Ausländer haben das Eishockey zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Schweiz gebracht. Wie kein anderes Land haben wir eine «Eishockey-Mischkultur» aus nordamerikanischem, skandinavischem und slawischem Eishockey. Ausländer gehören also als Trainer und Spieler zu unserem Eishockey. Ein Blickzurück auf die Kulturgeschichte unserer Hockey-Ausländer zeigt, dass es ohne nicht geht.

Die glorreichen Schweizer Tage auf internationaler Ebene waren 1953 vorbei. Die Sündenböcke für den Niedergang (1953 WM-Dritter, 1959 WM-12.) waren bald gefunden: die Ausländer. Obwohl pro Klub nur einer zugelassen war. Also kam die Idee auf, die Grenzen zu schliessen. Treibende Kraft war ZSC-Präsident Max Thierstein. 1959 trat das Ausländerverbot in Kraft. Im gleichen Jahr hatte der SC Bern zum ersten Mal den Titel errungen. Nicht zuletzt dank dem Kanadier Bruce Hamilton.

Der ZSC-Obmann setzte sich nicht ohne Hintergedanken für den Rückzug ins Réduit ein: Er hatte die besten Schweizer. Otto Schläpfer und Otto Schubiger spielten besser als jeder kanadische Center. Die Rechnung ging auf. 1961 gewann der ZSC die Meisterschaft und den Cup – der letzte Titelgewinn im 20. Jahrhundert. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass der ZSC ausgerechnet in der ersten Saison absteigen musste, in der die Ausländer wieder mitspielen durften (1970/71).

Tiefpunkt ohne Ausländer

Ohne Ausländer versank unser Hockey in die Bedeutungslosigkeit. 1967 war mit dem Abstieg in die C-Gruppe (WM-16.) der absolute Tiefpunkt erreicht. Die elfjährige Schliessung der Grenze hatte nichts gebracht. Wir sehen also, dass ausländische Spieler unerlässlich sind.

Die beiden sowjetischen Weltklassespieler Slawa Bykow und Andrej Chomutow (in den 1990er-Jahren bei Gottéron) sind wohl das spektakulärste Beispiel für den positiven Einfluss ausländischer Spieler auf die Liga und ein wichtiger Grund für den heutigen Erfolg unseres Klubhockeys. Die Frage ist also nicht, ob es ausländisches Personal braucht. Die Frage ist bloss, wie viele.

Sechs Ausländer statt nur vier

Die Klubs der höchsten Spielklasse können über die Anzahl Ausländer selber bestimmen. SCB-Manager Marc Lüthi beantragt bei der Liga-Versammlung vom übernächsten Mittwoch, die Anzahl der spielberechtigten Ausländer von vier auf sechs pro Mannschaft zu erhöhen, die Gesamtzahl der Lizenzen pro Saison aber bei acht zu belassen. Er hat einen guten Grund: Der SCB muss nächste Saison Leonardo Genoni (zu Zug) wohl mit einem ausländischen Goalie ersetzen. Das fällt bei sechs Gastarbeitern leichter. Lüthi braucht die Zustimmung von sieben Klubs. Bei einem Unentschieden (sechs dafür/ sechs dagegen) ist der Antrag abgelehnt.

Für sechs Ausländer sind: Bern, Lausanne, Servette und Davos. Gegen sechs Ausländer sind Ambri, Langnau, Rapperswil-Jona, Fribourg, Zug, Biel und die ZSC Lions. Nur Lugano hat noch keine Meinung. Die Ausländerfrage spaltet also die Liga. Wir sollten aber bedenken, dass es noch während der Versammlung zu Meinungsänderungen kommen kann.

Nichtfreundschafts-Vermutung

Keine Meinung hat der Verband. Präsident Michael Rindlisbacher, früher SCB-Verwaltungsrat, wird die Liga-Versammlung leiten, besitzt aber kein Stimmrecht. Er wagt es nicht, sich öffentlich gegen das Begehren seines Freundes Marc Lüthi zu stellen. Er betont allerdings, er sei mit dem SCB-Manager nicht befreundet, und Marc Lüthi betont, mit dem Verbands-Präsidenten nicht unter einer Decke zu stecken. Es gilt also die «Nichtfreundschafts-Vermutung».

Item, Michael Rindlisbacher hat zusammen mit Liga-Direktor Denis Vaucher und Verbands-Sportdirektor Raeto Raffainer ein Papier zur Sache ausgearbeitet. Darin werden Chancen und Risiken aufgelistet. Ein Dokument hoher politischer Kunst. Es werden in allen Bereichen Gründe für und gegen die Erhöhung auf sechs Ausländer genannt, und wie der Teufel das geweihte Wasser, so meidet man eine klare Empfehlung, gibt allen ein wenig Recht und ein wenig Unrecht, wäscht sich die Hände, wie einst Pilatus, in Unschuld und lässt das Volk (die Klubs) entscheiden.