SC Bern

Triumph für die «Over-the-Hill-Gang» - dank ergrauten Leitwölfen

Erfolgreiche Leithammel: Jaroslav Bednar, Travis Roche, Byron Ritchie und Ryan Gardner

Erfolgreiche Leithammel: Jaroslav Bednar, Travis Roche, Byron Ritchie und Ryan Gardner

Den 13. Meistertitel verdankt der SC Bern in erster Linie den Leitwölfen mit den ersten grauen Haaren. Fünf Spieler bildeten den Schlüssel zum Erfolg: Marco Bührer, Travis Roche, Byoron Ritchie, Martin Plüss und Joël Vermin.

So viel Drama um einen SCB-Titel gab es mit ziemlicher Sicherheit noch nie. Der SCB ist zu seinem 13. Titel getaumelt und gestolpert. Im Herbst, am 23. Oktober 2012, steht Trainer Antti Törmänen nach einem 0:3 gegen die Lakers ganz, ganz kurz vor seiner Entlassung. Nur weil er von SCB-Manager Marc Lüthi ein Jahr zuvor ins Amt geputscht worden ist, kommt eine Entlassung nicht infrage. Dafür greift Lüthi jetzt ins Tagesgeschäft ein. Nach der Rückkehr aus Rapperswil-Jona bietet der Spieler nach Mitternacht zum Straftraining im Berner Hockey-Tempel auf. Nun ist klar: Der Trainer bleibt.

Der SCB begeistert während der Qualifikation nie restlos. Eigentlich steckt ja diese Mannschaft in einem Umbruch. Weil Marc Lüthi strikte Kostendisziplin durchsetzt, kann Sportchef Sven Leuenberger keine fertigen Stars einkaufen. Das Geld reicht für Mitläufer und das knappe Budget erfordert den Einbau eigener Junioren ins Team.

Getragen wird die Meistermannschaft nach wie vor von den Routiniers, den Leitwölfen mit den ersten grauen Haaren, die nicht mehr eine ganze Saison lang dominieren können. Aber die immer noch wissen, wie Titel gewonnen werden: Marco Bührer (34), Martin Plüss (36), Byron Ritchie (36), Ivo Rüthemann (36), Ryan Gardner (34) und Travis Roche (34). Alles Spieler, die eigentlich schon fast zu alt sind, um im Kampf um eine Meisterschaft eine dominierende Rolle zu spielen. Im wahrsten Sinne des Wortes eine «Over-the-Hill-Gang».

Bern im Freudentaumel nach dem Meistersieg des SCB

Bern im Freudentaumel nach dem Meistersieg des SCB

Der erste Finne mit Erfolg

Der freundliche finnische Trainer Antti Törmänen, zu klug und zu kultiviert, um zu toben, aber so ehrgeizig, dass er Niederlagen unerträglich findet, führt die Spieler an der langen Leine. Die altgedienten Leitwölfe sorgen dafür, dass die Jungen mitziehen. Dieser antiautoritäre Führungsstil hätte bei keinem früheren SCB-Meisterteam funktioniert. Nun hat zum ersten Mal überhaupt ein finnischer Trainer mit dem SCB die Meisterschaft gewonnen. Zuvor waren Timo Lahtinen, Hannu Jortikka, Pekka Rautakallio und Alpo Suhonen gescheitert. Jortikka, Rautakallio und Suhonen hatten sogar nominell bessere Teams zur Verfügung als jetzt Törmänen.

Ohne die «alten Männer», diese «Over-the-Hill-Gang», wäre der SCB gar nie bis in den Final gekommen und schon in der ersten Runde stecken geblieben. Von den acht Siegen im Viertel- und Halbfinal haben Byron Ritchie (2), Martin Plüss (3) und Travis Roche (2) siebenmal den Siegestreffer erzielt. Und den Ausgleich, der dem SCB das Penaltyschiessen in Genf ermöglichte, erzielte Byron Ritchie. Die Berner taumelten und stolperten durch den Viertel- und Halbfinal, sie fielen – aber sie standen immer wieder rechtzeitig auf. Die Erfahrung, das Ur-Wissen, wie man Meisterschaften gewinnt, das unerschütterliche, arrogante Selbstvertrauen dieser «Over-the-Hill-Gang» hat die Mannschaft aus jeder noch so kritischen Situation gerettet.

Dieser SCB ist spielerisch kein grosser Meister. Kein Vergleich etwa zum «Grande Lugano» von 2006 oder zum präzisen Tempohockey des HC Davos 2007, 2009 und 2011. Selbst die meisterlichen ZSC Lions von 2008 und 2012 und der SCB von 2010 waren spielerisch bessere Meister. Der SCB hat im Frühjahr auch bei weitem nicht die Wasserverdrängung der meisterlichen «Big Bad Bears» von 1989, 1991 und 1992.

Der SCB 2013 ist ein Meister, der mit Taktik und Schlauheit, Geduld und Selbstvertrauen und jenem Glück, ohne das kein Champion auskommt, eine der ausgeglichensten Meisterschaften aller Zeiten schliesslich im Final gegen ein spielerisch besseres, schnelleres Gottéron gewonnen. Die Berner haben 2013 letztlich das Glück gehabt, das ihnen ein Jahr zuvor gefehlt hat, als sie den Titel zweieinhalb Sekunden vor Schluss auf eigenem Eis gegen die ZSC Lions aus der Hand gaben.

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