Eishockey-WM

Vertrauen in die neuen Leader: Trotz gewichtiger Absenzen harmoniert das Schweizer Eishockeyteam an der WM

Eine eingeschworene und homogene Truppe: Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.

Eine eingeschworene und homogene Truppe: Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.

Nach Olympia sind viele Leadertypen in der Schweizerischen Eishockey-Nationalmannschaft weggefallen. Doch das ist auch eine Chance für neue Spieler. Unter Captain Raphael Diaz und seinen Assistenten Nino Niederreiter und Simon Moser scheint das Team gut zu harmonieren.

Das Programm ist, wie immer an einer Eishockey-WM, dicht gedrängt. In den ersten fünf Tagen absolvieren die Schweizer gleich vier Spiele. Logisch, war da am einzigen, freien Tag Erholung angesagt.

Lediglich die Spieler, die am Sonntag gegen die Slowakei (2:0) nicht zum Einsatz gekommen waren, trainierten am Montag auf dem Eis. Der Rest der Equipe blieb im nahe gelegenen Hotel oder vertrieb sich die Zeit im ebenfalls angrenzenden, riesigen Einkaufszentrum.

Spieler und Staff konnten es in entspannter Atmosphäre tun. Der gelungene WM-Auftakt war auf jeden Fall Balsam für die nach der missglückten Olympia-Mission durchaus angespannten Nerven.

Harmonie trotz vielen Veränderungen

Dass die Mannschaft in Kopenhagen so gut harmoniert, ist angesichts der recht grossen Umwälzungen, welche es im Hinblick auf das WM-Turnier gab, alles andere als selbstverständlich.

Zehn Spieler nehmen erstmals überhaupt an einem Titelturnier auf höchster Stufe teil. Dazu fehlen in Kopenhagen aus diversen Gründen langjährige Teamstützen und Routiniers wie Andres Ambühl (34), Philippe Furrer (32), Denis Hollenstein (28) oder Eric Blum (31).

Da drohte durchaus ein Routine- und Leadership-Vakuum. Von einem solchen ist bisher an diesem Turnier aber nichts zu bemerken.

«Viele spielen Leaderrollen»

Für den Schweizer Nationaltrainer Patrick Fischer ist der reibungslose Prozess keine Überraschung: «Die erwähnten Namen fehlen uns zwar als Spieler mit ihrer Qualität. Aber unsere Leadership-Gruppe hier in Kopenhagen ist auch ohne sie sehr gut und erfahren besetzt.»

Der unbestrittene Leitwolf: Raphael Diaz

Der unbestrittene Leitwolf: Raphael Diaz

Raphael Diaz (32) war schon an der letzten WM und an den Olympischen Spielen Captain, spielt dieselbe Rolle auch bei seinem Stammklub EV Zug und ist als ehemaliger NHL-Profi sowieso überall respektiert.

Als Assistenten fungieren mit - als Neuling - Nino Niederreiter (25) und Simon Moser (29) zwei Stürmer, die vor allem mit ihrer Physis auf dem Feld mit gutem Beispiel vorangehen. Fischer sagt aber auch: «Viele unserer Spieler haben in ihren jeweiligen Klubteams Leaderrollen inne. Auf diesen bauen wir auf.»

Teambuilding erst kurz vor Turnierbeginn

Apropos Aufbau: Besonders herausfordernd an der aktuellen Mission war die Tatsache, dass das WM-Team aufgrund der ungewöhnlich langen Meisterschaftssaison erst kurz vor Turnierbeginn komplett war und deshalb auch das Teambuilding kaum gepflegt werden konnte.

In dieser Beziehung hat Patrick Fischer und dessen Staff die Lehren aus der missglückten Olympia-Mission gezogen. «Diesen Prozess haben wir auch als Lerneffekt aus den Olympischen Spielen angepasst. In der Vergangenheit haben wir sehr viel Zeit ins Teambuilding investiert. Nun haben wir diese Aufgabe komplett der Leadership-Gruppe übergeben. Wir vertrauen ihnen.»

Homogene Truppe

Sowieso sei die Hierarchie aber «flacher in der Nationalmannschaft als in einem Klub, da die meisten Spieler bei uns sehr wichtige und entscheidende Rollen tragen», betont Fischer.

Nimmt man die bisherigen Auftritte der Schweizer in Kopenhagen als Massstab, dann sieht man tatsächlich eine überraschend homogene Truppe im Einsatz. Man darf gespannt sein, wohin der Weg dieser Mannschaft an diesem WM-Turnier noch führt. Erst recht, wenn auch noch die potenziellen NHL-Verstärkungen zum Team stossen sollten. An der fehlenden Harmonie soll es nicht scheitern.

Meistgesehen

Artboard 1