Es ist das perfekte Saisonende: Die Langnauer verlieren das 7. Viertelfinalspiel in Lausanne 1:8. Eine solche Pleite soll das perfekte Finale gewesen sein? Ist dem Chronisten zu viel Schnaps in den Kaffee geraten? Und doch ist es so. Am Ende der besten Saison seit dem Meistertitel von 1976 werden die SCL Tigers so richtig in die Schuhe gestellt. Der Grundstein für eine gute nächste Saison ist damit gelegt.

Wenn wir der Frage nachgehen, wie es zu diesem Debakel kommen konnte, dann erkennen wir auch, wie wichtig es war, dass die Saison so krachend zu Ende gegangen ist.

Ein Weltwunder

In der Gesamtsumme des Talentes sind die SCL Tigers nicht viel besser als die «Miserablen» aus Rapperswil-Jona. Bereits ist vergessen, dass die Langnauer in den Prognosen für die eben abgelaufene Saison auf den Rängen 12 bis 9 gesetzt worden sind.

Playoffs? Keine Chance mit diesem Team. Und kaum mehr jemand erinnert sich, dass die SCL Tigers die Saison am 21. September mit einem mühseligen, lange an einem seidenen Faden hängenden Sieg gegen die «Miserablen» aus Rapperswil-Jona begonnen haben.

Bei Lichte besehen ist nur schon die Playoff-Qualifikation der Langnauer ein Wunder. Aber die Langnauer haben es geschafft. Und sie waren neben dem SC Bern, Zug und Biel das einzige Team, das sogar immer auf einem Playoff-Rang platziert war.

War das Erreichen der Playoffs ein Wunder, waren die sieben Spiele im Viertelfinal ein Weltwunder. «Wenn man das ganze Bild betrachtet, spielten wir eine Riesen-Saison», sagt Sportchef Marco Bayer.

Der Zement, der die Armen an Talent – und dazu gehören die SCL Tigers – zusammenhält und ihnen Ruhm, Lob und Preis bescheren kann, setzt sich aus Energie, Demut, Bescheidenheit, Selbstvertrauen, Disziplin, taktischer Schlauheit, Konzentration, Leidenschaft und Mut zusammen – und einer Prise Glück.

Was passiert, wenn auch nur einzelne dieser Zutaten fehlen, haben die Langnauer nun zum Saisonschluss in Lausanne erlebt. Die Niederlage im 7. Spiel war logisch und unvermeidbar. Bereits im letzten Drittel des 6. Spiels werden die Langnauer mit 6:18 Torschüssen komplett dominiert. Sie sind am Ende ihrer Kräfte, taumeln zu einem 4:2-Sieg und können sich nicht mehr erholen. Nach dem 3:0 im 7. Spiel resignieren sie und stehen ohne taktische Rüstung nackt im Durchzug der gegnerischen Offensive.

Die Viertelfinalserie hatte mit einem Aufreger begonnen (Langnau siegt in Lausanne 5:1), der die Hockey-Welt auf den Kopf stellt, und endet im 7. Spiel mit einem Aufreger (Langnau verliert in Lausanne 1:8), der die Hockeywelt wieder auf die Füsse und die SCL Tigers in die Schlittschuhe stellt. Eine Halbfinal-Qualifikation wäre den Emmentalern zu Kopfe gestiegen und hätte sie hoffärtig und uncoachbar gemacht.

Bescheidenheit ist eine Zier

Die Enttäuschung von Trainer Heinz Ehlers wird sich im Laufe der nächsten Tage in Erleichterung verwandeln: Er muss nicht befürchten, dass seinen Jungs im Laufe des Sommers der Ruhm dieser Saison zu Kopfe steigt wie damals nach der ersten Playoff-Qualifikation von 2011 und zu einer Selbstüberschätzung führte, die zwei Jahre später in den Abstieg mündete.

Er kann mit dem Hinweis auf das 1:8 im letzten Spiel Demut und Bescheidenheit einfordern: Seht her, das passiert, wenn ihr nicht auf den Pfaden der taktischen Tugenden wandelt. In Abwandlung eines alten Sprichwortes können wir sagen: Bescheidenheit ist eine Zier und in Langnau geht es nicht ohne ihr.

Die Mannschaft wird nächste Saison wohl qualitativ sogar leicht besser sein, die wichtigsten Spieler (beide Torhüter, Chris DiDomenico, Harri Pesonen) bleiben. Die Playoffs sind, gerade dank der heilsamen 1:8-Lehre im letzten Spiel, wieder möglich.