Das Spiel ist aus, die Saison zu Ende. Servette hat soeben gegen Zug in der Verlängerung 4:5 verloren. In seinem Büro im Bauch des Stadions spricht Servettes Coach, Manager und Mitbesitzer Chris McSorley Tacheles. Der Kanadier ist stolz (auf sein Team), enttäuscht (über das knappe Scheitern), zornig (über die Politiker der Stadt) – und ganz glücklich (über die Niederlage und das Ausscheiden).

Weil er davon ausgeht, dass der Druck auf die Politiker jetzt maximal ist. «Wenn wir trotz des Verkaufes von Thomas Déruns ins Halbfinale gekommen wären, so würde es heissen: Was jammert ihr? Es geht euch ja grossartig.» Und er stellt ein riskantes Ultimatum: «Wir haben am 28. März eine Sitzung mit den politischen Vertretern der Stadt. Entweder wir bekommen die definitive Zusage für den Bau einer neuen Arena. Oder es gibt Servette als Spitzenteam nicht mehr.»

McSorley und das Business

Versprechungen und Drohungen hat es in der Sache schon viele gegeben, seit der Bruder des früheren NHL-Spielers Marty McSorley im Sommer 2001 im Auftrag des US-Unterhaltungskonzerns Anschutz Servette in der NLB übernommen und später das Unternehmen selber gekauft hat. Aber die Bedingungen fürs Hockeybusiness haben sich nicht verbessert. Die Politiker (die Stadt ist Besitzerin der Arena) kümmern die Drohungen der Servette-Manager schon lange nicht mehr: Zu oft ist vor dem Wolf gewarnt worden. Er ist nie gekommen. Die Hockeyschafe weiden noch immer ungestört.

Doch diesmal ist Chris McSorley entschlossen wie Rumpelstilzchen: «Wenn alles bleibt, wie es ist, dann reduzieren wir unser Budget für nächste Saison um drei Millionen. Das bedeutet, dass wir weitere Spieler verkaufen müssen. Wir werden eine Mannschaft haben, um in der NLA überleben zu können, und bekommen so eine Saison lang Zeit, um uns nach einem anderen Spielort umzusehen.»

Der Zorn des grossen Servette-Zampano hat einen Grund: Er und seine Freunde haben in der Hoffnung auf «Big Business» in einer neuen Arena viel ins Genfer Hockeygeschäft investiert. McSorley rechnet vor: «In den letzten Jahren sind 12 Millionen Franken in unser Unternehmen investiert worden. Wenn keine Möglichkeit besteht, in einem neuen Stadion das Hockeygeschäft auf einer soliden Basis zu betreiben, dann machen Investitionen in unser Unternehmen keinen Sinn mehr.» Oder, anders gesagt: Bleibt alles, wie es ist, dann haben McSorley und seine Freunde 12 Millionen in den Sand gesetzt.

Gegenseitig unterschätzt

Das Problem liegt wohl darin, dass sich beide Parteien gegenseitig unterschätzen. Chris McSorley kann sich einfach nicht vorstellen, dass eine Stadt ein Sportunternehmen wie Servette fallen lässt. Er vergisst, dass die Politiker in Genf schon den Untergang des Fussballclubs Servette nicht gross gekümmert hat. Und die Politiker nehmen Chris McSorleys Drohungen, die Lichter zu löschen, nicht ernst: Sie können sich nicht vorstellen, dass der Kanadier ein Unternehmen aufgibt, in das er zehn Jahre seines Lebens investiert hat. Sie vergessen, dass der Kanadier kein Genfer ist und keine emotionale Bindung zu der Stadt hat. Er ist hier, um Hockey-Business zu machen. Wenn das Umfeld für dieses Business nicht stimmt, dann geht er von einem Tag auf den anderen und löscht nicht einmal mehr das Licht in seinem Büro.