Was am vergangenen Montag mit der Inthronisierung von Arno Del Curto, 62, als Cheftrainer der ZSC Lions beginnt, am Freitag mit der 0:1-Niederlage in Langnau hinten zu einem Drama zu werden droht, mündet am Samstagabend im Hallenstadion in einem 4:1-Triumph gegen den gleichen Gegner in einer «Hockey-Rocknight».

Der erste Auftritt von Arno Del Curto im Hallenstadion. Der Trainer als Rockstar. Eine neue Dimension des Personenkultes im Mannschaftsport. Der Trainer ist grösser als die Mannschaft. Für dieses erste Heimspiel unter neuer Leitung haben die tüchtigen ZSC-Vermarkter 1000 T-Shirt herbeigeschafft. Mit dem Aufdruck ADC (für Arno Del Curto) in den Logobuchstaben der Rockband AC/DC in ZSC-Farben. Das Stück für 25 Franken. Ausnahmslos alle sind verkauft worden.

Der Messias

Die Show war ganz einfach grossartig. Vor dem Spiel rockt über die Soundanlage der Arena AC/DC und der Moderator verkündet mit überschlagender Stimme: «Arno-Musik!». Dann wird es dunkel. Im Rahmen der Intro-Lichtshow wird der Kopf von Arno Del Curto eingeblendet. In der Manier eines Rockstars begrüsst er das Publikum und verspricht, alles für den Sieg zu tun. Er mahnt da oben am Bildschirm optisch an eine aufgeputschte Rock-Version von Bill Gates.

Vom begeisterten, hingerissenen, aufgewühlten, erhitzten Inhouse-Moderator wird nach der Partie als Novum nicht so wie üblich einer der Eis-Gladiatoren interviewt. Sondern der neue Chefcoach. Er würdigt Arno del Curto als «Messias». Trainer. Rockstar. Messias. Was sind dagegen Barone, Fürsten, Könige, Kaiser und der Papst? Nichts. Der Begriff «Messias» bedeutet ursprünglich «Gesalbter». So wird in der Bibel der rechtmässig, von Gott eingesetzte König der Israeliten bezeichnet. Im Sport wird mit dieser Bezeichnung ein Mann verehrt, von dem man sich Wunder und Erlösung aus der Finsternis des Misserfolges erhofft.
Arno Del Curto ist bei diesem Interview so heiser (und kultiviert diese Heiserkeit), dass seine Antworten kaum zu verstehen sind und vom Moderator wiederholt werden. Tausendfach echot es «Arno, Arno, Arno» durch die Arena.

Energie machte den Unterschied

Und was war nun anders, besser als beim schmählichen 0:1 am Vorabend? Die Energie. Zwei so schnelle, intensive Partien innert 24 Stunden waren für die Emmentaler zu viel. Sie vermochten das fehlende Talent nicht mehr mit Einsatz und Disziplin zu kompensieren. Es fehlte nicht viel, aber es fehlte ein entscheidendes Quäntchen Energie.

Am Freitag war den Langnauern mit einem perfekten Spiel ein 1:0-Sieg gelungen. Zwei perfekte Spiele hintereinander gegen den gleichen Gegner innerhalb von 24 Stunden gelingt keiner Mannschaft der Welt. Die ZSC Lions sind zwar noch weit von einem perfekten Spiel entfernt. Aber sie sind drauf und dran, zu der Normalität und Effizienz zu finden, die beispielsweise den SC Bern auszeichnen. Zu diesem Auftreten, gewürzt mit Arroganz, das jedem Gegner signalisiert: Eishockey ist, wenn am Ende doch der ZSC gewinnt. So wie im vergangenen, meisterlichen Frühjahr.

Dieses Auftreten ist nur dann möglich, wenn grosse Mannschaften von grossen Trainern kommandiert werden. Wie Kari Jalonen in Bern und jetzt Arno Del Curto in Zürich. Sportlich sind die ZSC Lions also auf dem Weg zurück zur Normalität. Normalität bedeutet beispielsweise, dass Denis Hollenstein, 29, der teuerste Schweizer Spieler in der Geschichte des Zürcher Hockeys, der beste Spieler seiner Mannschaft ist. Zum ersten Mal überhaupt seit seinem Wechsel vom Schluefweg ins Hallenstadion war er das beim 4:1 am Samstagabend.
Aber eben: was heisst bei den ZSC Lions schon Normalität?