisten verletzungsbedingte Ausfälle. Unser Trainer sieht das Verletzungspech als Chance, die Jungen in verantwortungsvollen Positionen einzusetzen.»

Dan Tangnes als Norwegens Antwort auf Arno Del Curto. Allerdings ist er im Auftreten neben dem Eis fast zu normal, um ein Kult-Trainer zu werden. Ihm fehlt die buntscheckige Eigenwilligkeit des ZSC-Trainers. Seine Hockeyphilosophie ist ähnlich, aber er ist im Auftreten mehr freundlicher Ingenieur als charismatischer Rockstar. Ein «normaler» Arno Del Curto.

(Noch) ein Held der Qualifikation

Aber nach wie vor sind die Zuger bloss Helden der Qualifikation. Wie meistens seit dem einzigen Titel von 1998. Und Zugs neuer Trainer ist vorerst auch «nur» ein Held der Qualifikation. Er hat noch nie eine Playoff-Serie gewonnen. Reto Kläy weiss das. «Aber ich interessiere mich für die Zukunft, nicht für die Vergangenheit. Unser Trainer hat das Potenzial, um uns zur Meisterschaft zu führen.» Dann wird also Dan Tangnes seinen Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison auch dann erfüllen, wenn er im Viertelfinale scheitern sollte? Davon geht Reto Kläy aus. Die Art und Weise, wie sein Team gestern doch noch untergegangen ist, wird seine meisterliche Zuversicht nicht stärken.