Eishockey
Spiel der letzten Chance - zwischen Lichterlöschen und Zuversicht

Heute fällt zwischen den Kloten Flyers und dem SC Bern die Entscheidung um den Finaleinzug. Bei den Kloten Flyers ist die Stimmung im gestrigen Training ausgezeichnet. Derweil trainieren die Berner zügig, aber ohne Hast.

Dean Fuss und Klaus Zaugg
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Konzentriert: SCB-Coach Huras. key SCB-Trainer Larry Huras. key

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Bei den Kloten Flyers ist die Stimmung im gestrigen Training ausgezeichnet. Assistenztrainer Felix Hollenstein betritt das Eis und fragt sogleich: «Können wir noch etwas mehr Licht haben?» – «Selbstverständlich», antwortet der Eismeister lachend. So selbstverständlich ist das allerdings nicht. Finden die Flyers heute Abend in der siebten Partie der Halbfinalserie gegen den SC Bern nicht zu ihrem Spiel zurück, droht das Licht für diese Saison nämlich bereits auszugehen.

Klar ist: Die Zürcher sind bereit für die «Belle». Das Training ist kurz, aber intensiv. In den Aufwärmübungen findet sich immer wieder Zeit für ein kleines Spässchen. Trainer Anders Eldebrink jubelt nach einem erfolgreichen Torschuss gegen Ersatzgoalie Michael Flückiger und streckt triumphierend den Arm in die Luft. Topskorer Tommi Santala tunnelt Flückiger zweimal in Serie und lässt sich dafür von seinem finnischen Landsmann Marko Luomala feiern. Beim anschliessenden, kurzen Trainings-Match geht es schnell zur Sache. Die Spieler zelebrieren ihr Tempo-Hockey und haben sichtlich Spass daran.

Rintanen und von Gunten fehlten

Bei der halbstündigen Einheit auf dem Eis fehlen Kimmo Rintanen und Patrick von Gunten. Der Finne liegt mit einer Magen-Darm-Grippe im Bett, während Verteidiger von Gunten nach dem Spiel vom Samstag – bei welchem er im zweiten Drittel verletzt ausschied – noch Schmerzen verspürt, heute Abend aber wohl trotzdem mit dabei ist. Samuel Walser schätzt die Situation so ein, wie man das nach dem Training in guter und lockerer Atmosphäre erwarten kann: «Wenn wir unser Hockey spielen können, dann gewinnen wir Spiel sieben.» Der 19-Jährige gehörte am Donnerstag zu den auffälligsten Akteuren der Flyers und schoss sein erstes Playoff-Tor. Er fügt an: «Ich will dort weitermachen, wo ich aufgehört habe. Nach meinem Tor bin ich sicher sehr positiv gestimmt.» Geht es nach den Klotenern, findet das Lichterlöschen in der Kolping-Arena noch nicht heute Abend statt.

Montagvormittag, 11 Uhr. Postfinance-Arena. Die Berner trainieren zügig, aber ohne Hast. Der Sonntag war frei und das Training am Montag ist lediglich eine Mischung aus Warmlaufen und Üben. Nach einer guten halben Stunde ist es vorbei. Was jetzt nicht funktioniert, lässt sich in einem Training auch nicht mehr erlernen. Am besten lässt sich die Stimmung im SC Bern als professionell-positive Zuversicht bezeichnen. Tief im Herzen kann sich keiner vorstellen, dass nach drei Siegen in Serie nicht auch noch der vierte Triumph und damit die Finalqualifikation gelingt. Aber es wäre unprofessionell, jetzt grosse Sprüche zu machen oder gar Ausgelassenheit zu zeigen.

Der Mann, der im grossen Unterhaltungskonzern SC Bern in der Sportabteilung die letzte Verantwortung trägt, heisst Sven Leuenberger. Der ehemalige SCB-Verteidiger ist
im Amt des Sportchefs im grössten Hockeyunternehmen des Landes seit dem Sommer 2006 gereift. Er hat Krisen erfolgreich gemanagt (2008 und 2009 als Qualifikationssieger im Viertelfinal gescheitert) und Triumphe gefeiert (Meister 2010). Kein Wunder, verweist SCB-General Marc Lüthi inzwischen bei allen sportlichen Fragen an Leuenberger. Es ist sozusagen der Ritterschlag für den Sportchef: Nur wer erstklassige Arbeit leistet, darf im Reich von Lüthi selbstständig arbeiten und Auskunft geben.

Sven Leuenbergers Zuversicht

Die Frage daher an Leuenberger: Hatten Sie überhaupt je Zweifel an einer Finalqualifikation? Ein Ja wäre im Sinne einer positiv-professionellen Zuversicht ebenso falsch wie ein Nein. Daher sagt Leuenberger zuversichtlich: «Ich war auch nach drei Niederlagen sicher, dass wir gewinnen werden, wenn wir so gut spielen wie im zweiten und im dritten Spiel.» Seit dem Samstag habe sich nichts geändert, Verteidiger Andreas Hänni ist weiterhin verletzt.

Besser hätten es weder Lüthi noch dessen «Spin-Doctor» Jürg Zbinden sagen können. Das ehemalige Boulevard-Schlachtross, Berater des SCB-Managements für kommunikativ heikle Fälle, ist nicht mit dem gleichnamigen Bischof zu verwechseln.