WM 2013

Ueli Maurer: «Präzision, hohe Genauigkeit, Spiel mit Zug: Es stimmt alles!»

Auch Ueli Maurer bibberte mit.

Auch Ueli Maurer bibberte mit.

Den historischen WM-Halbfinalsieg der Eisgenossen hat Bundespräsident Ueli Maurer vor Ort in Stockholms Globen miterlebt. Er kennt die Gründe des Erfolgs.

Herr Bundespräsident, was haben Sie den Spielern nach dem Spiel in der Kabine gesagt?

Ueli Maurer: Ich war nach dem Spiel nicht in der Kabine.

Sie waren nicht in der Kabine?

Nein. Die Spieler sollen unter sich sein. Die Kabine ist wie eine Stube. Da tritt man nicht einfach unangemeldet ein. Ich will den normalen Tagesablauf der Mannschaft vor dem so wichtigen Final nicht stören. Ich werde nach dem Final in die Kabine gehen.

Sie hatten einen Schweiz-Schal umgelegt …

Ja, den hatte ich in Bern schon am Donnerstag bereitgelegt.

Haben Sie sich auch schon in Bern vor dem TV Spiele angesehen?

Keine ganzen Spiele. Einige sah ich aber sequenzweise. Wenn ich Zeit hatte.

Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Die Fortschritte im Schweizer Eishockey sind unverkennbar. Vor allem, wenn man es auf einer längeren Zeitachse betrachtet. Präzision, hohe Genauigkeit, Spiel mit Zug: Es stimmt alles. Das ist bis jetzt eine einmalige Erfolgsstory.

Wo sehen Sie die Gründe dafür?

Im Eishockey haben wir seit Jahren eine Entwicklung, die solche Resultate fördert. Eines der Erfolgsgeheimnisse, die etwa Deutschland nicht hat: In der National League A sind nur wenig Ausländer zugelassen. Das fördert einen gesunden Wettbewerb unter den Schweizern. Zudem haben wir in verschiedenen Klubs eine hervorragende Juniorenförderung. Musterbeispiele sind die ZSC/GCK Lions, der SC Bern und der EHC Kloten. In Landklubs wie den SCL Tigers oder Ambri haben junge Talente zudem Entfaltungsmöglichkeiten. Die Juniorenarbeit macht man seit Jahren auf sehr professionellem Niveau.

Das zahlt sich jetzt aus?

Ja. Aber auch die gute Mischung mit sehr erfahrenen Spielern ist ein Erfolgsrezept. Persönlichkeiten wie Martin Gerber und Mathias Seger machen im Mannschaftssport viel aus. Das sind fast Vaterfiguren für die Jungen.

Was auffällt: Im Gegensatz zur Fussball- hat die Eishockey-Nati keine Secondos. Spielt das eine Rolle?

Nein. Das ist Zufall. Wir haben keine Secondos aus Ländern, in denen Eishockey gespielt wird. Sie kamen aus Ländern, die Fussball-Nationen sind. Deshalb geben die Secondos in der Fussball-Nati den Ton an.

Was kann die Politik, was die Schweiz vom Auftritt des Teams lernen?

Ich neige dazu, solche Erfolge nicht überzubewerten. Zwar habe ich allerhöchsten Respekt vor dieser Leistung. Es hätte aber auch ein Spiel schieflaufen können und alles wäre wohl anders rausgekommen. Erfreulich ist: Die Mannschaft tritt sehr selbstbewusst und selbstsicher auf. Daran könnte sich die Politik manchmal ein Beispiel nehmen.

Wie stufen Sie diesen Erfolg ein im Vergleich etwa zu Roger Federer oder der Fussball-Nati?

Man muss unterscheiden zwischen Einzel- und Mannschaftssportarten. Für ein kleines Land mit einem relativ kleinen Reservoir sind Erfolge in Mannschaftssportarten anders zu gewichten als hervorragende Einzelsportler. Zwar ist in Stockholm nicht die absolute Top-Elite anwesend. Vor allem die USA und Kanada müssen wegen der NHL auf Top-Cracks verzichten. Das schmälert den Erfolg aber nicht. Die Eishockey-Nati war damit einen Schritt vor dem Niveau der Fussball-Nati. Mit dem Einzug in den Final ist sie sogar zwei Schritte weiter.

Die Schweiz ist zur Eishockey-Nation geworden?

Ja, schon in den letzten 15 Jahren. Auch bei den Damen gehören wir zu den sechs Top-Nationen.

Müsste Eishockey zusätzlich gefördert werden, weil sich die Schweiz hier profilieren kann?

Das kommt automatisch. Erfolg spornt immer an. Unser Problem sind aber die beschränkten Eisflächen. Schweden, Finnland und Kanada verfügen über viel Natureis und die Boys können dort in der Pause auf dem Schulhausplatz Eishockey spielen. Bei uns muss man dafür auf die Kunsteisbahn. Und Schlittschuhlaufen lernt man halt früh.

Sie freuten sich sehr darüber, nach Stockholm gehen zu können?

Klar. Ich schaue ohnehin viel Eishockey. Und ich hatte mit der Mannschaft abgemacht, dass ich nach Schweden reise, wenn sie in den Halbfinal kommt.

Sie haben sie zusätzlich motiviert?

Nein, nein. Das darf man nicht überbewerten. Der Virus hat sie gepackt. Und eines darf man nicht unterschätzen: Sean Simpson ist einer der besten Trainer der Welt überhaupt. Er analysiert das Spiel des Gegners hervorragend, kann die Mannschaft und jeden Einzelnen sehr gut auf spezielle Aufgaben einstellen.

Wollten Sie in Stockholm auch Regierungsmitglieder treffen?

Offiziell geplant war nichts. Aber natürlich traf ich Leute. Schweden ist ja ein eishockeyverrücktes Land.

Der Final Schweden - Schweiz ist brisant.

Ja. Die Schweden haben wir ja bereits geschlagen.

Sie sind ein bekennender Ambri-Anhänger. Was ist höher zu werten: Ein Meistertitel für Ambri oder dieser WM-Final?

Das eine ist mit dem anderen nicht vergleichbar. Aber wahrscheinlich ist es für Ambri schwieriger, Meister zu werden, als es für die Schweiz war, in den WM-Final zu kommen. Wenn ich allerdings daran denke, was die Nationalmannschaft jetzt geleistet hat, ist es vielleicht für Ambri doch möglich, Meister zu werden.

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