Eishockey
Zetterberg zum Abschied: «Die Kirschtorte hat mir gut geschmeckt»

Henrik Zetterberg hat sich vom EV Zug verabschiedet. Was ihm bleibt? Eine Kirschtorte, die er über den Teich genommen hat und die Erkenntnis, dass Schweizer Hockey gut ist. «Ich hätte nicht gedacht, dass das Tempo so hoch ist», so Zetterberg.

Nicola Berger, Zug
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Zetterberg ist überrascht über das hohe Niveau des Scjhweizer Hockeys.

Zetterberg ist überrascht über das hohe Niveau des Scjhweizer Hockeys.

Keystone

Am Ende entschied er sich doch noch um. Erst hatte Henrik Zetterberg (32) geplant, am Dienstag eine finale Trainingseinheit in der Bossard-Arena zu absolvieren. Doch während die anderen Zuger Lockoutspieler Damien Brunner (26) und Rafael Diaz (26) die Übungseinheit noch absolvierten, begnügte sich der Schwede damit, den Spind zu räumen und sich von den Teamkollegen zu verabschieden. Bevor er am Abend in Richtung Detroit abflog, beantwortete der Weltstar ein letztes Mal Fragen.

Henrik Zetterberg, welches Fazit ziehen Sie aus Ihrer Zeit mit dem EVZ?

Henrik Zetterberg: Ein positives. Ich habe meine Zeit hier genossen und möchte dem Verein und den Fans für die gute Behandlung danken. Ich habe in meiner Karriere nicht für viele verschiedene Teams gespielt, deshalb bin ich dankbar um diese Erfahrung. Ich werde sie nicht vergessen.

Nehmen Sie etwas aus Zug mit nach Detroit?

Eine Kirschtorte, ja. Die hat mir gut geschmeckt.

«Ausfall der Saison wäre verheerend gewesen»

Henrik Zetterberg wird sehnlichst in «Hockeytown» Detroit zurückerwartet. Im Umfeld des 11-fachen Stanley-Cup-Siegers wird gemunkelt, dass der 32-jährige Schwede neuer Captain des Teams wird. Er würde Nachfolger seines Landsmanns Nicklas Lidström, der Ende 2011/12 nach 20 Jahren bei den Red Wings zurückgetreten ist.

Ganz Profi, äussert sich Zetterberg im Gespräch mit den «Detroit News» nicht zu diesen Gerüchten, sondern verweist auf seine grosse Freude, wieder in der NHL zu spielen. Detroit habe ein besseres Teams als zuvor, einerseits wegen «der besseren Situation bei den Goalies» (Jonas Gustavsson ist neu im Team), andererseits wegen der «breiten Offensive», zu der auch Damien Brunner zählt, mit dem er in Zug ein Traumduo bildete.

Zetterberg hat 2009 einen 12-Jahres-Vertrag mit den Red Wings unterschrieben, der ihm insgesamt 73 Millionen Dollar einbringt. (bier)

Fühlen Sie sich gut auf die NHL-Saison vorbereitet?

Jene Spieler, die zuletzt in Europa gespielt haben, besitzen bestimmt einen kleinen Vorteil. Als ich in Zug unterschrieb, habe ich das vor allem darum gemacht, um nach dem Ende des Lockouts für die NHL bereit zu sein. Jetzt bin ich auf einem guten Level.

Waren Sie überrascht, wie chaotisch das Eishockey in der NLA teilweise ist?

Ehrlich gesagt bin ich positiv überrascht, wie gut das Niveau in der Schweizer Liga ist. Bevor ich hierhin kam, hatte ich kein einziges Spiel gesehen und nicht nur Gutes gehört. Aber die Qualität ist da, und ich hätte nicht gedacht, dass das Tempo so hoch ist.

Seit dem Ende des Lockouts haben sich viele Spieler, Manager und Trainer bei den Fans für die Ereignisse der letzten Monate entschuldigt. Planen Sie Ähnliches?

Schon, ja. Der Lockout war für uns alle keine angenehme Situation. Jetzt müssen wir etwas dafür tun, um die Fans zurückzugewinnen.

Sie haben Damien Brunner in Michigan im Trainingscamp kennen gelernt und schwärmten sofort von seinen Qualitäten. Wie fällt Ihre Beurteilung nach 23 gemeinsamen Partien aus?

Er hat meine Erwartungen übertroffen, weil er wirklich aus jeder Situation Tore erzielen kann. Das ist eine rare Gabe.

Inwiefern muss er sein Spiel umstellen, um in der NHL bestehen zu können?

Er wird sich erst einmal an das kleinere Eisfeld gewöhnen müssen. Und gezwungenermassen noch direkter auf das Tor spielen. Aber ich mache mir um ihn keine Sorgen.

Es heisst, Detroit-Trainer Mike Babcock plane eine Linie mit Ihnen, Brunner und Pawel Dazjuk ...

Oh, Babcock hat viele Pläne. Da kann man nicht immer alles glauben.

Sie dürften in den nächsten Tagen als neuer Captain vorgestellt werden.

Noch ist das ja nicht definitiv. Aber wenn es so weit kommen sollte, wäre das eine wahnsinnige Ehre. Ich habe mit den letzten zwei Captains (Steve Yzerman und Nicklas Lidström, d. Red.) selber zusammengespielt. In einem Atemzug mit diesen Spielern genannt zu werden wäre schon etwas Grossartiges. Ich wäre ziemlich stolz.

Haben Sie mitbekommen, dass Ihnen der Liga-Einzelrichter einen Brief geschrieben hat?

Ich habe davon gehört, ja. Es freut mich natürlich, dass die Leute Gefallen an meiner Präsenz gefunden haben.

Von NHL-Richter Brendan Shanahan dürften Sie kaum Post erhalten ...

(Lacht.) Das stimmt wohl.

Wie haben Sie Doug Shedden in Zug erlebt?

Als sehr angenehm. Er ist ein «Players Coach», und davon gibt es nicht mehr viele. Er ist direkt und ehrlich, das schätze ich.

Könnte er in der NHL bestehen?

Daran habe ich keine Zweifel. Er müsste bloss irgendwo eine Chance erhalten ...