Kann das Zufall sein? Beim Besuch der Geschäftsstelle der Kloten Flyers im August des letzten Jahres streikte die Kaffeemaschine. 13 Monate später funktioniert das Teil tadellos. Es ist fast so, als würde diese Kaffeemaschine den Allgemeinzustand des Klubs verkörpern.

Aus den Kloten Flyers wurde im Sommer nicht nur der EHC Kloten. Aus der luxuriösen, aber defektanfälligen Latte-macchiato-produzierenden Kaffeemaschine wurde ein simpler Espresso-Kapselautomat, der genauso mundenden Kaffee produziert. Einfach viel billiger – und somit besser verträglich.

Als im Mai 2015 die in den USA beheimatete Avenir-Gruppe neuer Besitzer der damaligen Flyers wurde, da herrschte in Kloten eine Mischung aus Erleichterung und Ungewissheit. Man konnte sich nicht so richtig vorstellen, was die Investoren aus Nordamerika mit ihrem Engagement in der Flughafenstadt genau bezwecken. Was folgte, war eine beispiellose Entfremdung zwischen dem Klub und seiner Basis.

Die Zahl der Saisonkartenbesitzer ging mit der Einführung von neuen, unpopulären Abo-Modellen um 1000 Einheiten zurück. Schon im November des vergangenen Jahres waren in Kloten erste Signale von ennet dem Atlantik zu vernehmen, dass man sich das ganze Engagement ganz anders vorgestellt hatte.

Die Zuschauerzahlen waren weit unter den Erwartungen geblieben. Es war der Anfang jener turbulenten Zeit, die im Frühling dieses Jahres im eigentlichen Überlebenskampf der Kloten Flyers und nach dem Rückzug der Avenir-Gruppe schliesslich in der Übernahme durch Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann mündete.

Oberste Priorität: Budgettreue

Jetzt, ein paar Monate später, heissen die Kloten Flyers nicht mehr Flyers, sondern – wie früher – EHC Kloten. Nicht nur der Namenswechsel sollte einen Neuanfang propagieren. Lehmann hat die (Über-)Flieger wieder auf den Boden zurückgeholt. Die Entfremdung, die schon vor Jahren mit dem Regime des über seinen Verhältnissen lebenden Präsidenten Jürg Bircher begann, musste gestoppt werden.

Die Glaubwürdigkeit, die nach Jahren der Misswirtschaft gegen null tendierte, muss erst noch wiederhergestellt werden. Klotens starker Mann im Hintergrund, CEO Matthias Berner (der auch die Rettung im Frühjahr zusammen mit Rechtsanwalt und VR-Mitglied Michael Kloter orchestrierte), schätzt, dass die diesbezüglichen Reparaturarbeiten unter Umständen noch ein Jahr dauern können. «Die Leute wollen erst sehen, ob wir es wirklich ernst meinen mit unserer Politik der Vernunft.»

Politik der Vernunft heisst vor allem: strikte Einhaltung des Budgets und damit vorderhand auch der Verzicht auf die Verpflichtung eines vierten Ausländers. Auch wenn das sportlich gravierende Auswirkungen haben könnte. «Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass der gewünschte Effekt sowieso meistens ausbleibt», sagt Berner.

Die Spieler des EHC Kloten durften in dieser Saison bereits sechs Siege bejubeln.

Die Spieler des EHC Kloten durften in dieser Saison bereits sechs Siege bejubeln.

Sportlich ist die Meisterschaft für die Klotener, die mit wenig Kredit ins Rennen stiegen, bisher überraschend gut verlaufen. Die Mannschaft, deren Spieler in dieser Saison reduzierte Saläre in Kauf nehmen, präsentiert sich als kämpferische Einheit und sorgt so beim zuletzt vergraulten Publikum für Wohlbefinden. Präsident Lehmann ist in der Swiss-Arena präsent und sucht aktiv den Kontakt mit Gönnern und Sponsoren. Der EHC Kloten soll in jeder Beziehung wieder greifbar werden. Eben: lieber Espresso als Latte macchiato.