ZSC Lions

ZSC-Lions-CEO: «Wir waren zu leicht ausrechenbar»

Leere Blicke zeigen die grosse Enttäuschung nach dem schnellen Saisonende für die ZSC Lions: Jonas Siegenthaler, Phil Baltisberger und Chris Baltisberger (v.l.).Key

Leere Blicke zeigen die grosse Enttäuschung nach dem schnellen Saisonende für die ZSC Lions: Jonas Siegenthaler, Phil Baltisberger und Chris Baltisberger (v.l.).Key

Schon vor dem historischen Play-Off-Ausscheiden der Zürcher wurde Kritik an Coach Marc Crawford laut. ZSC-Lions-CEO Peter Zahner erklärt, warum der Kanadier den Klub verlassen muss.

Peter Zahners Fokus beim ZSC liegt nun nicht mehr auf Marc Crawford. Der Kanadier muss den Klub verlassen.

Peter Zahners Fokus beim ZSC liegt nun nicht mehr auf Marc Crawford. Der Kanadier muss den Klub verlassen.

Haben Sie das Out schon verdaut?

Peter Zahner: Die Enttäuschung ist natürlich gross, aber das Ausscheiden war kein Schock für mich. Das Ganze war ein schleichender Prozess. Es war ja nicht so, dass uns von einem Augenblick auf den anderen der Stecker rausgezogen wurde. Es war klar, dass es mit einem 0:3-Rückstand in Bern, das das beste Eishockey der ganzen Saison spielt, schwierig werden würde.

Die Lions wurden souveräner Qualifikationssieger – und müssen jetzt nach lediglich vier Playoff-Spielen schon zuschauen. Hat man in solchen Momenten nicht ein Problem mit dem «ungerechten» Modus?

Nein, das ist ja genau der Reiz an den Playoffs, die weltweit anerkannt sind. Wir haben ja auch schon vom Modus profitiert, als wir 2008 als 6. und 2012 als 7. der Qualifikation noch Meister wurden. Leider mussten wir jetzt die gegenteilige Erfahrung machen. Aber es hat sich einmal mehr gezeigt, dass es ein Vorteil ist, wenn man wie Bern bis ganz zum Schluss um die Playoff-Qualifikation kämpfen muss. Plötzlich löst sich der Knoten und man kann das Potenzial, das in einer qualitativ guten Mannschaft wie dem SCB steckt, ausschöpfen.

Die Lions wurden dreimal hintereinander Quali-Sieger. Zweimal rettete man sich erst im siebten Spiel in den Halbfinal, diesmal reichte es nicht. Eigentlich lohnt es sich ja gar nicht, nach 50 Runden auf Platz 1 zu stehen …

Man kann der Mannschaft ja nicht verbieten, Quali-Sieger zu werden, und es macht auch keinen Sinn, das Ganze psychologisch zu hinterfragen. Bei den Bernern stieg das Selbstvertrauen von Einsatz zu Einsatz, von Spiel zu Spiel. Bei uns passierte das Gegenteil. Vielleicht hätte es uns schon in den vorangegangenen Saisons in der ersten Runde erwischt, wenn wir gegen eine Mannschaft wie den SCB gespielt hätten.

Trashtalk zwischen den Eishockey-Trainern Crawford und Schläpfer

Trashtalk zwischen den Eishockey-Trainern Crawford und Schläpfer

ZSC-Coach Marc Crawford verlässt die Schweiz nach drei Saisons.Einige seiner Wutausbrüche sind legendär. Auch Biel-Coach Kevin Schläpfer machte seine Bekanntschaft mit Crawfords Temperament.

Haben Sie schon eine Erklärung dafür, warum die Lions nicht mehr auf ihr erhofftes Rendement kamen?

Da gibt es mehrere Faktoren: Symptomatisch war beispielsweise, dass das Powerplay nicht mehr funktioniert hat. Im Penaltyschiessen haben wir schon die ganze Saison versagt, weshalb es logisch war, dass es in den Playoffs, wenn der Druck noch grösser ist, auch nicht besser wurde. Zudem waren wir taktisch zu leicht ausrechenbar. Ich möchte an dieser Stelle aber auch ein grosses Kompliment an den SCB aussprechen: Die Mannschaft war perfekt eingestellt auf uns.

Dass man sich punkto Taktik überraschen liess, stellt Trainer Marc Crawford aber kein gutes Zeugnis aus. Hätte man nach dem dritten Finalspiel nicht doch die Trainer-Notbremse ziehen müssen?

Nein, der Entscheid, an ihm festzuhalten, war richtig. Es war ja nicht alles falsch, was er gemacht hat. Wir wurden Quali-Sieger, gewannen den Cup und zeigten oft begeisterndes Eishockey. Und es stellt sich auch immer die Frage: Was kann ein neuer Trainer in so einer kurzen Zeitspanne überhaupt bewirken?

Sie haben sich nach dem Ausscheiden dafür entschieden, die Zusammenarbeit mit Marc Crawford zu beenden. Wie fällt Ihre Bilanz seiner vierjährigen Tätigkeit in Zürich aus?

Das Positive überwiegt klar. Wir gewannen mit ihm einen Meistertitel, standen einmal im Final und einmal im Halbfinal. Dazu schlossen wir die Qualifikation dreimal auf Platz eins ab. Er hat die Mannschaft weitergebracht und junge Spieler eingebaut. Seine Verdienste sind ohne Zweifel gross – selbst wenn der Abschluss nicht so war, wie wir es uns gewünscht haben. Auf der anderen Seite wurde sein Kokettieren mit der Rückkehr in die NHL zunehmend eine Hypothek für uns. In diesem Jahr wollten wir schlicht nicht bis im Mai oder im Juni warten, bis er sich entscheidet. Wir als ZSC Lions haben den Anspruch, dass sich ein Trainer bedingungslos zu uns bekennt.

Welche Qualitäten muss der neue Trainer mitbringen?

Wir haben ja jetzt leider viel Zeit, uns eingehend mit der Nachfolgeregelung von Crawford zu befassen. Momentan ist alles offen. Aber das Anforderungsprofil ist klar: Der neue Trainer muss sich mit unserem Unternehmen identifizieren, unsere Pyramidenstruktur mittragen und junge Spieler fördern – ausgeprägtes Erfolgsdenken ist aber unerlässlich. Woher dieser Mann stammt, ob aus der NHL, Europa oder der Schweiz, spielt daher gar keine grosse Rolle.

Durch das vorzeitige Playoff-Out entgehen den Lions auch budgetierte Einnahmen. Lässt sich das Loch in der Kasse schon abschätzen?

Die genauen Zahlen kenne ich so kurz nach dem Ausscheiden noch nicht. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass das Ergebnis trotz der drei fehlenden Heimspiele nicht markant negativ belastet wird.

Wieso?

Weil sich einerseits Einnahmeposten viel besser entwickelt haben als erwartet. Wir haben mit über 7700 Saisonkarten so viele wie noch nie verkauft. Und mit über 9800 Zuschauern pro Heimspiel haben wir ebenfalls einen Rekord aufgestellt. Auf der anderen Seite sparen wir auch bei den Ausgaben. Es fallen Prämien weg, Stadionmieten, Sicherheitsausgaben etc.

Befürchten Sie durch diesen sportlichen Rückschlag negative Auswirkungen auf das Stadionprojekt, welches langsam in die entscheidende Phase kommt?

Nein. Die ZSC Lions verfügen über eine solide Struktur. Wir arbeiten seriös und haben als Unternehmen ein gutes Image. Sportlicher Erfolg lässt sich nicht planen, da gehören Rückschläge dazu. Das Stadion ist ein langfristiges Projekt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1