HCD-Verteidiger Noah Schneeberger wird von seinem Klotener Gegenspieler mit der Hand an der Schulter zurückgehalten. Schneeberger hebt ab und landet mit einem dreifachen Toeloop beeindruckend dramatisch auf dem Eis.

Kloten-Verteidiger Philippe Schelling wird vom Davoser Beat Forster mit dem Stock am Oberarm getroffen. Schelling fällt um wie eine Tanne, mimt den sterbenden Schwan und tut so, als ob er einen Schlag gegen den Kopf erhalten hat.

Zwei schauspielerisch einwandfreie Darbietungen hatten dasselbe Resultat: Beide Male schnellte der Arm des Schiedsrichters nach oben, der «Täter» wurde für zwei Minuten auf die Strafbank geschickt. Mag sein, dass in beiden Aktionen ein Foul im Spiel war und die Strafen halbwegs gerechtfertigt waren. Dass aber sowohl Schneeberger als auch Schelling für ihr unsportliches Verhalten ungeschoren davonkamen, sagt viel über die momentan wohl grösste Baustelle unseres Eishockeys aus: die Schiedsrichter.

Die Unparteiischen sind bisher allzu oft Hauptdarsteller im grossen Playoff-Theater. Dabei müssten sie eigentlich eine Statistenrolle spielen. Schiedsrichter sind bekanntlich dann am besten, wenn man sie während eines Spiels gar nicht wahrnimmt. Die Playoff-Serie zwischen den Kloten Flyers und dem HC Davos wurde von Partie zu Partie gehässiger, weil die Refs in den entscheidenden Momenten oft eine sehr unglückliche Figur machten.

Dem Duo Massy/Mandioni entglitt die Kontrolle in der zweiten Partie am vergangenen Donnerstag vollständig. Das Duo Stricker/Prugger agierte am Samstag etwas besser, konnte am Ende aber auch nicht verhindern, dass es zu üblen Szenen und versteckten Revanchefouls kam. So sehr man auch die Spieler für ihr Verhalten kritisieren darf: Letztlich haben die «Zebras» den Nährboden für die Eskalation gelegt.

Bisweilen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob einige Schiedsrichter im Verlauf der Saison ihr Selbstvertrauen irgendwo in den Schweizer Eishallen verloren haben. Statt die bisweilen harten Zweikämpfe mit Fingerspitzengefühl zu beurteilen und laufen zu lassen, klammert man sich in den dümmsten Momenten an die «Null-Toleranz» und pfeift Strafen, die die Spieler vor Rätsel stellen.

Was vor fünf Minuten noch erlaubt war, wird plötzlich sanktioniert. So pedantisch bisweilen gepfiffen wird, so unfassbar ist es oft, mit welchen Aktionen Spieler straffrei davonkommen. Die Anzahl versteckter Stockschläge und Cross-Checks ist beträchtlich. Gerade in der Serie zwischen Kloten und Davos tendiert der Respekt vor der Gesundheit des Gegenspielers mittlerweile gegen null.

Dass es durchaus möglich ist, hart, aber fair Eishockey zu spielen, haben die Olympischen Spiele bewiesen. In Sotschi bekämpften sich die besten Spieler der Welt immer am Limit, aber in der Regel im Bereich des Erlaubten. Vor allem deshalb, weil es die Spielleiter zuliessen. Es ist vermutlich auch kein Zufall, war in Russland kein Schweizer Schiedsrichter mit dabei.

Was tun? Dass wir bei uns genügend Referees haben, die ihr Handwerk eigentlich beherrschen, ist unbestritten. Es wäre nun nützlich, wenn sie wieder auf ihre Fähigkeiten vertrauen würden. Den gesunden Menschenverstand walten lassen und nicht jeden Mist abpfeifen. Nicht bei jedem Aufschrei des Publikums panikartig eine Strafe anzeigen. Oft ist weniger mehr - vor allem während der Playoffs.