Dass sich das hiesige Eishockey auf dem Vormarsch befindet, das unterstreicht die zweite WM-Silbermedaille innert fünf Jahren. Immer mehr Schweizer nehmen den beschwerlichen Weg in Nordamerika auf sich und setzen sich in der besten Liga der Welt durch. Das Selbstverständnis dieser Spieler ist gross, was die WM in Kopenhagen verdeutlicht hat. Aktuell sind 18 Schweizer in nordamerikanischen Profiligen tätig, 12 figurieren in den NHL-Kadern.

Einen grossen Schritt vorwärts machten in der vergangenen Spielzeit Kevin Fiala und Timo Meier. Fiala bestritt seine erste komplette NHL-Saison und überzeugte mit 26 Toren und 26 Assists in 92 Partien - nur drei Mitspieler der Nashville Predators erzielten mehr Treffer als der 22-jährige Stürmer aus Uzwil. Gelingt dem Filigrantechniker die Bestätigung, dann gehört er ab dem kommenden Sommer zu den Grossverdienern. 2019 läuft Fialas dreijähriger Einsteiger-Vertrag aus. Das gilt auch für Timo Meier, der sich in der gleichen Situation befindet. Der 21-jährige Herisauer hat in der letzten Saison mit 23 Toren und 18 Assists in 91 Spielen den Durchbruch bei den San Jose Sharks geschafft. Nun will der willensstarke Powerstürmer eine noch grössere Rolle einnehmen, was ihm zuzutrauen ist.

San Jose und Nashville hoch gehandelt

Fiala und Meier haben eine weitere Gemeinsamkeit. Beide sind in Organisationen tätig, die hoch gehandelt werden. 7 von 18 Experten eines Panels auf der NHL-Homepage glauben, dass die San Jose Sharks den Stanley Cup gewinnen. Es wäre für die Kalifornier eine Premiere. Zwar haben sie in den vergangenen 20 Jahren 18 Mal die Playoffs erreicht, mehr als ein Finaleinzug im Jahr 2016 (2:4 Siege gegen die Pittsburgh Penguins) schaute jedoch nicht heraus. Nun aber gelang den Sharks mit dem Trade von Erik Karlsson von den Ottawa Senators ein Coup. Der 28-jährige Schwede war in den letzten Jahren der beste Offensivverteidiger der Liga, sammelte in 675 Partien sagenhafte 555 Skorerpunkte (132 Tore).

Nashville besitzt ebenfalls ein Team für den Titel. Die Predators scheiterten in den letzten Playoffs in ihrem Viertelfinal mit 3:4 Siegen an den Winnipeg Jets, nachdem sie zum ersten Mal die Presidents' Trophy für die beste Mannschaft der Qualifikation gewonnen hatten. Nach dem bitteren Ausscheiden ist die Motivation umso grösser. Der Optimismus beim Berner Verteidiger Roman Josi, der sein zweites Jahr als Captain der Predators in Angriff nimmt, ist jedenfalls gross. Die Equipe aus dem Bundesstaat Tennessee, bei der mit Verteidiger Yannick Weber ein dritter Schweizer unter Vertrag steht, blieb praktisch unverändert.

Allerdings hat die vergangene Saison gezeigt, dass Voraussagen in der NHL äusserst schwierig sind. Wer hätte gedacht, dass die Vegas Golden Knights in ihrer ersten Saison den Final erreichen? Wohl niemand. Las Vegas ist auch diesmal einiges zuzutrauen. Nicht mehr zum Team aus Nevada gehört Luca Sbisa, der keinen neuen Vertrag erhielt. Der Zuger Verteidiger musste sich lange gedulden, ehe er bei den New York Islanders doch noch für ein Jahr Unterschlupf fand. Die Folge ist eine saftige Lohneinbusse von 4 auf 1,5 Millionen Dollar. Insofern steht auch der junge Familienvater vor einer wegweisenden Saison.

Neben Fiala, Meier und Sbisa laufen im kommenden Sommer auch die Verträge von Sven Andrighetto (Colorado Avalanche), Denis Malgin (Florida Panthers), Mirco Müller (New Jersey Devils) und Vincent Praplan (San Jose Sharks) aus. Letzterer muss allerdings die Saison in der AHL beim Farmteam San Jose Barracuda beginnen und dürfte es schwer haben, zu NHL-Einsätzen zu kommen.

Gelingt Hischier der nächste Schritt?

Gespannt sein darf man auf Nico Hischier. Der letztjährige Nummer-1-Draft überzeugte in seiner ersten NHL-Saison mit 21 Toren sowie 32 Assists in 87 Spielen und erhielt gar von Eishockey-Ikone Wayne Gretzky ein Lob. Die Erwartungen an den 19-jährigen Center sind nun aber gestiegen. Es wartet also der nächste Schritt auf ihn, wobei Hischier die Sache locker wie immer angeht.

Zu seinem Debüt in der NHL könnte Jonas Siegenthaler kommen. Der 21-Jährige zeigte bei Titelverteidiger Washington Capitals ein starkes Camp. Zwar musste er am Ende doch noch zum Farmteam Hershey Bears, er dürfte aber bei Verletzungen eine Chance erhalten.

Sven Bärtschi, von den Vancouver Canucks mit einem Dreijahres-Vertrag über 10,1 Millionen Dollar ausgestattet, steht nach den Rücktritten der Sedin-Zwillinge noch mehr in der Verantwortung. Nino Niederreiter will mit den Minnesota Wild endlich auch in den Playoffs brillieren, und Dean Kukan darf bei den Columbus Blue Jackets auf mehr Einsätze hoffen.