Robin Grossmann hat momentan viel Zeit, nachzudenken. Ein Trümmerbruch im kleinen Finger der linken Hand zwingt den Verteidiger des HC Davos noch für mehrere Wochen zum Zuschauen. Mehr als Schlittschuhfahren und sonstige Bewegungstherapien liegen nicht drin. Umso mehr kreisen die Gedanken des Aargauers derzeit um seine Zukunft. Es ist eine Eigenart (oder je nach Lesart, Unart) des hiesigen Transfermarkts, dass die Kaderplanungen der Klubs für die kommende Saison bereits unmittelbar nach dem Start zur aktuellen Spielzeit beginnen. Besonders, wenn Nationalspieler wie Robin Grossmann auslaufende Verträge besitzen. Der 26-Jährige will in den kommenden Wochen die Weichen betreffend seiner Zukunft stellen. Zusammen mit seinem Agenten Georges Müller sondiert er die Möglichkeiten. Klar ist: Die Chancen, dass er in Davos bleibt, sind eher klein. Nach sechs erfolgreichen Jahren im Landwassertal tendiert Grossmann zu einer Rückkehr ins Unterland. Hier die möglichen Destinationen.

EV Zug: Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Zuger grosses Interesse an Robin Grossmann bekunden. Die Zuger haben das Geld für eine schöne Gehaltserhöhung, sie bieten dem Aargauer eine wichtige Rolle an und sind dabei, ein zukünftiges Meisterteam aufzubauen. Beim EVZ spielt ausserdem bereits Grossmanns Kumpel Tim Ramholt. Und Zug ist geografisch ideal gelegen. Sowohl sein Heimatort Dintikon als auch der Arbeitsort seiner Freundin Eliane, Zürich, sind innert nützlicher Frist erreichbar. Fazit: Es spricht sehr viel dafür, dass Robin Grossmann in Zukunft für den EV Zug spielt.

ZSC Lions: Auch die Zürcher gehören zum umfangreichen Kreis der Interessenten. Was jedoch gegen eine Verpflichtung Grossmanns spricht: Mit Marc-André Bergeron, Mathias Seger, Severin Blindenbacher und Patrick Geering stehen schon vier hochkarätige Verteidiger im Team der Lions. In dieser Konstellation wird es für Grossmann schwierig, die erhoffte Verantwortung übernehmen zu können. Fazit: Die ZSC Lions können finanziell mithalten, die Perspektiven sind jedoch suboptimal.

HC Davos: Robin Grossmann hat die Türe für einen Verbleib beim Rekordmeister noch nicht zugeschlagen. Es ist jedoch bekannt, dass er das Heu mit seinem Trainer Arno Del Curto zwischenzeitlich nicht mehr auf derselben Bühne hatte. Die beiden haben das Kriegsbeil zwar längst wieder begraben, aber Grossmann wird auch nach sechs Saisons in den Reihen des HCD Mühe haben, den Stempel des selbstbewussten Jünglings, den man zwischendurch hart anpacken muss, loszuwerden. Zudem ist es schwierig für ihn, in der Hierarchie auf die gleiche Stufe wie «Schlachtross» Beat Forster zu gelangen. Kommt dazu, dass die Davoser auch auf finanzieller Ebene kaum mit den Angeboten der Konkurrenz mithalten können und wollen. Fazit: Auch wenn Grossmann in Davos eine wunderschöne Eigentumswohnung besitzt – er wird seine Karriere mit grosser Wahrscheinlichkeit andernorts fortsetzen.

SC Bern: Vom Talent her würde sich Robin Grossmann in der Berner Verteidigungshierarchie ziemlich weit oben bewegen. SCB-Sportchef Sven Leuenberger liess aber durchblicken, dass seine Planungen in eine andere Richtung gehen. Das heisst: Entweder man verlängert den auslaufenden Vertrag von Travis Roche oder ersetzt ihn durch einen neuen Söldner. Die anderen Positionen sind gemäss Leuenberger schon fix vergeben. Fazit: Ein Transfer zum SC Bern dürfte kaum zustande kommen.

Kloten Flyers: Auch die Flieger haben ihr Interesse an Grossmann deponiert. Eine Rückkehr zu dem Klub, in welchem er ausgebildet wurde, ist indes sehr unwahrscheinlich. Einerseits sind die Klotener in der Abwehr schon jetzt stark besetzt, auf der anderen Seite kam der Aargauer mit Trainer Felix Hollenstein nicht immer klar. Er war sogar einer der Gründe dafür, dass sich Grossmann 2008 mangels Perspektiven bei den Flyers für den Wechsel zum HCD entschied. Fazit: Die Flyers sind keine Option für Grossmann.

Plan B: Arno Del Curto attestiert Grossmann das Potenzial, einst einmal in der NHL spielen zu können. Für Agent Georges Müller wäre die Option «Ausland» ein möglicher Plan B. Beispielsweise ein Szenario wie bei Simon Moser, der mit einem Probevertrag ins Vorbereitungscamp der Nashville Predators einrückte. Damit es aber so weit kommt, müsste schon alles zusammenpassen. Sprich: Grossmann müsste in Davos eine ganz starke Saison spielen und den Sprung in den Schweizer Olympia-Kader schaffen. Und Müller betont: «Um so eine NHL-Einladung zu erhalten, bedarf es viel Überzeugungsarbeit.» Fazit: Grossmann im Ausland? Nächste Saison noch nicht.