Eishockey
«Super, dass jetzt der helvetische Einfluss voll durchschlägt»

Vor dem Auftakt in die Arosa Challenge spricht Nationalmannschafts-Verteidiger Severin Blindenbacher im Interview über das neue Trainertrio um Headcoach Patrick Fischer

Hansruedi Camenisch, Arosa
Drucken
Routinier Severin Blindenbacher freut sich auf die erste Bewährungsprobe mit der Nationalmannschaft unter dem neuen Trainertrio an der Arosa Challenge.

Routinier Severin Blindenbacher freut sich auf die erste Bewährungsprobe mit der Nationalmannschaft unter dem neuen Trainertrio an der Arosa Challenge.

Keystone

Severin Blindenbacher ist nicht nur der älteste Spieler im Schweizer Aufgebot für die Arosa Challenge. Der 32-jährige Verteidiger der ZSC Lions ist auch einer der erfahrensten aktuellen Internationalen überhaupt. Blindenbacher spielte für die Schweiz an drei Olympischen Winterspielen, und er bestritt acht Weltmeisterschaften mit dem Gewinn der Silbermedaille 2013 in Stockholm als Höhepunkt.

Severin Blindenbacher, erstmals trainieren Sie in Arosa im Nationalteam unter lauter Schweizer Trainern.
Severin Blindenbacher: Ich finde es super, dass jetzt der helvetische Einfluss voll durchschlägt. Seit sehr vielen Jahren arbeiteten wir im Nationalteam mit kanadischen Coaches. Es war an der Zeit für eine Schweizer Lösung, mal den Schweizer Trainern eine Chance zu geben. Das Trio Patrick Fischer, Felix Hollenstein und Reto von Arx wirkt bereits recht abgeklärt. Sie haben klare Vorstellungen, was sie wollen und was nicht. Ich schaue positiv in die Zukunft.

Für Sie ist die Situation speziell. Mit Felix Hollenstein spielten Sie gemeinsam in Kloten, dann jahrelang gegen Patrick Fischer und gegen Reto von Arx als Spieler verloren Sie mit den ZSC Lions erst im letzten Frühling noch den Playoff-Final gegen den HCD.
Das ist natürlich schon speziell. Die härtesten Fights hatte ich gegen Reto von Arx. Gleichwohl sind alle drei Respektspersonen aufgrund ihrer Persönlichkeiten. Sie haben im Eishockey viel erreicht. Alle drei waren extreme Leaderfiguren in ihren Mannschaften. Ich finde es lässig. Man kann von jedem Trainer etwas lernen – vor allem von derart erfahrenen früheren Spielern. Das ist gut für unser junges Nationalteam. Die Trainercrew ist bereits hart am Arbeiten.

Mit Reto von Arx hatten Sie einen speziellen Zusammenprall: Im Playoff-Viertelfinal verletzten Sie ihn am 10. März 2013 mit einem bösartigen Stockschlag am Arm. Für den HCD-Center war die Saison zu Ende, und Davos verlor jene Playoff-Serie nach seinem Aus trotz einer 3:1-Führung in der Serie noch.
Es geschah in den Playoffs und war ein blöder Unfall. Diese Geschichte ist aber abgehakt. Jetzt sind wir in der Nationalmannschaft, und wir vertreten gemeinsam die Schweiz.

Sie kennen Patrick Fischer, Felix Hollenstein und Reto von Arx seit vielen Jahren und pflegen mit ihnen ein kollegiales Verhältnis. Wie verhält es sich jetzt in der Nationalmannschaft bezüglich Autorität und Respekt?
Das ist kein Problem. Sie sind jetzt meine Trainer. Jeder ist Profi genug, um das richtig einstufen und damit umgehen zu können. Ich habe in den ersten Trainingstagen in Arosa auch bereits festgestellt, dass sie nicht besonders viel um die Mannschaft herum sind. Sie verhalten sich wie alle anderen Trainer auch.

Der Dezember-Termin der Nationalmannschaft mitten in einer intensiven Meisterschaftsphase gibt regelmässig zu Diskussionen Anlass. Hätten Sie persönlich nicht auch lieber eine Pause diesem Nati-Aufgebot vorgezogen?
Nein. Wir kommen alle mega gerne nach Arosa und hoffen, dass wir auch künftig hierher kommen können, auch wenn die Arosa Challenge jetzt zum letzten Mal ausgetragen wird. Wir haben ein super Hotel und finden ideale Rahmenbedingungen vor, um optimal arbeiten zu können. Mir persönlich kommt der Meisterschaftsunterbruch gelegen. Mit den ZSC Lions haben wir in den letzten Partien nicht sonderlich gut gespielt. Jetzt erhalte ich die Möglichkeit, im Nationalteam aus der Negativspirale herauszukommen.

Die Schweiz trifft an der Arosa Challenge am Freitagabend auf Norwegen, und am Samstagnachmittag spielt sie gegen Weissrussland oder die Slowakei. Was erwarten Sie von diesem Vierländerturnier?
Nichts anderes als den Sieg! Jetzt müssen wir erst mal die Norweger packen. In Arosa spielen wir regelmässig gut. Wir sind extrem schnell auf den Beinen unterwegs und verfügen über Skorerqualitäten. Wir haben ein recht gutes Mannschaftsgefüge, ja wir haben irgendwie alles.

Aktuelle Nachrichten