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Warum NHL-Star Jonas Hiller in Nordamerika zu den Besten gehört

Kein Torhüter in der National Hockey League hat mehr Arbeit als Jonas Hiller: Der Schweizer ist die Lebensversicherung im Tor der Anaheim Ducks. Jamie Sabau/Getty Images

Kein Torhüter in der National Hockey League hat mehr Arbeit als Jonas Hiller: Der Schweizer ist die Lebensversicherung im Tor der Anaheim Ducks. Jamie Sabau/Getty Images

Mit Jonas Hiller von den Anaheim Ducks schreibt ein Schweizer Goalie in der besten Liga der Welt Geschichte.

Nach David Aebischer und Martin Gerber sorgt wieder ein Schweizer Goalie für Aufsehen in der National Hockey League (NHL) in Nordamerika. Jonas Hiller wurde in seiner vierten Saison in der weltbesten Eishockeyliga für das All-Star-Game (am Sonntag) nominiert. Dies gelang zuvor erst einem Schweizer: Mark Streit 2010.

Beim Gastspiel der Anaheim Ducks in Montreal kams am letzten Samstag zum seltenen Aufeinandertreffen von drei Schweizern in der NHL. Yannick Weber in den Reihen der Kanadier spielte gegen Jonas Hiller und Luca Sbisa. Die grösste Aufmerksamkeit zog einmal mehr in dieser Saison der Ex-Torhüter des HC Davos auf sich. «Er hat gezeigt, warum er für das All-Star-Game aufgeboten wurde», schrieb tags darauf die «Journal de Montréal». Von 40 Schüssen wehrte Hiller 37 ab und war damit hauptverantwortlich, dass Anaheim einen 4:3-Sieg nach Penaltyschiessen feiern konnte. Zuletzt blieb der Appenzeller gegen alle drei Penaltyschützen von Montreal ungeschlagen.

Die Lebensversicherung von Anaheim

Nach der starken Leistung auf dem Eis folgte für Hiller hinter den Kulissen der nächste Auftritt, den er nicht minder solid bewältigte. Eine Horde von Medienleuten wollte Auskunft vom Matchwinner der Anaheim Ducks. Der quirlige Schweizer gab zuerst in fliessendem Englisch und nachher für die frankofonen Montrealer auch in fast ebenso gutem Französisch Auskunft.

Schritt für Schritt hat sich der bald 29-jährige Linkshänder in der NHL nach oben gearbeitet. Schon in der ersten Saison (2007/08) nach seinem Wechsel in die Vereinigten Staaten etablierte er sich hinter Jean-Sébastien Giguère als wertvoller Zweitgoalie. Im Jahr darauf stieg er auf gleiche Höhe auf und verdrängte schliesslich letzte Saison den Frankokanadier als Stammgoalie.

1462 Schüsse musste Hiller abwehren

Hillers Vormarsch hielt aber auch in diesem Winter an. Als Lebensversicherung der Ducks rettete der Schweizer in vielen Partien Punkte und Siege, obwohl ihn die jungen Anaheim-Verteidiger häufig im Stich liessen. Inzwischen ist Anaheims Defensive so weit gefestigt, dass Hiller pro Partie nicht mehr 50, sondern «nur» noch 40 Schüsse zu parieren hat. Kein NHL-Torhüter hatte bisher mehr Arbeit als der Schweizer: 1462 Schüsse kamen auf sein Gehäuse. Mit 25 Siegen und einer Abwehrquote von 92,6 Prozent gehört er in den Goalie-Statistiken zu den Besten der Liga.

Darauf angesprochen, sagt Hiller: «Dies war mein erklärtes Ziel. Bei meinem Wechsel nach Nordamerika habe ich gesagt, dass ich nicht nur in der NHL dabei sein, sondern zu den Besten gehören will.» Das Aufgebot zum All-Star-Game am Sonntag in
Raleigh in North Carolina bestätigt, dass Jonas Hiller dieses hohe Ziel erreicht hat. Er gehört unbestritten zu den besten Torhütern in der besten Liga der Welt.

Schweizer Weggeselle

Dass ihm in Montreal ausgerechnet Yannick Weber indirekt einen Puck ins Netz setzte (abgelenkter Distanzschuss), nahm Hiller beiläufig zur Kenntnis. «Ich fokussierte mich aufs Spiel und nahm ihn nicht wahr.» Er habe mit Weber während der Saison kaum Kontakt, deshalb sei dies für ihn nichts Besonderes.

Stattdessen hat sich in Anaheim in den letzten Monaten eine andere Schweizer Zweckgemeinschaft gebildet. Seit Luca Sbisa in der Nähe von Hiller eine Wohnung erhalten hat, unternehmen die beiden auch neben dem Eis viel gemeinsam. «Ich freue mich für ihn, dass er den Sprung ins Team geschafft hat. Er spielt gut, und er passt mir auch als Typ», sagt Hiller. Bleibt abzuwarten, ob das Schweizer Gespann auf und neben dem Eis über die Saison hinaus zusammen bleibt.

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