Nach dem Spiel gibt es im Foyer eine Party. An die Fans werden gratis Segi-T-Shirts verteilt. "Es ist unglaublich, was die Organisation alles auf die Beine gestellt hat", sagte Seger. "Alleine das ist herzzerreissend. Ich fühle mich geehrt." Der 40-Jährige hat sich diese Wertschätzung mehr als verdient. Seger wechselte 1999 von Rapperswil-Jona zum ZSC und hielt dem Verein bis zum Karriereende die Treue. Zwölf Saisons war er der Captain des Teams. Insgesamt bestritt er 1167 Partien in der höchsten Schweizer Liga, so viele wie kein anderer. Zudem ist er mit 305 Länderspielen Schweizer Rekord-Internationaler und nahm er an 16 Weltmeisterschaften teil, was weltweit eine Bestmarke ist. Beim Silbergewinn an der WM 2013 war er ebenfalls Captain.

Seger ist eine Persönlichkeit, von denen es heutzutage im Eishockey nicht mehr viele gibt. Hat er eine Erklärung dafür? "Das ist teilweise ein Ebenbild unserer Gesellschaft. Es passiert oft, dass Querdenker oder Leute, die ihre Meinung sagen, rasch ausgebremst werden, auch im modernen Sport. Alle haben eine Medienschulung und sagen nur noch das Gleiche. Es ist alles super clean, auch wie sich die heutigen Jungen in den sozialen Medien darstellen müssen. Dann kann man nicht erwarten, dass es Charakterköpfe gibt. In der Garderobe gibt es jedoch nach wie vor Charakterspieler. Es dringt einfach vielleicht nicht so nach aussen."

Seger geniesst die neuen Freiheiten

Bislang hat Seger die Eishalle nicht gross vermisst. Er genoss den Sommer, reiste mit seiner Frau und den zwei Töchtern während drei Monaten mit einem Wohnmobil durch Australien und klapperte die Küsten ab. "Das einzig Negative am Leben als Sportler war, nur maximal drei Wochen Ferien zu haben", so Seger. Viele Kollegen seien im Alter von 20 Jahren auf Weltreise gegangen. "Ich bin sehr froh, dass ich das nun machen konnte (er durfte die ältere Tochter aus der Schule nehmen). Es war ein cooles Erlebnis."

Überhaupt geniesst Seger die neuen Freiheiten, insbesondere an den Wochenenden, an denen er mit der Familie nun spontan in den Bus steigen und irgendwohin fahren kann. Deshalb will er nicht sofort ein neues Abenteuer in Angriff nehmen. Ausserdem möchte er seiner Frau, die bislang zurückstecken musste, etwas zurückgeben. "Es ist Zeit, den Spiess umzukehren. Sie wird nun mehr arbeiten, und ich kümmere mich mehr um die Kinder", erklärte Seger.

"Der ZSC hat ein unglaubliches Team"

Kann er es sich vorstellen, später weiter im Eishockey tätig zu sein? "Eishockey ist eine Leidenschaft, die mein ganzes Leben geprägt hat. Ich versuche nun, ein bisschen Abstand zu gewinnen. Es ist schön, mal wegzukommen und dann wieder neu vom ganzen Virus gepackt zu werden. In welche Richtung es gehen wird, weiss ich allerdings noch nicht so genau."

Vermissen wird Seger den Spass mit den Jungs, die tägliche Arbeit und auch die Spiele. "Je weiter die Saison fortgeschritten ist, desto mehr wird es mich wieder ins Stadion ziehen", ist er überzeugt. Den ZSC stuft er als "sehr stark ein. Es ist eine unglaubliche Mannschaft mit einem sehr guten Charakter. Es ist alles da, um erneut den Titel zu holen. Die anderen Teams haben sich jedoch auch verstärkt".

Am Freitagabend steht nun noch einmal Seger im Mittelpunkt. Die Frau und die ältere Tochter (9) werden ihn bei der Verabschiedung begleiten, ob auch die jüngere Tochter (4) dabei ist, liess er offen. Sie habe vor so vielen Leuten vielleicht noch zu viel Respekt, so Seger. Wieso wollte er eigentlich kein eigenes Abschiedsspiel? "Ich hatte immer das Gefühl, dass Spiele mit alten Männern langweilig zum Zuschauen sind. Ich wollte nicht, dass den Zürcher Fans das Gesicht einschläft. Sie haben mehr Freude, wenn es ein paar Bier gibt." Das ist typisch Seger, der das Herz auf der Zunge trägt. Das Eishockey wird ihn vermissen.