Eishockey
Wieso die ZSC Lions Schweizer Hockey-Meister wurden

Der SC Bern sahnach einer 3:1-Führung schon wie der sichere Meister aus. Vielleicht war gerade das sein Problem. Denn der ZSC spielte unter Druck grosses Eishockey. Warum die Zürcher am Schluss Schweizer Meister wurden. Die Gründe.

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Steve McCarthy

Steve McCarthy

Keystone

«Das Team war zur richtigen Zeit in der richtigen Form», bringt Marcel Kuchta die Sache auf den Punkt. Das töne zwar banal, es sei aber einfach so, sagt der Hockey-Experte der az Aargauer Zeitung.

Fakt ist: Der ZSC hat sich als Mannschaft pünktlich zu den Playoffs gefunden und einen Schritt vorwärts gemacht – Reserven freigelegt.

Des Trainers Handschrift

Man erinnert sich nach dem eher überraschenden an die Qualifikation. Die Zürcher quälten sich auf den hinteren Rängen rum, die Qualifikation für die Playoffs schien lange alles andere als sicher, schlussendlich platzierte sich der ZSC auf Rang 7.

Das Team reibt sich zu Beginn der Saison am neuen Trainer, dem Kanadier Bob Hartley. Das Puzzle stimmte nicht. Junge Spieler beklagten sich über die fehlende Beachtung erfahrener Spieler. Diese jedoch beklagten sich über den fehlenden Respekt der jungen Spieler.

Hartley lässt das Team zudem hart arbeiten, was nicht jedem Spieler entgegen kommt. Doch die harte Gangart Hartleys findet Anklang und Erfolg: «Am Schluss hat das Puzzle aber einfach gepasst», sagt Kuchta weiter.

Magische Augenblicke

Drei Momente beziehungsweise drei Schlüssel-Tore haben in den Augen des Hockeyexperten die Meisterschaft entschieden:

Der Glückstreffer beim vierten Playoff-Spiel gegen den favorisierten HC Davos: Patrik Bärtschi trifft in der 34. Minute und schiesst die ZSC Lions dank dem 1:0-Heimsieg in die Playoff-Halbfinals.

Dann das Tor im fünften Finalspiel gegen den SC Bern: Die Berner haben ihren ersten Meisterschafts-Puck und verspielen ihn. Mathias Seger trifft in der Overtime mit einem haltbaren Schuss. Das scheint die Wende zu sein. Nun sind die Zürcher psychologisch im Vorteil, dieses Tor hat sie zusätzlich beflügelt.

Steve McCarthy
7 Bilder
David Jobin 24. April 2010. SC Bern - Servette 4:1 (Endstand: 4:3). Der Verteidiger ist der aktuelle (und immer noch aktive) der insgesamt vier Berner Meisterschützen. Sein Treffer zum 2:1 in der 12. Minute raubte den Genfern nach deren früher Führung den Glauben an den Sieg.
Reto von Arx 3. April 2009. Kloten Flyers - Davos 1:2 (3:4). Die Kloten Flyers stürmten und wollten vor eigenem Publikum den Titel holen, der HCD verteidigte und konterte. Reto von Arx schloss einen dieser Gegenstösse in der 32. Minute zum 0:2 ab. Es sollte das Siegtor bedeuten.
Robin Leblanc 9. April 2007. Davos - SC Bern 1:0 (4:3).. Den einzigen Treffer in einem siebten Finalspiel zu erzielen, ist fast so wertvoll, wie in der Overtime zu treffen. Dem Davoser Robin Leblanc gelang dieses Kunststück in der 45. Minute eines enorm spannenden Spiels.
Marc Weber 10. April 2004. Lugano - SC Bern 3:4 n.V. (2:3). Marc Weber sorgte für einen magischen Moment in der Geschichte des SC Bern. Sein Treffer in der 15. Minute der Verlängerung brachte die Entscheidung in der Best-of-five-Finalserie gegen den HC Lugano.
Robert Triulzi 11. April 1992. Fribourg-Gottéron - Bern 1:4 (2:3). Slawa Bykow und Andrej Chomutow durften nur am Meisterpokal schnuppern, ihn aber nicht in die Höhe stemmen. Roberto Triulzi erzielte für den SC Bern auf dem Weg zum klaren Erfolg im fünften Finalspiel den 1:2-Sieg.
Alan Haworth 11. März 1989. Lugano - Bern 2:4 (2:3). Der legendäre SCB-Kanadier Alan Haworth erzielte in der 53. Minute des entscheidenden, fünften Spiels das 2:3 und ebnete seinem Team den Weg zum überraschenden Meistertitel gegen das scheinbar übermächtige Lugano.

Steve McCarthy

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Die nötige Portion Glück

Und das dritte goldige Tor, das Meisterschaftstor von Steve McCarthy, drei Sekunden vor Schluss. Das Tor ist symptomatisch für den Lauf der Dinge. Verteidiger McCarthy hat zuvor für die Zürcher in der Qualifikation lediglich drei Mal getroffen.

Der Treffer war nicht zwingend, Bern spielte besser und hatte mehr Spielanteile als der ZSC. Aber die Zürcher waren nicht nur zur richtigen Zeit in der richtigen Form, sie hatten auch das Glück auf ihrer Seite.

Fünf Spieler, die herausragen

Der Schlüssel zur Meisterschaft liegt aber auch in herausragenden Einzelleistungen. Dabei stechen seitens der Zürcher fünf Spieler heraus:

Torhüter Lukas Flüeler: Er spielt ruhig und abgeklärt, hat das Vertrauen seiner Mitspieler auf seiner Seite und hält einfach alles. Kein Wunder sehen die Zürcher Fans in ihm den würdigen Nachfolger der abtretenden Legende Ari Sulanders.

Mathias Seger: Der Captain ist der Leader im Team. Ein Jochbein-Bruch zu Beginn der Saison hindert ihn lange, doch dann schlägt er in für den ZSC entscheidenden Momenten zu.

Jeff Tambellini: Der Topskorer, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Tambellini hat nicht nur vorne für Druck gesorgt, sondern eben auch grandiose Verteidungsarbeit geleistet.

Luca Cunti: Er macht die Spiele unberechenbar, läuferisch und technisch einer der stärksten Spieler in der Liga.

Andres Ambühl: Der ehemalige Davoser zeigte, wieso er einer der besten Schweizer Hockeyaner ist: läuferisch schnell, furchtlos und bisweilen sogar kaltblütig. Er ist der Quälgeist für die Gegner.

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