HC Davos

Wie geht es weiter mit dem Spengler Cup? Die Frage nach dem Mut zum Risiko

Volle Halle, gute Stimmung: Der Spengler Cup ist ein Erfolgsprodukt.Keystone

Volle Halle, gute Stimmung: Der Spengler Cup ist ein Erfolgsprodukt.Keystone

Der Spengler Cup ist für den HC Davos die Existenz-Grundlage. In drei Jahren laufen wichtige Verträge aus. Das eröffnet neue Perspektiven.

Es war in der zu Ende gehenden Woche fast ein bisschen wie bei einem Adventskalender. Jeden Tag trudelte eine Medienmitteilung des HC Davos ein, in der bekannt gegeben wurde, dass Verträge mit Spielern und mit Sponsoren verlängert wurden oder ein neuer Trainer engagiert wurde. Am Freitag leitete der offizielle Nachfolger von ArnoDel Curto, Harijs Witolinsch, sein erstes Training in der Vaillant-Arena. Am Wochenende wird er erstmals an der Bande des HCD stehen.

Haris Witolinsch heisst der neue HCD-Trainer

Haris Witolinsch heisst der neue HCD-Trainer

Angesichts der fast tumultuösen Veränderungen rund um den Rekordmeister geht fast vergessen, dass am Mittwoch die Veranstaltung beginnt, welche die eigentliche Lebensader des HC Davos ist: der Spengler Cup. Das Traditionsturnier findet heuer zum 92. Mal statt. Und hat nichts von seiner Faszination eingebüsst. Auch in diesem Jahr werden die Eishockey-Fans in Scharen (oder besser gesagt: in Bussen) in den Kurort pilgern. Die Car-Anbieter melden ein ungebrochen hohes Interesse an den Tagesausflügen nach Davos.

Auch die Organisatoren selber dürfen sich über das Erfolgsmodell Spengler Cup freuen. Das Turnier ist in diesem Jahr «ausvermarktet» – sprich jedes mögliche Sponsoringpaket konnte verkauft werden. Das ist – auch angesichts der aktuellen sportlichen Misere von Gastgeber HC Davos – keine Selbstverständlichkeit. Kein Wunder, ist Spengler-Cup-Geschäftsführer Marc Gianola zufrieden, wie sich das Produkt entwickelt hat: «Das Turnier hat noch nie so geboomt wie jetzt. Wir haben 98, 99 Prozent Stadionauslastung. Wir sind punkto Sponsoren top. Es funktioniert sehr, sehr gut.»

Der Spengler Cup bringt eine fast hundertprozentige Zuschauer-Auslastung

Der Spengler Cup bringt eine fast hundertprozentige Zuschauer-Auslastung

Als der HC Davos die Vermarktung des Traditionsanlasses vor zwei Jahren selbst übernahm, da war das mit gewissen Risiken verbunden. Vorher erhielt man von der Sportagentur IMG garantiert über zwei Millionen Franken pro Ausgabe. Inzwischen steht fest, dass sich das Risiko für den HCD gelohnt hat. Das Ziel, die jährlich 850 000 Franken, die man an die anderen National-League-Klubs für die Einhaltung der Meisterschaftspause zwischen Weihnachten und Neujahr zahlen muss, durch die Selbstvermarktung einzunehmen, hat man erreicht.

Bleibt die Frage, ob der HC Davos in Zukunft noch einen Schritt weiter gehen soll und mit dem Ablauf des Ligavertrags, der im Jahr 2021 endet, auf die teuer erkaufte, gesperrte Woche verzichten soll. Noch ist ein solches Szenario natürlich weit weg. Dennoch machen sich die HCD-Protagonisten bereits entsprechende Gedanken über verschiedene Varianten.

Marc Gianola sagt: «Bis jetzt sind wir sehr gut gefahren mit diesem Vertrag. Die Liga pausiert. Ein ganzes Land hat Freude an diesem Event. Der Spengler Cup ist ein Eishockey-Festival.»

Doch auch der ehemalige HCD-Captain sieht natürlich Möglichkeiten, wie das im Falle eines Verzichts auf den geschützten Rahmen frei werdende Geld eingesetzt werden könnte. «Wir müssen uns überlegen, ob wir die 850 000 Franken nicht anderweitig investieren könnten. Zum Beispiel das Preisgeld erhöhen. Oder für die Mannschaften die Qualität des Aufenthalts steigern.»

Für HCD-Präsident Gaudenz Domenig ist die Durchspiel-Option – stand jetzt – ebenfalls keine utopische Vorstellung: «Diese Möglichkeit wird sicher näher untersucht – schon alleine aus Sorgfaltspflicht. Ist sie realistisch? Dafür ist es noch zu früh. Wir sind am Sondieren. Aber es müssten alle wesentlichen Beteiligten einverstanden sein.» Generell gesehen, sei das Turnier für den HC Davos unter den gegebenen Umständen profitabel. Domenig: «Wenn wir dieses Niveau halten können, ist das für uns schon mal gut.»

Der Spengler Cup ist vor allem auch für das Team Canada jedes Jahr ein Highlight

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TV-Vertrag als Trumpf?

Ein gewichtiger Faktor in dieser Diskussion wird das Thema Live-Übertragung (im TV und online) sein. Der Vertrag mit dem Schweizer Fernsehen läuft ebenfalls bis und mit der Ausgabe 2021. Aber auch die Schweizer TV-Landschaft hat sich punkto Eishockey-Berichterstattung mit dem Einstieg von «MySports» massiv verändert.

Die Einnahmen der National- und Swiss-League-Klubs haben sich von 17 auf 35 Millionen Franken pro Saison mehr als verdoppelt. Diesbezüglich sieht man beim HCD natürlich Potenzial – oder gar einen Trumpf? Domenig sagt: «Live-Formate werden für das traditionelle Fernsehen immer wichtiger.

Der Wert dieser Formate ist also eher steigend, was man nicht zuletzt auch beim aktuellen Fernsehvertrag mit der Liga sehen konnte. Wie sich das dann auswirkt auf unsere Verhandlungen mit dem Schweizer Fernsehen, ist noch offen. Möglich aber, dass auch hier ein Wettbewerb entsteht.» Der Mut zum Risiko könnte sich also lohnen.

Der Blick von HCD-Präsident Gaudenz Domenig in die Zukunft ist nicht nur sorgenfrei, beim Thema Spengler Cup hat er aber gut lachen

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