Aber er «personifiziert» das Problem seines Arbeitgebers. Letzte Saison schafften die Devils erstmals seit 2012 wieder die Playoffs. Die Rückkehr auf die Höhen des Ruhmes hätte weitergehen sollen. Die Saison steht unter dem Motto: «We will rise». Was inzwischen wie bittere Ironie klingt. Die Devils sind das zweitschwächste NHL-Team. So wie Mirco Müller hat auch diese Mannschaft um Nummer-1-Draft Nico Hischier (20) ein enormes Potenzial. Nur gelingt die Umsetzung noch nicht.

Ebenfalls mit enormem Potential: Nummer-1-Draft Nico Hischier.

Ebenfalls mit enormem Potential: Nummer-1-Draft Nico Hischier.

Der ehemalige Junior des EHC Kloten bringt eine nahezu perfekte Mischung aus Grösse, Kraft, Wasserverdrängung, Beweglichkeit, Spielintelligenz und Technik aufs Eis. Er ist mit ziemlicher Sicherheit nach Roman Josi der kompletteste, aber eben nicht der charismatischste Verteidiger mit Schweizer Pass. Der Winterthurer kam als Erstrundendraft (Nr. 18) nach San José. Doch die Sharks sind mit ihm nie glücklich geworden und haben ihn im Juni 2017 «billig» gegen Draftrechte an New Jersey abgegeben.

Strafversetzung auf die Tribüne

Im ersten Jahr mit den Devils limitierte eine Verletzung seine Saison auf 28 Partien. Nun sehen wir im zweiten Jahr mehr und mehr den wahren Mirco Müller. Dafür brauchte es allerdings einen «Kick». Coach John Hynes liess ihn bei insgesamt 17 Partien auf der Tribüne schmoren. Der WM-Silberheld von 2018 weiss warum. Das Gespräch mit dem Cheftrainer habe zwei, drei Minuten gedauert. «Er sagte mir, was er von mir erwartet und ich habe versucht, das umzusetzen.»

Coach John Hynes liess ihn bei insgesamt 17 Partien auf der Tribüne schmoren.

Coach John Hynes liess ihn bei insgesamt 17 Partien auf der Tribüne schmoren.

Der Coach habe ihn gemahnt, selbstbewusster aufzutreten, mehr Härte zu zeigen und auch mutiger mit der Scheibe zu sein. «Er hatte ja recht, ich bin schliesslich einer der grössten Spieler im Team.» Mit 191 Metern und 95 Kilo ist er selbst in der härtesten Liga der Welt ein Titan. Aber eben: ein sanfter. Der Trainer hatte bloss moniert, was ja die Statistiken schon sagen: kaum Strafen (38 Minuten in 122 Partien), gemessen an seinem enormen Talent zu wenig Skorerpunkte (bisher 3 Tore und 15 Assists).

Erstes Tor für New Jersey

Im Training hat sich Mirco Müller ins Team zurückgekämpft. Inzwischen hat er diese Woche im 67. Spiel sein erstes Tor für New Jersey erzielt und bekommt in einzelnen Partien mehr als 20 Minuten Eiszeit, im Durchschnitt sind es diese Saison etwas mehr als 18 Minuten. So viel wie noch nie. Den besten Mirco Müller haben wir eigentlich erst einmal gesehen: bei der letzten Silber-WM (10 Spiele/6 Skorerpunkte).

Den besten Mirco Müller haben wir eigentlich erst einmal gesehen: bei der letzten Silber-WM (10 Spiele/6 Skorerpunkte).

Den besten Mirco Müller haben wir eigentlich erst einmal gesehen: bei der letzten Silber-WM (10 Spiele/6 Skorerpunkte).

Es dürfte eben einfacher sein, unter Patrick Fischer in einem WM-Team, das sich auf einer Mission befindet, sein Potenzial zu entfalten als im rauen Alltag der NHL. Dass er die NHL nicht im Sturm erobert hat, hängt wohl auch mit seiner angenehmen, sympathischen Art zusammen. Er ist freundlich, fast scheu und ihm fehlt eine Prise jenes Selbstvertrauens («hoppla, jetzt komme ich!»), das einer Karriere in diesem rauen Business manchmal hilft.

Aber auf Dauer wird sich Mirco Müller mit seiner leisen Art durchsetzen. Im Frühjahr läuft der Vertrag aus. Die Chancen stehen sehr gut, dass er mit einem neuen Kontrakt im sechsten NHL-Jahr endlich seinem Talent entsprechend entlöhnt und Dollarmillionär wird.