Eishockey
Trainer Hanlon ist mit der Nati zufrieden – und keiner weiss warum

Die Irritation unter den Schweizer Medienschaffenden war gross, als Glen Hanlon nach dem mühsam erkrampften 3:1-Sieg gegen Frankreich von einer «grossartigen Leistung» sprach, die er von seiner Mannschaft gesehen hatte.

Marcel Kuchta, Prag
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Daueroptimist Glen Hanlon: Kann er seinen Spielern den Erfolgsweg weisen?

Daueroptimist Glen Hanlon: Kann er seinen Spielern den Erfolgsweg weisen?

Andy Mueller/freshfocus

Grossartig? Wirklich? Vielleicht würde ja eine Nacht voll tiefem, gesundem Schlaf die Gedanken des Nationaltrainers etwas ordnen. Aber auch 13 Stunden nach der Schlusssirene blieb Hanlon auf neuerliche Nachfrage bei seiner eigentümlichen, positiven Sicht der Dinge: «Ich bin nicht sicher, was es an unserem Spiel zu kritisieren gibt. Wir hatten mehr Torchancen, wir liessen nur 20 Schüsse des Gegners zu, Unterzahlspiel und Goalieleistung waren gut, wir waren diszipliniert und physischer als im ersten Spiel», betete Glen Hanlon eine ganze Litanei positiver Aspekte herunter.

Nun, es spricht ja grundsätzlich für einen Trainer, wenn er seiner Mannschaft in der Öffentlichkeit den Rücken stärkt. Zumal man ja zu Recht auf das alte Sprichwort verweisen kann, wonach der Sieger immer recht hat. Aber ein bisschen mehr Selbstkritik würde man sich vom Headcoach nach zwei schwachen Leistungen zum Auftakt der WM schon wünschen. Immerhin: Im bisher weitgehend disfunktionalen Überzahlspiel hat sogar Glen Hanlon Steigerungspotenzial geortet. «Mir hat nicht gefallen, dass sich die Spieler im Powerplay zu wenig bewegt haben. Daran müssen wir arbeiten.»

WM-Aus für Félicien Dubois

Durch den Ausfall von Félicien Dubois, für den die WM mit einer Fingerverletzung zu Ende ist, wird der Schweizer Headcoach sowieso zu Umstellungen gezwungen. Und so ist absehbar, dass das Experiment, Roman Josi und Mark Streit in Überzahl im selben Block an der blauen Linie spielen zu lassen, abgebrochen wird. Gut möglich, dass heute Nachmittag gegen Deutschland Josi an der Seite von Grossmann spielt, Streit dafür in der anderen Formation mit dem Dubois-Ersatz Eric Blum. Im Tor wird wieder Leonardo Genoni stehen, morgen gegen Lettland kommt Reto Berra zum Zug.

Auch Kukan vorderhand out

Die personelle Lage hat sich in der Verteidigung zu einem sehr frühen Zeitpunkt bereits markant verschlechtert. Neben Dubois fällt vorderhand auch immer noch Dean Kukan aus. Bei ihm besteht jedoch noch die Chance auf eine Rückkehr innerhalb nützlicher Frist. Bis auf weiteres wird Glen Hanlon deshalb mit den sechs verbliebenen, gesunden Verteidigern operieren. Patrick Geering, der gegen Frankreich als siebter Mann keine Sekunde zum Einsatz kam, rückt gegen Deutschland wieder ins Line-up.

Sollte sich Kukans Rückkehr verzögern und sich zwischenzeitlich ein weiterer Verteidiger verletzen, dann hätten die Schweizer allerdings ein ernsthaftes Problem. Zwar hat man das Spielerkontingent (22 Feldspieler und 3 Goalies) noch nicht komplett ausgeschöpft (Tristan Scherwey wurde noch nicht gemeldet), Hanlon schloss aber aus, dass er einen «externen» Defensivmann nachnominiert. «Es wäre zu viel verlangt von einem Spieler, der seit drei Wochen nicht mehr auf dem Eis gestanden ist, aus den Ferien hier an die WM zu kommen und beispielsweise gegen Schweden zu spielen. Da lasse ich lieber einen Stürmer in der Verteidigung agieren.» Primäre Kandidaten für einen Rollenwechsel wären gemäss Hanlon physisch starke Leute wie Julian Walker oder Dino Wieser. Bleibt zu hoffen, dass der Nationalcoach nicht zu solchen Notmassnahmen greifen muss.

Zum dritten Mal Favorit

Gegen das ersatzgeschwächte Deutschland (20 WM-Absagen!) sind die Schweizer wieder in der Favoritenrolle. Es wäre an der Zeit, das man das an dieser WM auch mal auf dem Eis zeigt.

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