Analyse zum Ausscheiden des EHC Olten
Wohin willst Du, EHC Olten?

Viertelfinal-Aus gegen die Rapperswil-Jona Lakers: Die Saison ist für den EHC Olten zu Ende - was jetzt? Wird das erklärte Ziel des Aufstiegs in die NLA weiter verfolgt, sind in Olten einige grundlegende Strukturwechsel nötig. Dabei darf die Geldproblematik nicht vergessen gehen.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
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Mit Köbi Kölliker als Sportchef kann Olten nicht zu neuen Ufern aufbrechen.

Mit Köbi Kölliker als Sportchef kann Olten nicht zu neuen Ufern aufbrechen.

Keystone

Die Saison 2016/2017 ging für den EHC Olten mit einer Bruchlandung zu Ende. Das bittere Ausscheiden im Playoff-Viertelfinal passt zu einer durch und durch verkorksten Saison, für die man letztlich die gesalzene Rechnung präsentiert bekommen hat.

Das frühzeitige Lichterlöschen im Kleinholz kann aber auch seine guten Seiten haben. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. Die sportliche Bilanz kann nicht mehr geschönt werden durch eine Halbfinal-Qualifikation, nach welcher alle wieder von einer halbwegs geretteten Saison gesprochen hätten.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um über die Zukunft dieses Klubs eingehend nachzudenken. Die grosse Frage, die sich dabei stellt, lautet: Wohin willst Du, EHC Olten?

Es darf nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben

Es gibt zwei Varianten: die erste ist der vielbesungene Dreijahresplan, an dessen Ende der Aufstieg in die NLA vollzogen sein soll. Die Klubführung hat dieses hohe Ziel ausgegeben. Angesichts der zunehmend ungünstigen Umstände in der NLB mit den unattraktiven Farmteams ist die Flucht nach vorne kein verkehrter und ein verständlicher Lösungsansatz.

Aber: wer kurz- bis mittelfristig in die NLA aufsteigen will, der darf es nicht bei Lippenbekenntnissen belassen. Um dieses enorm schwierige Unterfangen erfolgreich zu bewältigen, braucht es mehr als gute Absichten und den Appell an Herzblut und Solidarität. Dafür braucht es einen von A bis Z durchdachten Plan – sportlich wie wirtschaftlich.

Womit wir beim Thema Geld wären. Wer in die höchste Etage will, der muss Geld in die Finger nehmen. Viel Geld. Wer eine Mannschaft aufbauen will, die dereinst an die Tür zur NLA anklopfen soll, der muss investieren, bzw. die vorhandenen Mittel optimal einsetzen.

Also muss der EHC Olten erstens neue Geldquellen erschliessen, um diese Investitionen überhaupt tätigen zu können. Zweitens muss er auf der strategisch enorm wichtigen Position des Sportchefs einen Mann installieren, der diese Aufstiegs-Vision mitträgt, der eine integrative Figur ist, das ganze sportliche Umfeld begeistern und ins Boot holen kann.

Womit klar ist: Köbi Kölliker kann nicht der Sportchef sein, der den EHCO ins gelobte Land führt. Ein Wechsel auf diesem Posten ist zwingend, will man in Olten zu neuen Ufern aufbrechen. Selbst wenn sich Kölliker immun zeigt gegen die harsche Kritik und die vielen Anfeindungen, die er ertragen muss, ist klar, dass hier keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit existiert.

Wobei angemerkt werden muss, dass Kölliker angesichts der propagierten Ziele mit einem viel zu begrenzten Budget operieren musste und fast nur verlieren konnte. Er hat einige Fehler gemacht, ist jedoch beileibe nicht alleine verantwortlich für den Schlamassel.

Der beste Sportchef des Landes wartet auf eine neue Aufgabe

Kommen wir zurück zu diesem Mister X, der den EHCO Kraft seiner Kompetenz und seiner Persönlichkeit an die Schwelle zum gelobten Land führen könnte. Ist es dem Klub wirklich ernst mit seinen Aufstiegsabsichten, dann müsste der nächste Schritt eine Reise nach Bern sein, wo einer der besten Sportchefs des Landes, Sven Leuenberger, einer neuen Herausforderung harrt.

Ein Mann, dem ein ausgezeichneter Ruf vorauseilt, der über ein fantastisches Beziehungsnetz verfügt und einen schönen Erfolgsausweis mitbringt. Klar ist: ein Sven Leuenberger würde nur nach Olten kommen, wenn die Voraussetzungen seinen Vorstellungen entsprechen. Wenn er sehen würde, dass er hier in einem professionellen Umfeld seiner Arbeit nachgehen könnte.

Ist der EHC Olten bereit, wirklich alles seiner Aufstiegsvision zu unterstellen und die Basis für so eine Zusammenarbeit zu schaffen?

Wenn nicht, dann kommt Variante zwei zum Zug. Man buchstabiert zurück, backt in Zukunft wieder kleinere Brötchen. Der EHC Olten kann als solider NLB-Klub auch angesichts der schwieriger werdenden Rahmenbedingungen gut existieren. Als wirtschaftlich solider Mittelfeldklub ohne Ambitionen, aber mit dem Potenzial für den einen oder anderen Exploit.

Das mag auf den ersten Blick nicht verlockend klingen, kann aber die richtige Lösung sein. Der EHCO hat sich mit seinen hochgesteckten Zielen selber in eine Falle gelockt. Die Erwartungshaltung im Umfeld wurde immer grösser. Und mit dem sportlichen Kriechgang stieg wiederum die Unzufriedenheit unter den zahlenden Kunden, die nicht das bekommen haben, was sie zu sehen erhofften.

Ein Teufelskreis, aus dem es unter den aktuellen Bedingungen auch in Zukunft kein Entrinnen geben wird.

Der EHC Olten steht also vor einem wegweisenden Sommer. Der Wechsel an der Spitze des VR ist von enormer Wichtigkeit. Der Schritt vom der wirtschaftlichen Vernunft gehorchenden, aber wenig visionären Benvenuto Savoldelli hin zum neuen Mister X, der noch gefunden werden muss, wird entscheidend sein, in welche Richtung sich dieser Klub in Zukunft bewegt.

Wobei in aller Deutlichkeit gesagt werden muss: die Flucht nach vorne darf nur mit aller Macht angestrebt werden, wenn die Existenz des EHC Olten nicht gefährdet wird. Geld ausgeben, das nicht vorhanden ist, führt eher früher als später in den Ruin. Diesen hohen Preis will letztlich niemand zahlen.