Eishockey

Zach Boychuk, der Zwitscherkönig des SC Bern

Auf und neben dem Eis dynamisch: Der neue SC-Bern-Söldner Zach Boychuk.

Auf und neben dem Eis dynamisch: Der neue SC-Bern-Söldner Zach Boychuk.

Zach Boychuk heisst der neue Ausländer des SC Bern. Der Kanadier bewegt sich nicht nur geschmeidig auf dem Eis, sondern auch in der Welt der sozialen Medien.

Zach Boychuk wechselt per sofort aus der russisch geprägten KHL von Severstal Cherepovets zum SC Bern. Und bringt damit auch seine spezielle Social-Media-Geschichte mit in die Schweiz. Wer auf dem Kurznachrichten-Dienst Twitter (auf Deutsch: Gezwitscher) tätig ist und sich mit Eishockey beschäftigt, der hat sich auch schon gewundert, weshalb Zach Boychuk unter seinen Followern auftaucht (wie auch beim Autor dieser Zeilen). Der Kanadier folgt über 900 000 Twitter-Nutzern.

Weshalb das so ungewöhnlich ist? Nun: in der Regel verfügen die Athleten selber über viele Folgende, die sich für Neuigkeiten ihrer Lieblinge interessieren. Die Sportler selber folgen aber nur einer Handvoll Leuten. Für sie ist Twitter eine Informations-Plattform, auf welcher sie ihre Nachrichten verbreiten.

Wie ich Dir, so Du mir

Was ist also so speziell an der Affinität Boychuks? Nun: Der 29-Jährige, der 2008 von den Carolina Hurricanes in der ersten Runde gedraftet worden war und es immerhin auf 127 NHL-Spiele brachte, hat sich auf den sozialen Medien quasi ein zweites berufliches Standbein erschaffen. Aus seinem anfänglich informellen Interesse an Twitter wurde ein Geschäftsmodell. Sein Stiefvater, der sich viel mit Computern beschäftigt, machte Boychuk auf die Möglichkeiten des Kurznachrichten-Diensts aufmerksam.

Der neue SCB-Söldner begann, anderen Usern zu folgen, mit dem Ziel, dass sie ihm selber auch folgen. Was gelang. Boychuk hat mittlerweile 898 000 Follower auf Twitter. Damit reiht er sich in der Eishockey-Szene hinter Grössen wie Alexander Owetschkin (2,7 Millionen), Jewgeni Malkin (1,62) oder PK Subban (1,1) ein. Zum Vergleich: Superstar Connor McDavid hat 337 000 Folgende, Nino Niederreiter 67 000 und Nico Hischier lediglich 27 600.

Was ihm die Aufmerksamkeit auf den sozialen Medien bringt? Als er die Schwelle von 50 000 Followern durchbrach, begannen sich die Firmen für ihn zu interessieren. Er wurde Kraft seiner Reichweite als «Influencer» (Beeinflusser) eingestuft und wurde mit allerhand Geschenken beliefert. Matratzen, Kleider, Gutscheine für Flüge. Mit der Zeit fand er Möglichkeiten, dass er jeden Tag automatisiert 20 000 neuen Twitter-Nutzern folgte, welche wiederum ihm folgten. «Diese Leute haben nicht nur Freude daran und fühlen sich geehrt, dass ich mich für sie interessiere. Sie folgen dann eben auch mir», beschreibt der Neo-Berner das Prinzip «Wie ich Dir, so Du mir».

Geschäftsgrundlage für die Zeit nach dem Eishockey

Boychuk ist nicht nur auf Twitter aktiv, sondern hat sein Tätigkeitsgebiet auch auf Instagram und Snapchat ausgeweitet. Auch dort mit beachtlichem Erfolg – seinen Follower-Robotern sei Dank. Inzwischen wird er nicht mehr nur mit Geschenken eingedeckt. Er hat mit drei bis vier Sponsoren lukrative Werbeverträge abgeschlossen. Und sich damit bereits eine Geschäftsgrundlage für die Zeit nach seiner Karriere als aktiver Eishockey-Spieler geschaffen.

Vorderhand steht bei ihm aber ganz klar das Eishockey im Mittelpunkt. Das betont der Kanadier denn auch bei jeder Gelegenheit. In Bern wird man das gerne hören.

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