Eishockey
Vor zweitem WM-Spiel: Roussel wie ein Pirat auf Beutezug

Kein Spieler verkörpert den Schweizer Angstgegner Frankreich besser als die Nervensäge Antoine Roussel. Der Franzose, der unlängst in der besten Hockey-Liga der Welt unterschlupf gefunden hat, könnte die Schweiz vor grössere Probleme stellen.

Marcel Kuchta aus Prag
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Platziert sich gerne vor dem gegnerischen Tor: Antoine Roussel.

Platziert sich gerne vor dem gegnerischen Tor: Antoine Roussel.

KEYSTONE

«Denke wie ein Kapitän, spiele wie ein Pirat.» So lautet das Lieblingssprichwort von Antoine Roussel. Der 25-jährige Flügelstürmer der französischen Nationalmannschaft setzt sein Motto auf dem Eis 1:1 um. Es gibt kaum einen anderen Spieler auf der Welt, der giftiger zu Werke geht als dieses Perpetuum mobile. Roussel bewegt sich auf dem Eis wie ein Pirat auf Beutezug. Sein Ziel sind nicht unbedingt schöne Tore und wunderbare Assists. Sondern krachende Checks und Trash-Talk, der dem Gegner unter die Haut geht. Roussel ist eine Nervensäge. Seine NHL-Bilanz sieht entsprechend aus. In 200 Spielen sammelte er zwar immerhin je 34 Tore und Assists, dafür aber auch schon stolze 442 Strafminuten.

Volles Risiko

Dass Antoine Roussel überhaupt den Weg in die beste Liga der Welt fand, sagt viel aus über den unbändigen Kampfgeist, der ihn antreibt. Als 14-jähriges Talent versuchte er, sich der Juniorenabteilung von Servette Genf anzuschliessen, was aber an lizenztechnischen Problemen scheiterte. Um seine Eishockey-Karriere nicht zum Scheitern zu verurteilen, brachen die Eltern schliesslich die Zelte in der Heimat ab und zogen mit der ganzen Familie nach Kanada, wo man in der Nähe von Quebec ein «Bed and Breakfast» eröffnete. Roussel fand Unterschlupf in einem der besten lokalen Juniorenteams, wurde dann aber im entscheidenden NHL-Draft 2008 von keinem Team ausgewählt.

Als er mit seiner Eishockey-Karriere schon fast abgeschlossen hatte und ein Studium beginnen wollte, erhielt er im Farmteam der Boston Bruins eine unverhoffte Chance, sich doch noch auf Profilevel zu beweisen. Von da an ging es auf der Karriereleiter geschwind nach oben. Schliesslich landete er in der Organisation der Dallas Stars, die diesem kraftvollen Franzosen in der Saison 2012/13 die Chance boten, in der NHL Fuss zu fassen. Antoine Roussel packte sie und ist seither Stammgast in der Bel-Etage des nordamerikanischen Eishockeys.

Grosse bevorstehende Probleme

Inzwischen ist Roussel, dessen sportliches Vorbild übrigens Roger Federer ist («Er verkörpert Klasse»), auch im Nationalteam Frankreichs einer der unumstrittenen Leader. Und er wird alles daransetzen, dass seine Mannschaft heute Abend auch den Schweizern das Leben so schwer wie möglich machen wird. «Es gibt inzwischen eine schöne Rivalität zwischen den beiden Teams. Ich erwarte ein intensives Spiel», sagt er süffisant lächelnd und im Wissen, dass der Gegner den physischen Spielstil nicht wirklich zu schätzen weiss.

Zusammen mit Stéphane Da Costa, der bei ZSKA Moskau in der KHL in der vergangenen Saison sagenhafte 62 Skorerpunkte sammelte (30 Tore / 32 Assists), und Julien Desrosiers bildet Roussel eine sehr gefährliche Sturmlinie, die den Schweizern schon beim Testspiel vor Wochenfrist – 6:5 für Frankreich nach Verlängerung – unglaublich viele Probleme bereitete.

Sowieso spielten die Franzosen in den vergangenen Jahren immer wieder die Rolle des Spielverderbers für die ambitionierten Schweizer. Pirat Antoine Roussel wird auch diesmal wieder an vorderster Front mitwirken, wenn der Angstgegner den Nachbarn seiner fest einkalkulierten Punkte berauben will.

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