SMØRREPØGG
Viel Aufwand, kein Ertrag?

Angelehnt an die dänische Spezialität Smørrebrød berichtet unser Eishockey-Experte in der Kolumne Smørrepøgg von der WM. Diesmal befasst er sich mit dem Schweizer Kader. Nur noch 6 von 19 Eishockeyspielern sind vom ersten Aufgebot vor vielen Wochen mit dabei. Braucht es diese mehrwöchige WM-Vorbereitung noch?

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
Drucken
Teilen
Diese sechs Spieler sind seit Anfang der WM-Vorbereitung mit dabei und somit dabei geblieben.
6 Bilder
Joel Genazzi
Lukas Frick
Enzo Corvi
Damien Riat
Joel Vermin

Diese sechs Spieler sind seit Anfang der WM-Vorbereitung mit dabei und somit dabei geblieben.

Keystone

Am 2. April, also vor ziemlich genau fünf Wochen, erliess Nationaltrainer Patrick Fischer sein erstes Aufgebot für die WM-Vorbereitung. Von den damals 19 einberufenen Spielern sind jetzt in Kopenhagen noch genau deren 6 mit dabei: Lukas Frick, Joel Genazzi, Joel Vermin, Damien Riat, Enzo Corvi und Gilles Senn.

Der Davoser Samuel Walser stiess aufgrund einer Verletzung erst eine Woche später zum Nationalteam, wäre unter normalen Umständen aber auch von Anfang an dabei gewesen.

Von diesem Septett (inklusive Walser) haben fünf Spieler den Sprung ins WM-Team tatsächlich geschafft. Nur Gilles Senn, der als dritter Goalie dabei ist, und Samuel Walser mussten bisher mit einem Platz auf der Tribüne vorliebnehmen. Keine einfache Situation, wenn man bedenkt, dass diese Jungs viele Wochen in die WM-Vorbereitung investiert haben.

An dieser Ausgangslage wird sich in Zukunft jedoch kaum etwas ändern. Im Gegenteil: Mit der immer grösser werdenden Schweizer NHL-Kolonie wird es häufiger vorkommen, dass viele Spieler erst auf den letzten Drücker, kurz vor oder sogar noch während der WM, zum Nationalteam stossen.

Was wiederum die Frage aufwirft: Braucht es wirklich noch diese mehrwöchige WM-Vorbereitung, wenn am Ende dann doch nur ein Bruchteil der Spieler, die wochenlang am System gefeilt haben, tatsächlich an den Titelkämpfen zum Einsatz kommen?

So verständlich der Frust der Spieler ist, die ihre «Freizeit» nach dem Saisonende ihrer Klubteams geopfert haben, nur um dann im entscheidenden Moment zum Zuschauen verdammt zu sein: Die wochenlange Anlaufzeit macht durchaus Sinn, weil sie dem Trainerstaff die Möglichkeit bietet, potenziellen WM-Kandidaten der kommenden Jahre die «Basics» zu vermitteln.

Und es gibt auch immer wieder Spieler, die den Sprung ins WM-Team wider Erwarten doch schaffen. Das muss Motivation genug sein, um auch in der kommenden Saison wieder einen Anlauf mit ungewissem Ausgang zu nehmen.