Eishockey
Verwirrung um Weltrekord bei Lakers Spiel

Zwei Tore innerhalb von nur einer Sekunde sind weltweit eine Bestmarke. Dieses Kunststück gelang dem EV Zug und den Rapperswil-Jona Lakers am Dienstagabend. Von Dauer wird der Weltrekord kaum sein.

Patrik Schneider und Marco Huwyler
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Das Phantomtor von Robbie Earl, eine Sekunde nach der EVZ-Führung.

Das Phantomtor von Robbie Earl, eine Sekunde nach der EVZ-Führung.

Zum Schluss war die Verwirrung komplett. Gemäss den Live-Einschaltungen von «Radio Zürisee» hatte der EVZ gegen die Rapperswil-Jona Lakers nach dem ersten Drittel 2:0 geführt. So weit, so unspektakulär. Wieder zu Hause der obligate Blick auf den Teletext: Zug siegt 5:4. So weit, so unspektakulär. Stutzig macht indes die Torfolge: 9. Casutt 1:0. 9. Earl 1:1. Hatte der EVZ nicht 2:0 geführt? Stimmt das Endresultat überhaupt? Ist Beni Thurnheer doch nicht der Einzige, der hin und wieder die Sonne im Westen aufgehen sieht?

Fragen, die nur die höchste Instanz des Schweizer Eishockeys beantworten kann: der Verband. Doch die offizielle Webseite stiftet eher noch mehr Verwirrung, als dass sie Antworten liefern würde. 8:23 Corsin Casutt (Andy Wozniewski, Damien Brunner) 1:0. 8:24 Robbie Earl (Sven Berger) 1:1. Gemäss SEHV hatten die Rapperswil-Jona Lakers den Rückstand gegen den EVZ in nur einer Sekunde wettgemacht. Gut: Wenns so schnell geht, kanns durchaus passieren, dass das nicht jeder gesehen hat.

Eine Sekunde – das muss Weltrekord sein. In der DEL, der Deutschen Eishockey Liga, liegt die Bestmarke für die zwei schnellsten Tore in Folge bei drei Sekunden. In der NHL sind die Boston Bruins und die St. Louis Blues die Spitzenreiter. Am 19. Dezember 1987 schoss Ken Linseman kurz vor Spielende das 4:5, Doug Gilmour (ausgerechnet ein späterer Rapperswiler) stellte nur zwei Sekunden danach mit einem Schuss direkt vom Bullypunkt aus ins verlassene Tor den alten Abstand wieder her. Dass dieser Rekord je gebrochen werde, sei rein physikalisch unmöglich. Schreibt die NHL.

Die Gesetze von Zeit und Raum gelten auch in der Schweiz. Dem verantwortlichen Statistiker war offensichtlich ein Fehler unterlaufen. Tatsächlich fiel das durch Sven Berger vorbereitete Tor von Robbie Earl erst 17 Minuten später und war nicht der Ausgleich, sondern nur der Anschlusstreffer. Inzwischen ist der Fehler an den meisten Orten bereinigt worden. Ausser beim Verband. Dort hatte der Rekord auch am Mittwochabend noch Bestand. Sollte nun ein findiger Statistiker aus Übersee per Zufall auf das Phantomtor von Robbie Earl stossen, wird der Weltrekord, der keiner ist, trotzdem um die Welt gehen.

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