Eishockey-WM
Unser Kaiser von Moskau

Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft holt auch im zweiten Spiel an der Weltmeisterschaft nur einen Punkt. Die Spielweise der Nati ähnelt «Pausenplatz-Hockey»

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Nati-Coach Patrick Fischer

Nati-Coach Patrick Fischer

Keystone

Patrick Fischer ist cool. Ein Eishockey-Nationaltrainer der Generation Smartphone. Kommunikation ist wichtiger als die langweilige Systemarbeit. Er hat ein Flair für Historie und für die WM in Moskau das Motto «1291» gewählt. Inzwischen haben die Schweizer die ersten zwei Partien verloren und stehen 1798, dem Untergang der alten Eidgenossenschaft, näher als 1291, dem Anfang einer Erfolgsstory.

Ein Scheitern mit einer Mannschaft, die so talentiert ist wie das WM-Silberteam von 2013, wäre nicht nur sportlich fatal. Das Primat des Nationalteams hat nicht mehr der Sport. Sondern das Marketing. Patrick Fischer ist im Amt, weil er sich als Schweizer besser vermarkten lässt
als ein Ausländer. Bei seinem Scheitern würde ein Marketing-Konzept Makulatur.

Die Schweizer stehen in Moskau auf dünnem Eis. Aber sie stehen noch. Sie sind die Einzigen, die gegen jeden Gegner gewinnen und verlieren können. Noch ist alles möglich: Medaille und Abstieg. Ihre Spielweise ähnelt «Pausenplatz-Hockey». Eifrig, leidenschaftlich, wild – aber ohne Konzept. Wer es böser mag, kann sagen: «Löwen, geführt von Eseln.»

Der Spruch ist auf die einst von Franz Josef miserabel geführte österreichische Armee gemünzt. Patrick Fischer kann sich mit seinem Flair für Historie trösten: Scheitert er, wäre er halt nicht der Wilhelm Tell, aber immerhin der Franz Josef des Hockeys. Ein Hockey-Kaiser.

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