Alle waren sie bereit für den finalen Jubel in der Patinoire de Malley. Die Lausanner Anhänger hatten die Arme schon siegessicher nach oben gestreckt, als das Unfassbare doch noch geschah: Mikko Kousa erzielte das 4:4. Auf der Matchuhr stand 0:00 – die Zeit war abgelaufen. Die Schiedsrichter mussten das Video konsultieren und stellten fest, dass der finnische Verteidiger des SCB noch innerhalb der regulären Spielzeit getroffen hatte. Ungläubiges Staunen auf der Tribüne, unbeschreibliche Jubelszenen auf der Spielerbank des SC Bern. Welch ein Drama!

Die Emotionen waren verständlich. Denn die Berner hatten in diesem so eminent wichtigen Direktduell um einen Playoff-Platz schon wie der sichere Verlierer ausgesehen. Lausannes überragender Topskorer Harri Pesonen hatte die Waadtländer mit seinem zweiten Tor des Abends 119 Sekunden vor der Schlusssirene mit 4:3 in Führung geschossen. Wenige Sekunden vor Kousas Ausgleich war Pesonens Schuss auf das leere Berner Tor am Innenpfosten abgeprallt. Statt 5:3 stand es schliesslich 4:4.

Siebte Niederlage in Serie, aber...

Dass der SC Bern nach dem verlorenen Penaltyschiessen am Ende trotzdem als Verlierer vom Eis ging und damit statistisch seine siebte Niederlage (davon fünf nach Verlängerung oder Penaltyschiessen) in Serie kassierte, interessierte angesichts des finalen Aufbäumens fast nur noch am Rande. Viel wichtiger war aus Sicht der Berner, dass sie in einem Spiel, in dem der Puck lange Zeit nicht für sie lief, viel Moral bewiesen und einen wichtigen Punkt holten.

Der Abstand auf das über dem Strich klassierte Lausanne beträgt nur zwei Punkte. Hätte man nach 60 Minuten verloren, dann wären es vier Zähler gewesen. Und eine «Nuller»-Niederlage wäre vor dem nächsten Strichschocker in Ambri am kommenden Freitag auch für das sowieso schon angeknackste Selbstvertrauen eine Katastrophe gewesen.

So aber durfte man feststellen, dass diese Mannschaft durchaus noch ein Puls hat. Dass sie ihren Mut und ihren Kampfgeist auch in schwierigen Momenten nicht verliert. Natürlich: Auch in Lausanne waren viele Mängel offensichtlich. Die Angriffsauslösung ist immer noch eine riesige Baustelle, die Defensive bisweilen ein Unsicherheitsfaktor. Auch bei spielerischem Gleichstand brachten die Berner nicht allzu viel Gescheites zustande.

Dass sie alle ihre Treffer mit einem oder zwei Mann mehr als der Gegner auf dem Eis erzielten, sprach diesbezüglich eine deutliche Sprache. Und dann ist da noch das Problem mit dem Penaltyschiessen: Der SCB verlor gestern sein viertes Penaltyschiessen in Serie – und wieder traf kein einziger der acht Berner Schützen.

Umso bemerkenswerter war, dass SCB-Headcoach Lars Leuenberger in diesem wichtigen Spiel in Lausanne ausgerechnet auf Topscorer Cory Conacher verzichtete. Die Begründung war einfach: Der Kanadier hat seit seiner Stippvisite am Spengler Cup mit dem Team Canada nicht mehr getroffen. Und ohne Tore ist Conacher für die Mannschaft keine Hilfe. Leuenberger durfte sich am Ende selber ein wenig auf die Schulter klopfen.

Das eingesetzte Ausländer-Quartett erledigte seinen Job zufriedenstellend. Andrew Ebbett stabilisierte als Center den dritten Block. Derek Roy traf zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung. Und Mikko Kousa gelang der Treffer, der für die Berner vielleicht die Wende zum Guten bedeuten könnte. Dafür muss der SCB in Ambri aber einen genauso couragierten Auftritt hinlegen.