Eishockey
Wie Silberheld Michael Fora auf dem Abstellgleis strandete

Nationalspieler Michael Fora zog im Sommer aus, um sein Glück in Nordamerika zu finden. Ein paar Wochen später kehrt er desillusioniert nach Hause. Ambri dürfte glücklich sein über ihren verlorenen Sohn.

Marcel Kuchta
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Michael Fora an der Medienkonferenz zum Wechsel zu den Carolina Hurricanes am 15. Juni 2018 in Bellinzona. Nun ist er bereits wieder zurück.

Michael Fora an der Medienkonferenz zum Wechsel zu den Carolina Hurricanes am 15. Juni 2018 in Bellinzona. Nun ist er bereits wieder zurück.

Keystone

Es war ein traumhafter Frühling für Michael Fora. Der Captain des HC Ambri-Piotta schaffte etwas überraschend den Sprung ins Schweizer WM-Team. An den Titelkämpfen in Dänemark spielte er dann auf dem Weg zur sensationellen Silbermedaille eine wichtige Rolle und etablierte sich als feste Grösse in einer starken Mannschaft. Seine starken Leistungen blieben auch den NHL-Verantwortlichen nicht verborgen. Die Carolina Hurricanes boten dem 23-Jährigen einen Vertrag an.

Fora machte von seiner Ausstiegsklausel in Ambri Gebrauch und unterschrieb einen 2-Weg-Kontrakt. Im Wissen, dass die AHL, die zweithöchste Stärkeklasse in Nordamerika, wohl seine Destination sein würde. Aber mit der Hoffnung, dass er sich vielleicht doch für den einen oder anderen NHL-Einsatz empfehlen könnte.

Keine Chance

Doch der «Silberheld» hatte die Rechnung ohne die sportlichen Verantwortlichen der Hurricanes gemacht. Die gaben ihrer Neuerwerbung aus der Schweiz gar keine echte Chance, sich zu bewähren. Kurz nach Beginn des Trainingslagers wurde Fora bereits ins Farmteam versetzt. Ohne überhaupt eine Möglichkeit zu bekommen, sich wenigstens in einem Testspiel für höhere Aufgaben empfehlen zu können.

Bei den Charlotte Checkers in der AHL wurde seine Situation nicht viel besser. Der Nationalverteidiger kam nur in einem von sechs Spielen zum Einsatz. Als man ihm vergangene Woche schliesslich beschied, dass er noch eine Stufe weiter nach unten, in die East Coast Hockey League (ECHL) versetzt werden soll, entschied er sich dafür, das Nordamerika-Experiment abzubrechen. Sein Vertrag wurde aufgelöst. Am Montag kehrte Michael Fora zu seinem Stammklub Ambri, wo er noch einen bis 2021 gültigen Vertrag besitzt, zurück.

«Wusste, dass es hart werden würde»

Trotz des unter dem Strich miserablen Laufs der Dinge hält sich die Enttäuschung des Verteidigers in Grenzen: «Ich wusste von Anfang an, dass es hart werden würde. Es gab viele starke Jungs im Camp und ich bin mir meiner Limiten als Spieler bewusst. Ich verstand schnell, dass ich nicht viele Chancen hatte, denn ich war einer der Einzigen, die mit Carolina kein Freundschaftsspiel bestreiten durften. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir schon eine Vorstellung davon gemacht, in welche Richtung es gehen könnte.»

Und nach den Entwicklungen in Charlotte war er auch nicht überrascht, dass man ihn in die ECHL «entsorgen» wollte. Fora: «Ich wäre bereit gewesen, in der AHL auf meine Chance zu warten, aber nicht in der ECHL.» Fest steht: In der Leventina ist man mit Sicherheit überglücklich über die Rückkehr des verlorenen Sohns.