Er war eine der auffälligsten Figuren der vergangenen Eishockey-Weltmeisterschaft. In Paris verzauberte Stéphane Da Costa im Trikot der französischen Nationalmannschaft nicht nur sein Heimpublikum, sondern auch die zahlreichen Talentspäher aus der NHL, die auf den Tribünen der Bércy-Arena sassen.

Nach der WM, welche der Stürmer mit sechs Toren und vier Assists auf Platz zehn der Skorerliste abschloss, war bald einmal zu lesen, dass die NHL die nächste Destination des 28-Jährigen sein würde.

Auch Stéphane Da Costa selbst liess bald verlauten, dass er nach drei erfolgreichen Jahren in der russisch geprägten KHL (insgesamt 133 Spiele, 61 Tore, 63 Assists für ZSKA Moskau) noch einmal einen Anlauf in der besten Liga der Welt nehmen möchte.

Genf statt Las Vegas

Vor seinem Moskau-Aufenthalt hatte er bereits 47 Spiele (7 Tore, 4 Assists) im Dress der Ottawa Senators absolviert. Das Expansionsteam der Vegas Golden Knights galt als eine der realistischen Destinationen in der NHL für den französischen Ausnahmestürmer.

Doch es kam alles anders: Am letzten Dienstagabend bestritt er sein erstes Saisonspiel. Nicht, wie im Mai noch erträumt und erhofft, in der NHL. Sondern in der Schweizer National League. Genf statt Las Vegas. In der angegrauten Les-Vernets-Halle statt in der topmodernen T-Mobile-Arena. Mit Kloten als Gegner statt den Pittsburgh Penguins.

Das «Urin-Problem»

Was ist passiert? Nun, hier wird’s nebulös. Nach der starken WM wurde es ruhig um Stéphane Da Costa. Im Juli war er während der «Free-Agent»-Phase der NHL kein Thema. Im August war plötzlich die Rede von einer Verletzung, die er während des Sommertrainings erlitten hatte und welche bei den Verhandlungen mit potenziellen NHL-Arbeitgebern zum Stolperstein wurden.

Die Kontakte nach Nordamerika verflüchtigten sich prompt. Im September tauchten dann Berichte auf, dass der Franzose in Vertragsverhandlungen mit dem KHL-Team Avangard Omsk stehe, er aber bei den medizinischen Tests durchgefallen sei. Und zwar wegen eines «Urin-Problems».

Eigentlich eine Nummer zu gross

Auf jeden Fall waren die gesundheitlichen Probleme Da Costas, der schon in seinen letzten beiden Saisons in Moskau zahlreiche Spiele verletzungsbedingt verpasst hatte, offenbar so gravierend, dass er punkto Zukunftsplanung zurückbuchstabieren musste – und schliesslich im Oktober einen Kontrakt bei Servette Genf unterschrieb.

Klar ist: In topfittem Zustand ist ein Spieler wie Stéphane Da Costa eigentlich eine Nummer zu gross für unsere höchste Liga. Aber die Genfer mit ihrem Sportchef Chris McSorley gingen das Risiko ein und nahmen den Franzosen bis Ende Saison unter Vertrag.

Sein Debüt auf dem Eis gab er gut vier Wochen nach seiner Unterschrift und erzielte beim 4:3-Sieg nach Penaltyschiessen gegen Kloten gleich ein Tor. Er selbst war nach der Partie zwar froh, dass er endlich wieder im Einsatz stand, gab jedoch auch zu, dass er sich auf dem Eis nicht sonderlich gut fühlte. «Ich war langsam und habe ein paar schlechte Entscheidungen getroffen», sagt der 28-Jährige. Er hoffe, dass er so schnell wie möglich wieder in Form komme.

Sollte das der Fall sein, dann müssen sich die gegnerischen Mannschaften – wie an der WM – warm anziehen.