Frauen Hockey
Wegen Lockout – Frauen-Hockey in Kanada boomt

Die kanadische Frauen-Hockeyliga (CWHL) profitiert vom NHL-Lockout und zieht diese Saison so viele Zuschauer wie noch nie in die Stadien. Mittendrin und im Fokus des Interesses steht mit Florence Schelling eine Schweizerin.

Marco Huwyler
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Die Schweizer Torhüterin Florence Schelling zeigt auch in Kanada herausragende Leistungen.

Die Schweizer Torhüterin Florence Schelling zeigt auch in Kanada herausragende Leistungen.

Die hockeyverrückten Kanadier wollen auch während des Lockouts nicht auf ihre Lieblingssportart verzichten und suchen stattdessen Alternativen zur NHL. Eine davon ist die 2007 gegründete Canadien Women’s Hockey League. Viele Fans der kanadischen NHL-Klubs pilgern heuer statt an die Spiele ihrer pausierenden Lieblingsmännerteams an die Partien der besten Hockey-Frauenliga der Welt.

Dies schlägt sich dann auch in den Zuschauerzahlen nieder. Über 5000 Zuschauer wollten sich die Partie zwischen Toronto und Alberta ansehen, was einen neuen Zuschauerweltrekord für ein Frauen-Eishockeyspiel bedeutete. Die Fans sorgten für eine beeindruckende Ambiance und für Begeisterung bei den Spielerinnen. Sichtlich euphorisiert und gerührt angesichts der Stimmung und des Interesses, war denn auch der Captain der siegreichen Toronto Furies, Tessa Bonhomme. «Dieser Sieg ist euer Sieg. Ihr wart grossartig», meinte sie überwältigt, als sie sich nach dem Spiel per Mikrofon an die Fans wandte.

Insgesamt hat sich der Zuschauerschnitt der Frauenliga diese Saison im Vergleich zum letzten Jahr mehr als verdoppelt - wenn auch auf eher bescheidenem Niveau. Im Durchschnitt sahen sich 353 Zuschauer die Partien der CWHL an (177 im Vorjahr). Besonders in Toronto scheinen viele Fans des NHL-Teams Maple Leafs, auf die Frauenligaspiele auszuweichen. Dort hat sich der Zuschauerschnitt der ortsansässigen Furies mehr als verfünffacht (durchschnittliche Zuschauer 2012: 766, 2011: 179).

Derweil steht mitten im Frauen-Hockey-Boom eine Schweizerin im Zentrum der Aufmerksamkeit und sorgt mit ihren Leistungen für Aufsehen. Florence Schelling hat sich in ihrem ersten CWHL-Jahr als Stammtorhüterin bei Brampton etabliert und zeigt herausragende Leistungen. Die 23-jährige Zürcherin bringt die gegnerischen Stürmerinnen mit ihren Paraden regelmässig zur Verzweiflung und ist statistisch gesehen eine der besten Torhüterinnen der Liga. Dies wird auch dementsprechend honoriert. Schelling wurde vom amerikanischen Online-Portal bleacherreport.com eine riesige Ehre zuteil, als sie diese Woche als beste Eishockeyspielerin der Welt betitelte wurde.

Diese Anerkennung in der besten Frauen-Hockeyliga der Welt rundet für Florence Schelling ein grossartiges Jahr ab, welches schon im Frühjahr einen ersten Höhepunkt erreicht hatte. Im letzten April gewann Schelling mit der Schweiz überraschend WM-Bronze. Die Freundin von NHL-Star Yannick Weber war auch da herausragend und wurde zurecht zur besten Spielerin des Turniers ausgezeichnet.

Zeigt Schelling weiterhin in solcher Regelmässigkeit ihre Weltklasse, zieht das Frauenhockey hierzulande vielleicht in Zukunft auch vermehrt das Interesse auf sich. Hoffentlich ohne dazu einen Lockout zu benötigen.

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