Warum diese Schwierigkeiten? Es spielt eine Rolle, dass Aussenseiter am Anfang des Turniers noch bei Kräften sind und über sich hinauswachsen. Erst recht, wenn sie exzellent gecoacht sind wie die Österreicher mit Nationaltrainer Roger Bader. Es ist einfacher, gegen Russland oder Kanada als gegen Österreich spektakuläre Spielzüge aufs Eis zu zaubern.

Der Fehlstart ist also kein Grund zur Sorge. Die Mannschaft ist hoch motiviert, jung, dynamisch, robust und talentiert. Vorne haben wir mit Enzo Corvi und Nino Niederreiter ein Traumduo, das sich gegen jeden Gegner der Welt durchsetzen kann. Die beiden haben uns gegen Österreich vor der totalen Blamage gerettet.

Nino Niederreiter jagte den Puck nach einem göttlichen Rückpass von Enzo Corvi zum 1:0 ins Netz und Enzo Corvi überlistete Weltklasse-Torhüter Bernhard Starkbaum in der Verlängerung zum Siegestreffer und stellt dann fest: «Letztlich sind wir die richtigen Sieger».

Zwischen dem 1:0 und dem 3:2 haben wir ein wildes Spiel gesehen. Nach dem 2:0 stehen die Zeichen auf sicheren Sieg. Doch in der 32. Minute dreht Sven Andrighetto durch. Einen anderen Ausdruck als «durchdrehen» gibt es für diese Aktion nicht. Er zerfetzt mit einem Kniestich das Knie von Steven Strong.

Nationaltrainer Roger Bader wird nach dem Spiel sagen: «Er wird monatelang ausfallen. Nach einer ersten Untersuchung hat unser Arzt gerissene Seitenbändern und gerissene Kreuzbänder diagnostiziert.» Patrick Fischer wird zu dieser Szene lediglich sagen: «Bei dem Check steckte sicher ein wenig Frust dahinter.».

Item, die logische Konsequenz: Fünf Minuten plus Restausschluss und mindestens fürs heutige Spiel gegen die Slowakei gesperrt. Das Powerplay nützt Ambris Dominic Zwerger, der Nino Niederreiter der Österreicher, zum Anschlusstreffer (1:2).

Die Schweizer geraten aus dem Tritt. Der Ausgleich zum 2.2 fällt nach einem spektakulären Scheibenverlust von Dean Kukan hinter dem eigenen Tor. Aber diese Mannschaft ist intakt. Am Ende setzen sich Wille, Mut, Talent und Wucht zum Siegestreffer in der Verlängerung durch. Der Sieg ist bei 41:19 Torschüssen letztlich logisch.

Gleich vier Ambri-Spieler

Patrick Fischer hat also recht, wenn er seine Mannschaft lobt. «Kompliment an die Mannschaft, wir sind sehr gut ins Spiel gestartet. Es sind doch viele junge Spieler dabei. Wir haben viele Chancen kreiert. Nach dem 2:1 war das Spiel wieder offen und wir haben es verpasst, das 3-1 zu erzielen. Schlussendlich haben wir verdient gewonnen.»

Zu den Besonderheiten dieser Auftaktpartie gehört es, dass nur ein Zuger (Captain Raphael Diaz) aber gleich drei Spieler von Ambri im Einsatz waren: Michael Fora mit der Schweiz, Dominic Zwerger und der künftige Ambri-Stürmer Fabio Hofer bei Österreich.

Ambris Captain ist das WM-Debut gelungen. Michael Fora machte seine Defensivarbeit tadellos, spielte einfach, hielt die Fehlerquote tief und ging nach 15:12 Minuten Eiszeit mit einer 0:0-Bilanz vom Eis.

«Ich habe mich gut gefühlt und dieses Spiel so vorbereitet, wie alle anderen Partien auch. Einfach spielen, in der eigenen Zone hart einsteigen - nicht mehr und nicht weniger.» Auch Raphael Diaz war ohne Fehl und Tadel: 1:0-Bilanz (er war beim 1:0 auf dem Eis) und mit 23:30 Minuten am meisten Eiszeit von allen Schweizern.  

Grosse WM oder «Knorz»?

Ob es tatsächlich eine grosse WM wird oder doch ein «Knorz», könnte sich zu einem grossen Teil bereits im zweiten Spiel heute Abend (20.15 Uhr) gegen die Slowakei entscheiden. Für die Viertelfinals braucht es mindestens Platz vier. Schweden, Russland und Tschechien sind wohl gesetzt. Der vierte Rang dürften die Schweiz und die Slowakei untereinander ausmachen.

Auf den ersten Blick eine schier aussichtslose Sache. Wir spielen zwar in Ermangelung grosser Gegner während der Saison ständig gegen die Slowaken. Bisher sind es seit 1994 sage und schreibe 67 Partien. Im Rahmen einer WM haben wir bisher jedoch lediglich sechs Mal gegen den «kleinen Bruder» der Tschechen gespielt – und nie gewonnen.

Es ist Zeit für den ersten Sieg im Rahmen einer WM. Die Slowakei hat bei weitem nicht mehr die Qualität der frühen Jahre. Der WM-Finalist von 2000 und 2012 und Weltmeister von 2002 ist in der Weltrangliste nur noch die Nummer 10 (Schweiz 8.).